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Grünes Griechenland für Genießer

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Sie ist klein, schwarz und so verschrumpelt wie die Finger nach einem zu langen, heißen Bad. Aber der Biss in die Thrumba-Olive, die so typisch für die griechische Insel Thassos ist, lohnt sich trotzdem: Ein intensiver Geschmack, aber nicht bitter – und ein gelungener Auftakt zu einem mehrgängigen Menü mit immer neuen kleinen Tellern im Restaurant „Agorastos“ von Thalia Dagliannaki in Kinira. Und das soll nur ein kleiner Mittagssnack sein.

Viele Plätze auf der weinumrankten Terrasse, die einen atemberaubenden Ausblick auf eine gegenüberliegende Privatinsel bietet, sind in der Vorsaison noch leer. Thalia Dagliannaki hofft, dass es nicht so bleibt. Sie betreibt neben dem Restaurant auch ein kleines Hotel. „Noch im November 2014 sah es so aus, als ob 2015 das beste Jahr für den Tourismus hier wird“, berichtet sie. „Aber seit den Wahlen im Januar sind die Buchungen aus Deutschland stark zurückgegangen. Viele haben wohl Angst, dass sie hier angefeindet werden.“

Doch diese Befürchtung entbehrt sowohl auf Thassos als auch im Rest Griechenlands jeder Grundlage. „Die Deutschen sehe ich nicht als Gäste, sondern als Freunde“, betont die in Essen aufgewachsene Dagliannaki. „Griechenland ist mehr als die zehn Personen, die man in Deutschland immer im Fernsehen sieht.“

Auch Nikos Ikonomou, Politikkorrespondent in Thessaloniki für die Athener Zeitung „Dimokratia“, meint: „Sowohl die deutschen als auch die griechischen Medien berichten oft sehr negativ über das jeweils andere Land. Damit die Medien überleben, müssen sie Schlagzeilen machen, und dafür werden Einzelfälle verallgemeinert.“

Die persönlichen Begegnungen zwischen den Touristen und den weiterhin sehr gastfreundlichen Griechen aber sind davon nicht betroffen – auch wenn viele Einheimische gern mit Deutschen über die aktuelle Lage reden und Vorurteile korrigieren wollen. „Es gibt Faulenzer und Fleißige in jedem Land“, betont Dagliannaki, „meine Mutter etwa arbeitet jeden Tag in der Woche von sechs Uhr morgens bis elf Uhr abends.“

Auf Thassos leiden zahlreiche Menschen unter der Krise. Die Jugendlichen finden keine Arbeit, es fällt vielen schwer, im Alltag über die Runden zu kommen, betont Reiseleiterin Birgit Manolaki, die 1986 der Liebe wegen aus dem Ruhrgebiet auf die Insel kam. „Wirkliche Armut wie in den Städten gibt es hier aber kaum“, betont sie, „die Dorfgemeinschaft, das soziale Engagement im ganz kleinen Rahmen fängt das auf.“

Auch für den Touristen sind die Dörfer auf Thassos etwas Besonderes. Oft liegen sie, wie das malerische Panagia mit seinen Häusern im mazedonischen Baustil, in den Bergen. Die sind auf der grünen Insel im Nordosten Griechenlands bis zu 1206 Meter hoch.

Wo die Großmutter
noch Ziegenkäse macht

In den Bergdörfen gibt es für Genießer wirklich authentische griechische Küche – im Restaurant „O Yiannis“ in Mirko Kazaviti etwa pflückt die Großmutter noch nachmittags den Löwenzahn für den „Chorta-Salat“ oder macht den Ziegenkäse selbst, der abends als eine der vielen Vorspeisen gereicht wird. In Thassos gibt es das große Glück auf kleinen Tellern. Wer griechische Küche bislang nur mit Souvlaki und Gyros in Verbindung brachte, wird hier eines Besseren belehrt.

Zu vielen Bergdörfern gehört ein Ort mit Zugang zum Meer – etwa zum Dorf Prinos das Fischerörtchen Skala Prinos. „Skala“ („Treppe“) deutet schon an, dass es hier vom Hauptort nach unten geht. Früher waren die Orte am Meer nur eine Art Wurmfortsatz der Bergdörfer. „Ab den 50er Jahren zogen viele Bewohner herunter, um ihren Fischerbooten nahe zu sein“, berichtet Birgit Manolaki. Heute stehen in den Orten am Meer viele Strandhotels, die den Touristen ideale Bedingungen für einen erholsamen Badeurlaub bieten.

Wer aber lieber aktiv sein möchte, findet auf Thassos ebenfalls viele Möglichkeiten – seien es Wanderungen im Gebirge oder Bootstouren mit Kapitän Vassilis Kalafatis zu idyllischen Badebuchten mit flaschengrünem Wasser. In Giola gibt es sogar ein Naturschwimmbecken, quasi eine Badewanne aus Stein, die mit Meerwasser gefüllt ist. Eine Inselrundfahrt führt auf einer gut ausgebauten Straße, die oft von Olivenbäumen gesäumt wird, zu vielen touristischen Sehenswürdigkeiten – etwa zum Nonnenkloster Archangelou.

Hier soll der Erzengel Michael dem asketischen Mönch Loukas erschienen sein und ihm den Auftrag gegeben haben, eine Kirche zu bauen. Der gehorchte natürlich, später entstand dort das Kloster. Wer es heute besichtigen will, muss die strenge Kleiderordnung beachten und sich am Eingang mit Tüchern die Beine oder nackten Schultern verhüllen. Fotografieren oder Handytelefonate sind verboten.

Weltlicher geht es im früheren Bergarbeiterstädtchen Limenaria zu. Dort steht das griechische Pendant zur „Villa Hügel“, das „Palataki“ („Palästchen“), das 1964 von der Firma Krupp verlassen wurde. Auf Thassos wurde Erz gefördert. Krupp hatte von 1953 bis 1964 für einige Gruben die Bergbaukonzession.

Der weiße Marmor
ist auch in Dubai begehrt

Während das Erz heute keine große Rolle mehr spielt und kostengünstiger in Südamerika und Afrika abgebaut wird, ist Marmor immer noch ein begehrtes Exportgut der Insel. Der Marmor von Thassos gilt als besonders weiß und wird sogar nach Dubai transportiert. Die Reste von minderer Qualität finden sich überall, sogar an der Hafenmole von Limenaria, wo sie im Sonnenuntergang besonders schön glänzen.

Ein glanzvolles Erzeugnis anderer Art ist das Olivenöl. Dort zeigt sich, was aus der Thrumba-Olive werden kann. Eine alte Ölpresse ist in der Ölmühle Sotirellis in Panagia zu besichtigen. Mit Wasser wurden früher die Steine bewegt, die die Oliven zermahlen, danach die Maische zwischen Matten zerpresst. Heute besteht die harte Arbeit für die Touristen nur darin, sich im Geschäft der Ölmühle zwischen den Erzeugnissen zu entscheiden – neben Öl in Kanistern gibt es pflegende Salben oder Armbänder aus Olivenöl-Kernen. Auf Thassos, so scheint es, führen letztlich alle Wege zur Olive. Vielleicht weil ihr Genuss auch durch die Krise nicht getrübt wird.

Mehr Gelegenheiten zu Besichtigungen und Shopping bietet ein Ausflug von Thassos in die Stadt Kavala auf dem Festland. Mit der Fähre dauert die Fahrt ab Skala Prinos eine Stunde 15 Minuten. Mehrmals am Tag fahren Schiffe. Sehenswert in Kavala, das erst 1913 wieder griechisch wurde, ist neben einem römischen Aquädukt vor allem die Altstadt mit türkisch geprägten Häusern, einer alten Moschee und einer Burg. Kaum zu glauben, dass diese Sehenswürdigkeiten noch im touristischen Dornröschenschlaf liegen.

Zurück auf Thassos, locken auf der Halbinsel Aliki schöne Strände und antike Ausgrabungen. Archäologe und Restaurator Thomas Kyriakidis aus Xanthi sorgt nach der Wintersaison dafür, dass jeder Stein wieder an seinem Platz liegt. Und als Zugabe präsentiert er den interessierten Touristen noch etwas von der Art Lebensphilosophie, die Griechenland glücklicherweise auch in der Krise erhalten geblieben ist: „Es gibt nur drei wichtige Dinge im Leben: Gesundheit, Freiheit und die Liebe – zu dem, neben dem man aufwacht, und zu dem Job, den man hat.“ Gleich danach, so weiß der Thassos-Tourist inzwischen, kommt aber vermutlich schon die Thrumba-Olive. Pia Rolfs

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