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Touristiker setzen auf Blogger

Reiselustige Menschen informieren sich zunehmend in sozialen Medien über mögliche Urlaubsorte. Das hat auch die Tourismusbranche verstanden und setzt auf digitale Meinungsmacher.
Wattwandern in Ostfriesland? Wer sich über Ausflugsziele informieren möchte, kann auch einiges von Bloggern erfahren. Jedoch ist hier immer etwas Skepzis geboten. Foto: Carmen Jaspersen/dpa Wattwandern in Ostfriesland? Wer sich über Ausflugsziele informieren möchte, kann auch einiges von Bloggern erfahren. Jedoch ist hier immer etwas Skepzis geboten. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Oldenburg. 

Auf ihre „Genussreisen” nimmt Tanja Neumann Zehntausende Menschen mit. Mit Fotos, Videos oder einer Live-Berichterstattung per Kurznachrichtendienst Twitter teilt die 46-Jährige aus Krefeld am Niederrhein ihre Eindrücke und zeigt, wo sie sich gerade aufhält.

„Rechts von mir liegen die Salzwiesen, vor mir das Wattenmeer”, heißt es in ihrem Blog „Vielweib on Tour” über einen Besuch in Ostfriesland. „Die Luft schmeckt salzig und pustet zeitgleich die Seele frei.”

Mit ihren Texten erreicht Neumann viele Internetnutzer - bis zu 30 000 Artikelaufrufe pro Monat zählt sie auf ihrem Blog. Ein Tweet wird ihr zufolge bis zu 200 000 Mal gelesen. „Mein Blog ist mein Hobby”, sagt die Frau, die ihr Geld als Referentin der Industrie - und Handelskammer Mittlerer Niederrhein verdient. „Ich bin eine Genussreisende.”

Für die Tourismusbranche sind Blogger wie Neumann interessant. „Reiseblogs werden wichtiger”, sagt die Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes, Ellen Madeker vor dem Niedersächsischen Tourismustag (18. Mai). „Sei es, dass einzelne Reisende online von ihren Erfahrungen berichten oder Veranstalter über ihre Destinationen bloggen.” Um Kunden zu finden und zu halten seien viele Touristiker auf verschiedenen Kanälen im Internet unterwegs. „Auch das stationäre Reisebüro um die Ecke kommt um soziale Medien kaum mehr herum.”

Die Sprecherin der Nordsee GmbH in Schortens, einem Zusammenschluss von 20 Urlaubszielen aus den sieben Ostfriesischen Inseln und 13 Küstenorten, bestätigt das. „Neben den Journalisten sind Blogger eine wichtige Zielgruppe”, sagt Katja Benke. „Touristiker bemühen sich um Kontakte zu reichweitenstarken Bloggern, weil man weiß, dass deren Beiträge die Meinung der Gäste beeinflussen.”

So kommt es, dass Tourismusdestinationen und Veranstalter vermehrt sogenannte Influencer engagieren, die viele Fans und Follower auf Facebook, Instagram, Twitter & Co haben. Sie bezahlen ihnen die Reise und erwarten im Gegenzug hübsche Fotos und positive Beiträge auf den Seiten der digitalen Meinungsmacher.

Reisefreudige, die sich in sozialen Medien über mögliche Urlaubsorte informieren, erwarten genau das Gegenteil. In der Regel treibt sie der Wunsch nach einem authentischem Eindruck. „Es ist diese ungeschminkte Brille”, beschreibt Bloggerin Neumann den Vorteil vieler Beiträge. Von versteckter, bezahlter Werbung hält sie nichts. „Die Meinung eines guten Bloggers ist nicht käuflich”, betont sie.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen ruft Internetnutzer dazu auf, kritisch zu sein. „Ein Blogger kann seine persönliche Meinung äußern”, sagt die Juristin Jusina Starke. „Es wird dann problematisch, wenn er für einen positiven Beitrag bezahlt wird und das nicht kenntlich macht.” Sie rät Kunden, misstrauisch zu werden, wenn Beiträge oder Kritiken nur positiv sind. „Dann sollte man immer mehrere Quellen zurate ziehen.”

Im weiten Feld der sozialen Medien mischt die Tourismusbranche inzwischen selbst kräftig mit. „Die mittelständischen und großen Unternehmen sind auf Facebook vertreten und nutzen das”, sagt der Geschäftsführer von Tourismuszukunft , einem Beratungsunternehmen für digitalen Tourismus, Michael Faber. Auch bei Instagram und WhatsApp seien viele Touristiker unterwegs.

Der Wunsch nach authentischen Geschichten ist den Unternehmen bewusst. Die TourismusMarketing Niedersachsen GmbH hat sogar eine eigene Seite für Beiträge von Bloggern aufgebaut, die durch Niedersachsen reisen. „Schonungslos und ehrlich teilen sie mit euch ihre Erlebnisse und zeigen euch, was ihr bei uns alles entdecken könnt”, heißt es auf der Seite mit Beiträgen in fünf Sprachen. Auch über Twitter, Instagram, Facebook und GooglePlus können sich Leser beteiligen.

(Von Helen Hoffmann, dpa)
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