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Viele Seen in Deutschland in schlechtem Zustand

Quecksilber, Pflanzenschutzmittel, Nährstoffüberschüsse: Die ökologische Qualität der Gewässer in Deutschland ist bedenklich. Als Badegewässer sind sie allerdings kaum beeinträchtigt.
Die Wasserqualität des Finsterroter Sees in Baden-Württemberg war dauerhaft so schlecht, dass vom Schwimmen abgeraten wurde. 97,8 Prozent der deutschen Badestellen erfüllen jedoch den EU-Mindeststandard. Foto: Daniel Maurer Die Wasserqualität des Finsterroter Sees in Baden-Württemberg war dauerhaft so schlecht, dass vom Schwimmen abgeraten wurde. 97,8 Prozent der deutschen Badestellen erfüllen jedoch den EU-Mindeststandard.
Berlin. 

Nur jeder vierte See in Deutschland ist ökologisch in einem guten Zustand - in den meisten ist die Wasserqualität bedenklich. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke hervor, über die die Funke Mediengruppe berichtet.

Demnach erreichen 24 Prozent der Gewässer Messwerte, die nach EU-Kriterien als gut gelten. Fast drei Viertel der Seen sind nach Ansicht der Experten in einem mittelmäßigen bis schlechten Zustand. Lediglich 2,3 Prozent könnten als sehr gut bewertet werden.

Den Seen in Deutschland gehe es schlecht, erklärte Lemke. „Fische und Pflanzen, die hier typischerweise vorkommen, finden in diesen Seen keinen Lebensraum mehr.” Diese Gewässer würden unter der Vergüllung durch die Landwirtschaft leiden. „Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden und verlanden.”

Trotz des ökologisch bedenklichen Zustands der Seen ist die Badegewässer-Qualität in Deutschland hoch. Nach dem jüngsten Bericht der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency/EEA), der im Mai 2017 vorgestellt wurde, erfüllen 97,8 Prozent der knapp 2300 untersuchten deutschen Badestellen die EU-Mindeststandards. An fast 91 Prozent bescheinigt der jährlich erscheinende Bericht den Badegewässern sogar eine ausgezeichnete Qualität (excellent quality). Für diesen Bericht wird die Belastung der Gewässer mit Bakterien untersucht, die beim Menschen Krankheiten verursachen können.

Für die Beurteilung der ökologischen Qualität werden hingegen andere Messwerten erfasst, etwa die Belastung mit Chemikalien wie Quecksilber oder Pflanzenschutzmittel oder die Belastung mit Nährstoffen wie Phosphaten und Nitraten, die vor allem aus der Landwirtschaft eingetragen werden.

Schuld am schlechten Zustand der Gewässer ist nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF „eine Verschleppungstaktik” der Politik. „Es wurde zu lange weggesehen, wenn Industrie und Landwirtschaft auf Kosten unseres Wassers gewirtschaftet haben”, heißt es in einer Stellungnahme am Freitag. „Es ist geradezu widersinnig, dass ausgerechnet jetzt die europäische Wasserrahmenrichtline, die Flüsse, Seen und unser Grundwasser schützen soll, auf den Prüfstein der EU-Kommission gelegt wird. Es droht eine Aufweichung und eine weitere Verschlechterung für unser Wasser und die Ökosysteme, die davon abhängig sind.”

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, ihre Gewässer bis spätestens 2027 in einen guten Zustand zu bringen.

(dpa)
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