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Was Passagiere am Flughafen Frankfurt vergessen

Rund 22 000 Gegenstände landen jährlich im Fundbüro des Frankfurter Flughafens. Unter ihnen sind nicht nur Jacken und Mützen, sondern auch skurrile Schätze.
Ein Stoffaffe, der von einem Kind aus den USA am Frankfurter Flughafen vergessen wurde, wartet im Fundbüro. Rund 22 000 Gegenstände landen hier jährlich. Bilder > Foto: Arne Dedert/dpa Ein Stoffaffe, der von einem Kind aus den USA am Frankfurter Flughafen vergessen wurde, wartet im Fundbüro. Rund 22 000 Gegenstände landen hier jährlich.
Frankfurt. 

Die Mail kam aus Florida. Neben einer verzweifelten Nachricht erhielt sie ein Foto des Vermissten: ein kleiner, gelb-brauner Stoff-Affe. Ein Kind hatte das Tier vor dem Abflug am Frankfurter Flughafen liegenlassen und seitdem schmerzlich vermisst,

Nun hockt der Affe in einem der Regale und wartet auf die Wiedervereinigung mit seiner Familie, wie Rike Krüger berichtet, die stellvertretende Leiterin des Fundbüros. Ob verloren, vergessen oder verlegt: Im Fundbüro des Frankfurter Flughafens landen all die Gegenstände, die herrenlos aufgelesen oder vom Bodenpersonal bei Sicherheitskontrollen entnommen werden.

Der Stoff-Affe ist nur einer von 22 000 Objekten, die jährlich ihren Weg hierher finden. Hier lagern die geliebten Kuscheltiere neben sperrigen Küchengeräten, hochwertige Uhren neben miefigen E-Zigaretten. Während an den Garderobenstangen die üblichen Verluste wie Jacken und Westen hängen, tummeln sich in den Regalen Kuriositäten. Krüger deutet auf den zusammengeklappten Rollstuhl: „Manche Gäste lernen bei uns anscheinend wieder Laufen.” Mittlerweile spinne sie sich keine Geschichten mehr zusammen. „Nach einer gewissen Zeit fragt man nicht mehr nach dem „Warum””, sagt sie.

Da sind die Passagiere, die ihr Gepäckstück bis zum Rand mit Äpfeln füllen. Bei manchen geht die Liebe zum Werkeln so weit, dass sie ohne ihr Werkzeug nicht in den Urlaub wollen. „Unser Klassiker sind die Kettensägen”, sagt Krüger, „besonders im Sommer haben wir viele da”. Diese landen anschließend aber nicht in den offenen Regalen, sondern in einem Gefahrgutschrank im Nebenraum. „Die Schränke verschließen sich von alleine, wenn sich in ihnen etwas entzündet”, erklärt Krüger die Vorsichtsmaßnahme.

In der Regel haben Eigentümer drei Monate Zeit, um sich im Fundbüro zu melden - sofern sie nicht vorher vom Personal kontaktiert werden. „Bei identifizierenden Gegenständen wie Adresskärtchen im Koffer, melden wir uns direkt bei den Eigentümern”, sagt Krüger. Nach Ablauf der Frist werden sehr persönliche Objekte und Daten vernichtet. „Einmal wurde bei uns ein Hochzeitsalbum abgegeben”, erinnert sich Krüger, „da blutet einem das Herz, wenn man das entsorgen muss.”

Die Fundsachen, die dann noch übrig bleiben, gehen an ein Auktionshaus in Darmstadt. Bei jährlich bis zu acht Versteigerungen finden die einst herrenlosen Objekte dort einen neuen Besitzer. „Es gibt nichts, was nicht unter dem Hammer weggeht”, weiß Birgit Wendt. Sie ist die Inhaberin des Unternehmens und führt seit 30 Jahren Protokoll bei den Versteigerungen.

Technische Gegenstände seien, anders als viele dächten, nicht der absolute Renner bei den Auktionen. „Viele Produkte sind sicherheitsgesperrt, so dass sie nur noch als Ersatzteillager dienen”, sagt Wendt. Größerer Beliebtheit erfreuen sich Designerstücke. Besonders Schnäppchenjäger hoffen auf ein günstiges Angebot.

Hochpreisige Gegenstände lagert das Fundbüro am Flughafen auch mal über die dreimonatige Frist hinaus. „Wenn die Gegenstände sehr wertvoll sind, heben wir sie bis zu sechs Monate auf”, sagt Krüger. Die Aufbewahrung ist aber nicht umsonst: Je wertvoller das Produkt und je länger es gelagert wird, desto teurer werden die Gebühren. Hinzu kommt unter Umständen ein Finderlohn. „Weil wir aber laut dem Gesetz unter eine öffentliche Verkehrsgesellschaft fallen, hat der Finder nur einen Anspruch auf seinen Lohn, nicht aber auf den Gegenstand selbst”, erklärt Krüger.

Im Fall des kleinen Äffchens steht demnächst eine Reise an. Per Versand wird der tierische Freund zu seinem Besitzer in die USA geschickt.

(Von Vanessa Kokoschka (Text) und Arne Dedert (Bilder), dpa)
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