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Durch Colorado: Von Bären, Bier und 300 Sonnentagen: Westernkult rund um die Rockies

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Was soll man von einer Stadt halten, in der spätabends auf dem Heimweg von der Bar ins Hotel ein Polizeiwagen neben einem hält und der Officer warnt: „Vorsicht Leute, es sind Bären im Stadtgebiet unterwegs!“

Bären, mitten in der Stadt. Es stimmt also offenbar, was Heidi vom örtlichen Tourismusbüro in Ouray im US-Bundesstaat Colorado beim Abendessen gesagt hat: 26 Bären seien in der Gegend aktuell gesichtet worden – und dazu zeigt sie ein Handyfoto mit einem dunklen Schemen im Gebüsch. Jetzt aber schnell zurück ins Hotel! Am nächsten Morgen zeugt eine große, schwere umgeworfene gusseiserne Mülltonne an der Hauptstraße von der Kraft, die ein solches Tier bei der Nahrungssuche einzusetzen vermag. Einige Schritte weiter weist dann eine Hinweistafel auf ein „Wiesbaden Motel“ hin. Für einen Mainzer ist das endgültig Grusel genug . . .

Nein, man tut Ouray natürlich Unrecht mit einer solchen Kurzbeschreibung. Die 1000-Einwohner-Stadt, benannt nach einem Häuptling der Ute-Indianer, bietet ein sensationelles Panorama: Auf gut 2300 Metern Höhe gelegen, ist sie umringt von mehreren 4000er-Gipfeln der Rocky Mountains. Eigenvermarktung: „Switzerland of the USA“.

Colorado ist Vielfalt – nicht nur der noble Wintersportort Aspen, der vielen wohl zu diesem US-Bundesstaat einfallen würden. Colorado hat pittoreske Kleinstädtchen, die eine perfekte Kulisse für einen Western abzugeben scheinen – und es auch teilweise tatsächlich getan haben: Zum Beispiel Ridgway.

Hier drehte schon John Wayne

Keine 1000 Einwohner groß, scheint das Örtchen seine gesamte Identität daraus zu ziehen, dass dort im Jahr 1969 der Film „Der Marshal“ mit John Wayne gedreht wurde. Jim Pettengill stapft mit Cowboyhut auf dem Kopf stolz durch die Straßen und erzählt auf der „True Grit“-Walking Tour (so der Original-Filmtitel), wann und wo der „Duke“ im Film was getan hat. Außerdem quirlige Großstädte wie Boulder, Colorado Springs und natürlich die Hauptstadt Denver. Dynamisch, energiegeladen, aufregend. Auch „Menver“ genannt wegen des großen Männerüberschusses, wie Stadtführerin Rochelle verschmitzt anmerkt.

Colorado hat Sonne. Mehr als Kalifornien und Miami, wie die Einheimischen gerne betonen. Tatsächlich weist die Statistik mehr als 300 Sonnentage für das Land inmitten der USA aus. Das bietet enorme Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten: Alle Arten von Wintersport, Wandern, Klettern, Mountainbiking, Wildwassersport, 250 Golfplätze, Reiten.

Und Colorado hat natürlich die Rocky Mountains. Die gewaltige Gebirgskette im Westen der USA, die von Alaska bis New Mexico reicht und allein in Colorado mehr als 50 Gipfel über 4200 Meter aufweist. Nationalparks mit überwältigender Landschaft: Der 1000 Quadratkilometer große Rocky Mountain Nationalpark, Chimney Rock mit Siedlungsresten der Ureinwohner oder der Black Canyon of the Gunnison, eine 800 Meter tiefe Schlucht in schwarzem Fels. Es gibt auch Sandberge, aber dazu später mehr.

Bier, Bier und nochmal Bier

In Colorado ist man verrückt nach Bier. Auf das vielgerühmte German Beer wird der deutsche Besucher zwar nach wie vor angesprochen, doch ist man dort mittlerweile sehr stolz auf das Craft Beer, das allerorten gebraut wird. 200 Brauereien gibt es im Bundesstaat, weshalb Colorado in den USA auch als der „Bierstaat“ gilt. Im Stadtgebiet der Metropole Denver gibt es mehr als 30 Brauereien, gut 200 verschiedene Biersorten werden dort gebraut. Im Oktober steigt in Denver das „Great American Beer Festival“, das größte Bier-Tasting in Nordamerika mit 3000 Bieren aus 700 Brauereien. In der Nachbarstadt Boulder führt ein „Beer Trail“ den Besucher zu 20 Brauereien. Nebenbei bemerkt auch noch zu sechs Weingütern/-händlern und sechs Destillen – wer’s denn alles schafft . . .

Weitere Informationen

Informationen über den US-Bundesstaat Colorado gibt es auf der deutschsprachigen Internetseite www.colorado.com/deutsch/home Ansprechpartner in Deutschland ist die Agentur Get It Across Marketing in Köln.

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Und wie schmeckt das Craft Beer, das mit dem ehernen „Deutschen Reinheitsgebot“ teilweise aber auch rein gar nichts zu tun hat? Nun, wer bereit ist, sich von dem typisch hopfig-herben deutschen Geschmack zu lösen, und sich offen für neue Erfahrungen zeigen mag, wird erstaunlich leckere Varianten finden. Sorten wie „Colorado Kölsch“ aus der Steamworks Brewing Company in Durango oder „Joe’s Pilsner“, „Kaiser Imperial Oktoberfest“ von Avery in Boulder weisen eindeutig auf die Vorbilder hin; auch englische und belgische Varianten sind im Sortiment. In der Avery Brauerei werden täglich 30 verschiedene Sorten frisch gezapft, da findet sich für jeden ein schmackhafter Gerstensaft. Und manches geht natürlich auch gar nicht. Der Kult kennt dabei keine Grenzen: Was wir hier überwiegend nur von schottischen Single Malts kennen, wird dort auch mit Bier exerziert: Fasslagerung – Bier gereift in Tequila-, Wein-, Madeira-, Rum- oder Whisky-Fässern.

Temperierte Badebecken

Aus den Rocky Mountains sprudelt viel Wasser. An vielen Orten heiß und mineralhaltig. Gesund also, was schon die Indianer wussten. Der Besucher kann darin baden oder es auch trinken. So stehen in Manitou Springs sieben öffentliche Brunnen mit sieben verschiedenen Wässern und stets anderen Mineralienkonzentrationen zur Auswahl. Unser Jeep-Fahrer Whipper stoppt am „Wheeler“-Quell und hat kleine Pappbecher zum Probieren dabei. Nun ja, wie so gesundes Wasser eben schmeckt . . .

Im „The Springs Resort & Spa“ in Pagosa Springs hingegen gibt es 23 Badebecken mit unterschiedlich temperiertem Mineralwasser. Das heißeste Bassin misst 40,5 Grad und heißt „Lobster Pot“ – Hummer-Topf. Empfohlene Badezeit: Zehn Minuten.

Stundenlange Fahrt durch die eine karge Steppenlandschaft, immer die Felsmassive der Rockies im Blick, plötzlich ein erstaunlicher Szenenwechsel: Sandberge, jede Menge riesige Sandberge. Klein-Sahara am Fuße der Rocky Mountains – der Great Sand Dunes Nationalpark, ein 80 Quadratkilometer großes Dünenfeld.

Riesige Sandberge

Über Jahrtausende haben Winde die Sandkörner aus den Bergen herausgeweht und bis zu 230 Meter hohe Sandberge entstehen lassen. Ein Aufstieg auf eine der Dünen muss sein und bietet einen phänomenalen Blick auf Steppe, Sandlandschaft und Gebirge, ist aber im rutschigen Untergrund beschwerlich: Ein Fuß vor, einen halben Fuß zurück. Zum Glück war genug Wasser im Gepäck – es muss ja nicht zwingend Heilwasser sein. (Christoph Barkewitz)

 

 

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