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„Mama, wie lange dauert Totsein?“

Kinder fragen ihren Eltern gerne Löcher in den Bauch. Eine der am schwierigsten zu beantwortenden Fragen ist die nach dem Tod.
Wenn Kinder trauern Bild-Zoom
Kinder fragen ihren Eltern gerne Löcher in den Bauch. Eine der am schwierigsten zu beantwortenden Fragen ist die nach dem Tod. Der Anlass hierfür kann der Familienhamster sein, der eines Morgens tot im Käfig liegt oder ganz banal ein toter Regenwurm. Was aber, wenn ein geliebter Mensch schwerkrank ist oder tödlich verunglückt oder gar das Kind selbst sterben wird? Wie sollen Eltern dem Kind erklären, was sie selbst oft nicht verstehen? „Grundsätzlich ist es ganz wichtig, offen und ehrlich zu sein und den Kindern die Fragen zu beantworten, die sie stellen“, sagt die Theologin und Pädagogin Christine Fleck-Bohaumilitzky, die sich seit 15 Jahren mit Trauerbegleitung beschäftigt und im Beirat des Bundesverbandes Verwaiste Eltern in Deutschland (VEID) sitzt. Die Eltern sollten ihren Kindern so einfach und klar wie möglich antworten, um sie nicht zu verwirren und der Entwicklung von Ängsten oder Schuldgefühlen vorzubeugen.Formulierungen wie „Oma ist eingeschlafen“ oder „von uns gegangen“ sollten vermieden und stattdessen deutlich gesagt werden: „Oma ist tot.“ Auch die Todesursache sollte offen angesprochen werden, selbst dann, wenn ein Suizid oder ein Gewaltverbrechen vorliegt. Das Kind sollte die Wahrheit nicht von Fremden erfahren müssen. Der Umgang mit dem Tod und auch die anschließende Trauer sind auch bei Kindern individuell verschieden, allerdings stark abhängig vom Alters- und Entwicklungsstand.

Alterspezifischer Umgang mit Tod

Im Kindergartenalter erfassen Kinder den Tod noch nicht als etwas Endgültiges. Sie glauben, der Verstorbene komme irgendwann zurück, eine typische Frage ist: „Wie lange dauert Totsein?“ Im Grundschulalter hingegen erfassen sie die Endgültigkeit des Todes und interessieren sich für die praktischen Dinge: Wie sieht der Sarg aus, was passiert mit dem Toten im Grab? Sie haben jedoch noch kein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass sie selbst sterben können. Anders ist es bei Jugendlichen, die ein ähnliches Verständnis vom Tod haben wie Erwachsene.Eltern benutzen oftmals Bilder wie „Der Opa ist im Himmel“ oder „Die Mama ist jetzt ein Schutzenge“. Dies kann für viele Familien hilfreich sein. „Dabei ist es sinnvoll, Bilder zu wählen, an die man selbst glaubt, sodass man für das Kind glaubwürdig ist“, sagt Fleck-Bohaumilitzky. Oft helfe es auch, das Kind zu fragen: „Wie stellst du dir das vor?“ Die Vorstellung des Kindes müsse so belassen werden, wie sie ist. „Es ist entscheidend, dass sich das Kind in seiner Trauer von den Erwachsenen ernst genommen fühlt“, betont die langjährige Trauerbegleiterin.Auch Rituale können Kindern im Umgang mit dem Tod helfen, beispielsweise eine Kerze für den Verstorbenen anzuzünden. Sofern die Kinder dies wünschen, sollen sie auch zum Abschiednehmen und zur Beerdigung mitgehen dürfen. Bereits etablierte Familienrituale wie das abendliche Vorlesen müssen auch im Trauerfall beibehalten werden, um den Kindern weiterhin Stabilität zu vermitteln. Ihr Leben soll so normal wie möglich weiterlaufen.Jugendliche trauern im Internet. Ob Kinder den Tod eines geliebten Menschen seelisch heil überstehen, hängt auch stark vom Verhalten der Eltern ab. Lässt man die Kinder gewähren, gehen sie meist sehr unbefangen und natürlich mit dem Tod um. Viele Erwachsene sind irritiert davon, dass vor allem kleinere Kinder oft punktuell trauern und zwischendurch ganz normal spielen, lachen und fröhlich sind. „Auf diese Art gehen die Kinder mit schwierigen Ereignissen um, eine kontinuierliche Trauer könnten kleine Kinder nicht aushalten“, sagt Fleck-Bohaumilitzky. Viele Kinder und vor allem Jugendliche wählen heute das Internet als Forum für die Trauerbewältigung. Gerade Teenager können oft nicht mit den Eltern sprechen und ziehen es vor, sich mit anderen trauernden Jugendlichen in Online-Chaträumen auszutauschen. Viele richten auch Gedenkseiten ein, zum Beispiel für verstorbene Geschwister - mit Fotos, Gedichten und Erinnerungen. Die individuelle Form der Trauerbewältigung zu respektieren sei überhaupt das Wichtigste im Umgang mit dem Tod, sagt Fleck-Bohaumilitzky: „Es gibt keinen Weg der Trauer, der richtig oder falsch ist.“
Nadine Pilz
Weitere Informationen unter www.veid.de
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