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Wenn der Partner stirbt

In der ersten Zeit nach dem Todesfall sind Witwen und Witwer oft wie gelähmt und können nicht begreifen, dass der geliebte Mensch tatsächlich nicht mehr da ist», sagt Roland Kachler, Diplom-Psychologe aus Esslingen und Autor mehrerer Ratgeber zum Thema Trauer. Immer wieder erwarte man, dass der Partner doch wieder am Esstisch sitze oder gleich mit dem Auto vorfahre – «Erst, wenn diese Hoffnungen immer wieder enttäuscht werden, realisiert man allmählich, dass der Partner nicht mehr wiederkommt», sagt Kachler.
Trauerbewältigung Bild-Zoom

Wie lange dieser Prozess dauert, lässt sich nicht voraussagen. Wichtig ist, dass man nicht versucht, die Trauer zu beschleunigen. «Trauernde sollten sich in dieser Zeit einfach auf die Führung ihrer Trauer verlassen», sagt Kachler. Versuche man allzu schnell, zur Normalität zurückzukehren, bestehe die Gefahr, dass die Emotionen später wieder aufbrechen. «Die nicht verarbeiteten Gefühle können dann sogar in Depressionen münden», sagt Kachler.

Beratungsstellen für Trauernde

Vor allem der Austausch mit anderen Menschen ist wichtig, um den Tod des Partners zu verarbeiten. «Wichtig ist, dass die Trauernden über ihre Situation reden, dass sie vom Verstorbenen erzählen und auch darüber, wie sie dessen Tod erlebt haben», Annette Dobroschke-Bornemann, Leiterin des Vereins «Tabea», Träger von Beratungsstellen für Trauernde, Akademien und Ambulanten (Kinder-)Hospizdiensten. Das helfe ihnen, ihre Trauer zu verarbeiten. Vertraute Personen seien daher ganz besonders wichtig.

Wer in seiner Trauer Zuspruch und Unterstützung braucht, kann sich auch an spezielle Beratungsstellen wenden. «Hilfe bekommen Trauernde bei psychologischen Beratungsstellen, aber auch beim Hausarzt oder Seelsorger», sagt Roland Kachler. In Trauergruppen könnten Witwen und Witwer zudem andere Menschen treffen, die in der gleichen Situation sind wie sie, und neue Kontakte knüpfen.

Den Alltag regeln

Auch wenn man nach dem Tod des Partners alleine zurückbleibt, sollte man sich um einen geregelten Tagesablauf kümmern. «Es ist nicht plötzlich egal geworden, wann man aufsteht oder was man anzieht – der Alltag muss seinen Rahmen gerade in dieser schweren Zeit behalten», sagt Dobroschke-Bornemann. Sie empfiehlt Trauernden, bewährte Routinen nach Möglichkeit beizubehalten. «Möglicherweise lassen sich Gewohnheiten an die neue Situation anpassen. Wenn man beispielsweise sonntags immer einen Spaziergang mit dem Partner unternommen hat, wäre es hilfreich, den Spaziergang weiterhin zu unternehmen und sich dafür mit anderen Spaziergängern zusammenzutun», schlägt die Diplom-Pädagogin vor.

Auch für die verschiedenen Feiertage im Jahr sollte man sich eine Neugestaltung überlegen. «Die Zeit vor dem Geburtstag oder vor Weihnachten empfinden Witwen und Witwer oft als besonders schwer, weil ihnen dann der Verlust des Partners noch einmal besonders deutlich wird», erklärt Dobroschke-Bornemann. Oft verstärke sich die Trauer in diesen Phasen noch einmal. Vielen Betroffenen helfe es, diese Zeit besonders intensiv zu gestalten und sich mit Beschäftigungen abzulenken. «So kann man beispielsweise im Gedenken an den Partner einen Grabschmuck basteln. Oder vielleicht backt man ihm seinen Lieblingskuchen – und verschenkt ihn dann an einen anderen lieben Menschen», sagt Dobroschke-Bornemann.

Die Trauer über den Verlust eines Menschen macht oft noch einmal besonders deutlich, wie sehr man ihn liebt und vermisst. «Diese liebevolle Bindung zum Partner hört mit dem Tod nicht einfach auf. Trauernde sollten sich daher nicht unter Druck setzen, den Verstorbenen ,loslassen‘ zu müssen», betont Roland Kachler. Es gehe vielmehr darum, die Beziehung auf einer anderen Ebene weiterzuführen und so seinen Frieden mit dem Tod des Geliebten zu schließen. Vielen Hinterbliebenen helfe es daher, einen sicheren Ort auszuwählen, an dem sie dem Verstorbenen immer wieder begegnen und mit ihm in ein inneres Gespräch treten können. Für manche sei dies die Grabstätte, andere suchten sich eine Bank im Wald oder den Ort am Ufer des Sees, den der Partner besonders liebte. «Die Gewissheit, dass der geliebte Mensch nicht verloren geht, hilft Trauernden dann auch, wieder ins Leben zurückzufinden», sagt Kachler.

Trauer als Person vorstellen

Nach Monaten und Jahren voll Schmerz stellen Hinterbliebene meist irgendwann fest, dass ihre Trauer immer öfter in den Hintergrund tritt. «Oft wollen Witwen und Witwer das nicht wahrhaben – sie fühlen sich dem verstorbenen Partner gegenüber noch immer verpflichtet und bekommen Schuldgefühle», beschreibt Kachler. In dieser Situation könne es hilfreich sein, den Verstorbenen in einem inneren Gespräch um Erlaubnis zu bitten, langsam wieder mehr Lebensfreude empfinden zu dürfen.

Allmählich könne man sich dann auch von seiner tiefen Trauer verabschieden. Man kann sich die Trauer als Person vorstellen, die immer öfter eine Zeit lang wegbleibt. (Maria Hilt, ddp)
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