Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Was ist Trauer?

Der Tod eines nahe stehenden Menschen trifft einen in gewisser Weise immer unerwartet, ganz gleich ob der Tod plötzlich eintritt oder sich beispielsweise durch Krankheit angekündigt hat. Je überraschender ein Leben endet, desto größer ist der Schock. Muss ein Mensch diese Welt verlassen, hinterlässt er ein Loch. Je näher man dem Menschen stand, desto größer ist der Schmerz, desto schmerzhafter ist die Trauer. Und die Trauer wächst ins Unermessliche, wenn man ihr keinen Raum gibt.
Trauer Bild-Zoom

Doch was ist Trauer und wie geht man mit ihr um? Viele Menschen drücken das Gefühl der Trauer weg, geben ihm in einer hektischen, arbeitsreichen Zeit keinen Raum, zum Teil auch weil sie erleben müssen, dass ihre Mitmenschen mit Trauernden nur schwer umzugehen wissen. Dabei ist Trauer ein notwendiges Gefühl, um den Verlust eines Menschen zu verarbeiten.
Trauer ist ein persönlicher Prozess, der ganz unterschiedlich verläuft, mit einer großen inneren Stille ebenso wie mit Wut und Ohnmachtgefühlen. Man fühlt sich hilflos, man glaubt, das Leben könne nie wieder gut werden, fühlt sich alleine gelassen und kann sich nur schwer mit der Endgültigkeit des Todes abfinden. So schmerzhaft der Prozess des Trauerns ist, so ist die Zeit des Trauerns aber in keiner Weise als negativ zu betrachten. Im Gegenteil: Menschen müssen trauern, müssen all diese Gefühle zulassen, die durch den Verlust eines Menschen über sie kommen.
Die Professorin für Psychologie Verena Kast teilt den Trauerprozess in vier Stadien ein, die nacheinander ablaufen. Zunächst fällt es den Betroffenen schwer, den Tod eines Menschen zu akzeptieren. Man möchte nicht wahrhaben, dass man diesen Menschen nie wieder lebend sehen wird, nie wieder seine Stimme, sein Lachen hören wird, nie wieder mit ihm sprechen, ihn berühren wird. Trauernde verleugnen den Verlust zunächst, glauben, sie erlebten einen bösen Traum. Sie sind starr vor Entsetzen, fühlen eine große Leere und Stille, sind empfindungslos.
In der zweiten Phase bricht über den Trauernden ein Gefühlswirrwarr herein. Trauer, Angst, Zorn, Wut und Ruhelosigkeit durchmischen sich. Je nachdem wie das Verhältnis des Trauernden zum Verstorbenen war, nimmt das eine oder andere Gefühl überhand. Meist gehen Schlafstörungen mit einher. Gerade dieser Phase droht verdrängt zu werden. Zum einen können starke Schuldgefühle Ursache dafür sein, dass man auf dieser Stufe des Trauerns stecken bleibt – zum Beispiel weil den Trauernden Unausgesprochenes plagt, was er dem Verstorbenen gerne noch gesagt hätte. Zum anderen ist es schwierig, in einer Gesellschaft der Selbstbeherrschung derartig starke und schwankende Gefühle auszuleben. Abhängig von der familiären Situation und der gesellschaftlichen Prägung des Hinterbliebenen besteht die Gefahr, die Trauer zu unterdrücken, zu verdrängen. Aber nur wer all dies zulässt, kann in seinem Trauerprozess voranschreiten.
Dann wird er erleben, wie er in der dritten Phase des Trauerprozesses beginnt, bewusst oder unbewusst nach dem Verlorenen zu suchen. Es werden Fotografien betrachtet, gemeinsame Orte aufgesucht und  Erinnerungen hervorgekramt – alles, was einem den Verstorbenen und die Beziehung zu ihm wieder wach werden lässt. Damit beginnt die Konfrontation mit der Realität und ihrer Tatsache, dass jener Mensch nicht mehr da ist.
Der Trauerprozess gelingt, wenn der Trauernde den Verlust akzeptiert und den Verstorbenen zu einem inneren Begleiter macht, der sich in seiner Erinnerung entwickelt, bis die positiven Erinnerungen dem Gedanken an den Tod überwiegen. Nachteilig für das Seelenheil ist, wenn der Trauernde sich entfremdet, wenn er sich einigelt und versucht, ein Pseudoleben mit dem Verlorenen zu führen und wenn sich nichts verändern darf, was an den Verstorbenen erinnert. Die Psychologin beschreibt diese Phase der Trauerarbeit auch als eine Phase des Findens und des Sich-Trennens. In dieser Zeit ist es besonders hilfreich, Menschen um sich herum zu haben, mit denen man sprechen, gemeinsame Erinnerungen teilen und vielleicht auch ungelöste Probleme beraten kann, die man mit der verlorenen Person hatte.
In diesem Moment integriert der Trauernde die Erfahrung des Verlustes, akzeptiert die Vergänglichkeit jeder Beziehung und kommt in die Lage trotz dieses Wissens, sich auf neue Beziehungen einlassen zu können. Dann weiß der Trauernde: Der Verlust eines Menschen ist zwar schwer zu ertragen, aber bedeutet nicht das Ende des eigenen Lebens, sondern eine schwierige Phase im Leben, die zum Leben dazugehört. Ist der verlorene Mensch zu einer inneren Figur geworden, dann hat man den Verlust akzeptiert und kann wieder ganz im Leben aufgehen. Den verlorenen Menschen hat man in Gedanken und im Herzen dabei.
Zur Startseite Mehr aus Trauerbewältigung

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse