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VfR Bockenheim und SV Heddernheim: Auch das letzte Mittel hilft nicht

Zwei traditionsreiche Vereine mussten den Gang in die A-Klasse Frankfurt antreten – sowohl der VfR Bockenheim als auch der SV Heddernheim haben es nicht geschafft, den Abstieg aus der Fußball-Kreisoberliga abzuwenden. Bei den Clubs gibt es in der Nachbetrachtung der Entwicklung, die zum Absturz führte, viele Parallelen.
Bockenheim (in Rot) gegen Heddernheim – in der Kreisoberliga gibt es dieses Duell erst einmal nicht mehr zu sehen. Foto: Christian Klein Bockenheim (in Rot) gegen Heddernheim – in der Kreisoberliga gibt es dieses Duell erst einmal nicht mehr zu sehen.
Frankfurt. 

Uwe Haubrichs, seit 2008 der erste Vorsitzende des 1955 gegründeten VfR Bockenheim führt als erstes den Abgang von fünf Leistungsträgern an: Carsten Czimer, Erkan Beyazal, Can Karaca, Georgios Nasios und Miro Karoglan hatten den Club im vergangenen Sommer verlassen.

Weiter sieht Haubrichs die „desaströse Vorbereitung“ im Sommer 2016 als einen Grund für die schlechte Saison an: „Wir hatten kaum Trainingsbeteiligung und ständig war jemand anderes im Urlaub.“ Zudem war der damalige Trainer Antonio Brenes ebenfalls drei Wochen nicht da, was sich wohl auf die Motivation der Bockenheimer Kicker auswirkte. So ging das Team nicht fit in die Saison und durch Verletzungen verschlimmerte sich die Lage noch.

Irgendwann stellte sich beim Vorstand der Eindruck ein, dass Coach Brenes „das Ruder nicht mehr herumreißen“ könne: „Wir wollten einen neuen Impuls setzen, deshalb haben wir Antonio entlassen“, erzählt Haubrichs. Anfang Oktober wurde Taner Yalcin verpflichtet. Bis Yalcins Fußballverständnis allerdings in den Köpfen der Spieler angelangt war, verging noch einmal einige Zeit. „Taner verlangt eine hohe Trainingsbeteiligung, großes Engagement und taktische Variabilität. Die Mannschaft brauchte einige Zeit, um die Philosophie zu verinnerlichen“, stellt Haubrichs fest. Das Team steigerte sich, doch am Ende waren die achtbaren 23 Punkte nicht genug, um den letzten Tabellenplatz, den Bockenheim seit dem vierten Spieltag innehatte, noch einmal verlassen zu können. So muss der VfR Bockenheim, nach fünf Jahren in der Kreisoberliga, wieder eine Liga tiefer spielen. In der A-Klasse wird Trainer Yalcin vom neuen Sportdirektor Adil El Hirache, einem ehemaligen Kicker des VfR, unterstützt. Die Ansprüche von Coach Yalcin sind klar, sagt der 49-jährige Haubrichs: „Taner will die Mannschaft stabilisieren, so dass wir guten Fußball spielen. Und wir wollen vorne mitspielen.“

Das Glück aufgebraucht

Die Enttäuschung bei Heddernheims Spielausschuss-Chef Klaus Schleicher ist immer noch groß, müssen die Kicker von der Brühlwiese doch im Jahr des 110-Jährigen Bestehens eine Klasse tiefer antreten. Seit 1984 spielten die Heddernheimer in der Kreisoberliga, seinerzeit A-Klasse, dann Bezirksliga genannt. In den 90er Jahren gab es einen zweijährigen Ausflug in die damalige Bezirks-Oberliga (heutige Gruppenliga), danach war der SV eine feste Größe in der Kreisoberliga Frankfurt. Wie kam es zu diesem Tiefpunkt?

Der 62-jährige Schleicher holt etwas aus: „Wir spielen schon seit drei Jahren gegen den Abstieg und konnten diesen in der letzten Saison unter Andreas Ludwig mit einer überragenden Rückrunde gerade noch abwenden. Mir war klar, dass wir nicht noch einmal so viel Glück haben würden.“ Der ehemalige Angestellte von Hewlett und Packard glaubt, dass vor allem die veränderte Mentalität bei den Amateurkickern in den unteren Klassen ein Grund dafür ist: „Fußball ist nur noch eins von vielen Hobbys. Es gibt keine Ernsthaftigkeit mehr, andere Dinge sind wichtiger als regelmäßig ins Training zu gehen. Und wenn man die Spieler disziplinieren will, bleiben sie einfach weg.“

Wie schon Bockenheims Uwe Haubrichs führt Schleicher eine „katastrophale Vorbereitung“ an, ebenfalls verließen einige Stammkräfte (Patrick Wüst, Markus Weber) den Club und das Verletzungspech (Faouzi Afkir) kam hinzu: „Das hat sich wie ein roter Faden durch die Hinrunde gezogen.“

Und wie in Bockenheim wurde das letzte aller Mittel probiert: Kurz vor Beginn der Rückrunde löste Andreas Berggold den glücklosen Andreas Ludwig ab. „Das tat mir für Andreas Ludwig leid, aber wir wollten alles probieren und uns nicht nachsagen lassen: Hättet ihr doch . . .“, erläutert Schleicher. Berggold habe die Mannschaft auch wieder erreicht und ihr Leben eingehaucht: „Die Spieler wollten wieder.“ Doch das Blatt hatte sich aus Schleichers Sicht gewendet: „Wir hatten unser Glück in den letzten beiden Jahren aufgebraucht, jetzt lief alles gegen uns. In den meisten Partien nach der Winterpause waren wir mindestens auf Augenhöhe und sind dann doch als Verlierer vom Platz gegangen. So viel Pech habe ich noch nie erlebt.“

Am Ende waren die 26 Punkte zu wenig, der BSC Schwarz-Weiß 19 hatte auf dem drittletzten und damit dem Relegationsplatz drei Punkte mehr auf dem Konto. Coach Andreas Berggold bleibt den Heddernheimern erhalten, auch fast alle Kicker hegen keine Wechselabsichten, sagt Schleicher. Wie auch Bockenheims Boss Uwe Haubrichs für sein Team bestätigt: „Bis jetzt bleiben alle Spieler bei uns.“ Wobei die Abmeldefrist ja erst am 30. Juni endet.

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