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Kunstturnen: Aufgestiegen, aber für die Zweite Liga noch zu schwach

2013 hoch, 2014 runter, 2015 hoch, 2016 runter, 2017 wieder hoch: Auf die Kunstturner von Eintracht Frankfurt passt der Begriff Fahrstuhlmannschaft wie die Faust aufs Auge.
Akrobat schön:  Flugeinlage von Bojan Dejanovic. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Akrobat schön: Flugeinlage von Bojan Dejanovic.
Schwäbisch Gmünd. 

Die Kunstturner von Eintracht Frankfurt haben in Schwäbisch Gmünd mit einem nie gefährdeten 74:10-Triumph über die TG Hanauerland die sofortige Rückkehr in die Zweite Bundesliga Nord realisiert.

In die zweithöchste Klasse begleitet wird der in der Dritten Bundesliga Nord verlustpunktfreie Staffelsieger von dem Tabellenzweiten TV Großen-Lingen, der sich im parallelen Aufstiegskampf gegen den Süd-Meister VfL Kirchheim unter Teck mit 38:32-Scorerpunkten behaupten konnte.

Die große Frage ist nun, wie es bei den Adlerträgern in Sachen Trainer weiter geht. Die langjährigen Macher sind größtenteils weg. Trainer Iulian Olariu ging schon vor dem Saisonstart nach Großostheim. „Wir werden im Moment da seitens des Landesverbandes unterstützt, wissen aber, dass das keine optimale Lösung ist“, sagt Team-Manager Michael Schmidt: „Deshalb suchen wir intensiv einen Trainer, der den Jungs etwas technisch beibringen könnte.“

Da es keine Vollzeitstelle sein könne, schaue man sich unter den Trainern in der Region um, die Zeit, Lust und Kapazität hätten, um zusätzlich zu ihrem Job zwei bis dreimal in der Woche die Bundesliga-Riege zu trainieren.

Die frühere Heusenstammer Turnlegende Willi Jaschek folgt, nachdem ihm laut eigene Aussage während der Saison mitgeteilt wurde, dass man ihn bei der Mannschaft als Offiziellen nicht mehr benötigt, seinem Freund Winfried Glaser, mit dem er die Eintracht-Turner jahrelang betreute, zu seinem Heimatverein TSV Heusenstamm. „Ein Mensch wie er ist nicht zu ersetzen. Ich kenne kaum jemanden mit dieser Leidenschaft fürs Kunstturnen“, betont Schmidt. Er bedauere den Schritt des früheren Olympia-Teilnehmers und versichert, „dass es in der Abteilungsspitze niemanden gegeben hat, der Jaschek nicht gern weiter bei der Mannschaft gehabt hätte“.

Mit überschaubarem Risiko geturnt

In dem Aufstiegskampf zur Zweiten-Turn-Bundesliga gegen die TG Hanauerland hatte Tim Schneider von Eintracht Frankfurt am Boden mit respektablen 5,1 die mit Abstand höchste D-Note für die Schwierigkeit.

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Dass die Turner von der Leistung her eher in die Zweite als in die Dritte Liga gehören, wurde den Frankfurtern nach dem Wettkampf in Schwäbisch Gmünd überall attestiert. Doch man muss bedenken, dass einige Turner wie Tim Schneider oder Marvin Lauer aus Zeitgründen im Training wahrscheinlich kürzer treten müssen. Ob der Serbe Bojan Dejanovic auch für die Zweite Bundesliga als Leistungsträger stark genug ist, bleibt offen. Im Moment wäre er es nicht. Er ist aber noch jung, fliegt im Januar zu einem längeren Trainingslager nach Japan, kann sich vielleicht noch erheblich steigern. „Dazu Michael Schmidt: „Wir schauen uns um. Sollte Bojan überall ein paar Zehntel zulegen können, würden wir ihn natürlich gern wieder sehen. Aber wir wissen, dass man in der Zweiten Liga ohne einen starken Ausländer kaum konkurrenzfähig wäre. Es gibt viele Anfragen aus diversen Ländern.“

Das Faustpfand für die Zukunft soll Niklas Neuhäusel sein, der in diesem Jahr beim Deutschen Turnfest in Berlin Deutscher Jugendmeister der AK 15/16 wurde. Der 16-Jährige durfte in der Bundesliga aus Altersgründen nur eine eingeschränkte Anzahl an Wettkämpfen turnen (insgesamt nur achtmal an den Geräten), wurde deshalb nur sporadisch eingesetzt, um im Aufstiegskampf mitmachen zu dürfen. Vorgesehen war ein Einsatz an den Ringen, Pauschenpferd und Sprung. Dazu kam es aber nicht. „Er leidet aktuell unter Wachstumsproblemen, wie auch sein Arzt bestätigte. Daher war er nicht fit, hat auch Schmerzen an der Hand verspürt. Nach dem Einturnen hat er uns gesagt, dass er, falls er nicht unbedingt gebraucht wird, lieber aussetzen würde. Er stand bereit, musste aber nicht eingesetzt werden. In der kommenden Saison darf er voll mitmachen und wird uns dann sicher erheblich verstärken“, erklärte Schmidt dazu.

In die Rolle von Neuhäusel – als bedingt einsatzberechtigter Jugendturner – könnte 2018 der bald 14 Jahre alte Pascal Brendel schlüpfen. Zurückkehren in die Mannschaft soll Neuzugang Tim Spetzke. Der vom Erstligisten Cottbus wegen seines Studiums nach Frankfurt gekommene 19-Jährige ist vom Pech verfolgt. Bereits mit 16 musste er wegen eines Wirbelbruchs am Rücken ein Jahr lang pausieren. Beim diesjährigen Wettkampf in Sulzbach vergriff er sich bei seiner Stützkehre und brach sich bei seinem Sturz die Hand. Spätestens im Februar kann er wieder mit dem Training beginnen.

„Dass wir im Moment für die Zweite Liga nicht stark genug und für die Dritte überqualifiziert sind, wissen wir selbst. Bis zum Ligastart müssen alle Turner an den Schwierigkeiten arbeiten, etwas draufpacken“, stellt Schmidt klar.

(löf)

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