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SoftTennis: Die sanftere Variante als Alternative

Von Die Asiaten beherrschten wie erwartet das SoftTennis-Turnier in Frankfurt, leisten aber auch Entwicklungshilfe.
Herren-40-Sieger Tomasz Matuszelanski (links) bevorzugt – wie sein asiatischer Kontrahent – das Tennis-Spiel mit den weicheren Bällen. Foto: Christian Klein Herren-40-Sieger Tomasz Matuszelanski (links) bevorzugt – wie sein asiatischer Kontrahent – das Tennis-Spiel mit den weicheren Bällen.
Frankfurt. 

Zu sehen waren sie beim Passieren der imposanten Eingangshalle des Frankfurter Tennisclubs Palmengarten noch lange nicht, zu hören dafür umso deutlicher. Die Asiaten sind nicht nur Meister des SoftTennis, sondern auch Meister der lauten Töne. Bei den German Open in Frankfurt demonstrierten sie eindrucksvoll beides: Ihre Spielstärke ebenso wie die lauten Schreie, die jeden gelungenen Ball begleiteten. Und es waren nicht wenige gelungene Schläge. Im Einzel wie Doppel waren die Ballkünstler aus Asien sowohl bei den Damen als auch bei den Herren unter sich. Trotz über 50 Konkurrenten aus Europa.

Kein Wunder: Während SoftTennis auf dem alten Kontinent eine exotische Randsportart ist – bei der letzten WM in Indien war Europa unter den 215 Teilnehmern mit knapp vier Dutzend Spielern aus Deutschland, Polen, Tschechien, Ungarn und Großbritannien vertreten, die alle bereits in den ersten Runden das Nachsehen hatten – , gibt es allein in Japan sechs Millionen SoftTennis-Spieler. Reichtümer können sie bei Turnieren auch dort nicht gewinnen. Dafür sind aber alle in Firmenmannschaften organisiert. Das gelte laut Mitsuji Ando, Präsident der Japan SoftTennis Association, für alle Sportarten, egal ob Fußball, Formel 1 oder eben SoftTennis. „Wenn sie ihre erfolgreiche Sportkarriere beenden, werden sie bei den Firmen, für die sie gespielt haben, dann eingestellt“, verriet Ando in Frankfurt die Grundlage der großen Motivation.

Zur Europa-Tournee, unmittelbar vor Frankfurt wurde in Warschau gespielt, schickte das Land der aufgehenden Sonne erstmals ihr Nationalteam. Mit zwei Siegen, drei zweiten und vier dritten Plätzen war Japan in Frankfurt auch die erfolgreichste Mannschaft. Der größte Konkurrent der Ostasiaten ist Korea, wo auch zwei Millionen Menschen SoftTennis spielen. Die Koreaner holten bei den German Open die beiden fehlenden Titel. Dort werden starke Leistungen nachträglich honoriert. Die koreanischen Spieler sammeln ihr Leben lang Punkte, ähnlich den Weltranglistenpunkten im Tennis. Wer eine vorgegebene Punktzahl erreicht, bekommt später vom Staat eine lebenslange finanzielle Unterstützung, eine Art Rente.

Die beiden SoftTennis-Großmächte reisen seit einigen Jahren als Farbtupfer, ebenso wie die Inder und erstmals auch Chinesen, zu den europäischen Turnieren. Quasi als eine Art Entwicklungshelfer. In Europa am weitesten sind die Polen. „Bei uns spielen seit zehn Jahren rund 100 Menschen SoftTennis. Wir haben drei größere Turniere, spielen sonst im Ausland. Die Kosten müssen wir selber tragen“, erklärte Tomasz Matuszelanski, in Frankfurt Sieger der Herren-40-Konkurrenz.

„Zu wenig gefährlich“

Uwe Biehl, Vorsitzender des deutschen Verbandes und seit Jahren ein Kämpfer für die in Asien so populäre Sportart, kennt die Gründe. „Selbst eine Formel 1 ist ohne Sprit nichts wert. Es ist ein Teufelskreis. Wir bräuchten mehr Vereine, die SoftTennis spielen, Turniere, bei denen sich die Spieler messen könnten. Dazu müssten wir Sponsoren haben. Für die wiederum ist unsere Sportart nicht verbreitet genug. Und wohl nicht spektakulär genug.“ Biehl fragte bei Red Bull nach. Die Antwort verschlug ihm die Sprache. „SoftTennis? Nein. Ist zu sanft, zu wenig gefährlich, um von uns gefördert zu werden“, hieß es beim Brause-Hersteller.

Aufgeben kommt für Uwe Biehl aber nicht in Frage. Er ist überzeugt, irgendwann seine Vision erfüllt zu sehen. „Die Japaner schicken uns für drei Monate einen SoftTennis-Lehrer, der uns helfen wird, Spieler, aber vor allem Lehrer auszubilden. In Großvereinen mit zahlreichen Tennis-Mannschaften, wie beim TC Palmengarten, wird es stets schwierig bleiben, allein schon wegen der Platzkapazität, SoftTennis groß herauszubringen“, ist sich der Verbands-Chef bewusst. „Aber ich hoffe, bei kleineren Vereinen Ausbilder etablieren zu können, die mit Schulen kooperieren. Es könnte eine Win-Win-Situation werden. Kinder würden im SoftTennis schnelle Erfolgserlebnisse haben, die Eltern vielleicht dem Verein beitreten, um zunächst Tennis zu spielen. Und irgendwann, wenn die Zahl der Soft-Tennis-Spielpartner vorhanden sein wird, im reiferen Alter vielleicht zu der sanfteren Variante wechseln.“

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