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Rugby: Einfach nur glücklich

Was ein Spielerstreik so alles bewirken kann. Jeweils zwei Spieler vom RK Heusenstamm und vom SC 80 debütierten in der Nationalmannschaft. Gino Gennaro schaffte es in der letzten von drei Partien der Testspielserie sogar gleich in die Anfangsformation.
Der ballfuehrende Gino Gennaro (Deutschland, 18) am Ende des deutschen Pakets, neben ihm Rafael Dutta (Deutschland, 6). Foto: pressehaus/kessler (bild pressehaus) Der ballfuehrende Gino Gennaro (Deutschland, 18) am Ende des deutschen Pakets, neben ihm Rafael Dutta (Deutschland, 6).
Offenbach. 

Bis Mittwochmittag lief die Rugby-Welt des Gino Gennaro in geordneten Bahnen. Beim Bundesligisten RK Heusenstamm hat sich der Erste-Reihe-Stürmer längst etabliert, und das mit den „Füchsen“ häufiger verloren wird als gewonnen, daran hat sich der 28-Jährige auch gewöhnt – wenn man teils gegen Proficlubs antreten muss oder zumindest finanzkräftigere Konkurrenz, ist das nichts Außergewöhnliches.

Aber dann, so zwischen 13 und 14 Uhr, rekapitulierte Gennaro, habe er von DRV-Teammanager Max Pietrek einen Anruf erhalten. Am Samstag solle er die Bundesfarben mit dem schwarzen Adler auf der Brust tragen. Im Stadion am Bieberer Berg, im Weltranglistenspiel gegen Chile – das saß. „Ich war natürlich überrascht und einfach nur glücklich“, sagte Gennaro. Ein Spielerstreik (wir berichteten) machte es möglich, zu diesen Ehren zu kommen. Dass er gleich für die Start-15 nominiert wurde, steigerte zusätzlich das Glücksgefühl.

Und Gennaro machte seine Sache gut. Seine Gasseneinwürfe kamen präzise – ein Grund, weshalb das DRV-Team fast eine halbe Stunde lang den Südamerikanern bestens Paroli bieten konnte und sogar teils überlegen war. Nach 40 Minuten war dann Schluss für ihn. „Ich habe unter der Woche ein bisschen gekränkelt“, erklärte der Hakler. Davon war allerdings auf dem Feld nichts zu bemerken.

Dass die Partie letztlich mit 32:10 recht deutlich zugunsten der Chilenen ausging – Deutschland rutschte deshalb auf den 26. Weltranglistenplatz ab – , sei zu erwarten gewesen. „Man hat gemerkt, dass sie schon lange zusammenspielen. Trotzdem hat es Spaß gemacht, der Versuch in letzter Minute war ein schöner Abschluss.“

Schon im Alter von sechs Jahren fing Gino Gennaro mit dem Rugbysport an. Gebürtig in Frankfurt, wählten seine Eltern die erste Adresse im Rhein-Main-Gebiet, den Traditionsverein SC 80 Frankfurt. Sieben Jahre später zog es die Gennaros nach Heusenstamm – dies hatte ein Wechsel zum ortsansässigen RKH zur Folge. Seine Mutter ist eine Deutsche, sein Vater Italiener aus dem sizilianischen Catania.

Cameron-Dow streikt

Auch Gennaros Heusenstammer Teamkollege Ben Sabinarz kam vor 2600 Zuschauern in Offenbach zu seinem ersten Einsatz für die DRV-Auswahl. Ebenso Marcel Becker und Senzo Ngubane vom Sport-Club 1880. Wynston Cameron-Dow war vom nationalen Verband auch für das Chile-Spiel nominiert. Doch die Führungskraft des Frankfurter Erstligisten schloss sich noch den Streikenden an. Beim 45:12 über Brasilien in Leipzig hatte Cameron-Dow für Deutschland debütiert und eine Woche später beim 17:46 gegen die USA in Wiesbaden seinen ersten Versuch für die DRV-15 gelegt. Ob der gebürtige Südafrikaner im nächsten Jahr wieder mitwirkt, ist nach all den Turbulenzen der vergangenen Tage offen.

(fri)

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