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U21-WM-Qualifikation: Kollegiale Gegner

Von In der Regel stehen sie auf der gleichen Seite des Volleyball-Feldes. Bei der U21-WM-Qualifikation in Frankfurt wurden aus Teamkollegen aber Gegner. Für zwei Stunden waren Tobias Krick und der Rumäne Adrian Aciobanitei durch ein Netz getrennt.
Teamkollegen im Duell: Tobias Krick hat abgezogen, Adrian Aciobanitei versucht zu blocken. Foto: Marcel Lorenz Teamkollegen im Duell: Tobias Krick hat abgezogen, Adrian Aciobanitei versucht zu blocken.
Frankfurt. 

Was die beiden Bundesligaspieler der United Volleys Rhein-Main einte, war die eindrucksvolle Demonstration ihrer Stärke. Im Vergleich mit den restlichen Junioren-Spielern aus Deutschland, Rumänien und Estland überragten Tobias Krick und Adrian Aciobanitei die Konkurrenz um Längen. Sie waren die hervorstechenden Akteure des von Deutschland durch ein 3:2 gegen Rumänien gewonnenen Qualifikationsturniers.

Der sprunggewaltige und schlagkräftige rumänische Außenangreifer aus Falticeni war mit 42 Punkten aus zwei Begegnungen der fleißigste Punktesammler des Turniers. Noch beachtlicher waren die 37 Punkte von Krick, die er als Mittelblocker erzielte. „Adi war sehr stark, Tobi überragend“, urteilte Nationalspieler Jan Zimmermann, der gemeinsam mit Christian Dünnes, Jan Klobucar und Jannis Hopt in der Sporthalle der Carl-von-Weinberg-Schule die beiden Mitspieler moralisch unterstützte.

Vor der entscheidenden Partie trafen sich die beiden Widersacher auf Zeit kurz beim Abendessen. „Man erkundigt sich nach dem Befinden und wünscht sich alles Gute“, schilderte Krick, der auch unmittelbar nach der Begegnung für ein kurzes Gespräch zum rumänischen Kapitän eilte. Vater Jörg, einer der Initiatoren des Models United-Volleys, lichtete beide gemeinsam dann noch mit dem Handy ab. Im Spiel selbst begegneten sich die beiden sonstigen Teamgefährten bei einer Ballberührung viermal. Krick blockte den Rumänen jedes Mal erfolgreich, dreimal erzielte er damit direkt den Punkt. „Da kam mir sicher zugute, dass ich genau weiß, wie Adrian gerne schlägt. “ In den zwei Begegnungen gelangen ihm insgesamt zwölf Blockpunkte.

Die Entwicklung von Tobias Krick ist schon erstaunlich. Vor einem Jahr wirkte er bei seinem Bundesliga-Debüt noch sehr jugendlich. Heute, obwohl mit 18 Lenzen immer noch ein Jahr jünger als die meisten Teilnehmer an dieser WM-Qualifikation, war er bestimmend. Er überragte alle anderen nicht nur wegen seiner Größe von 2,11 Metern, sondern aufgrund seines Könnens. Zum einen, weil er die absolute Lufthoheit am Netz hatte. Von einer Reichweite von 3,50 Metern konnten die Gegner nur träumen. Ihn zu blocken war kaum möglich, lediglich Adrian Aciobanitei kann mit 3,45 Metern die Arme ähnlich hoch strecken. Und Krick wusste die Freiheit in der Luft zu nutzen. 16 Mal wurde er gegen Rumänien angespielt, 13 Schmetterbälle verwandelte er in Punkte. Das macht eine für einen Volleyballer erstaunliche Erfolgsquote von 81 Prozent. 14 Mal blockte er einen gegnerischen Angriff und erzielte so weitere fünf Punkte.

„Es macht immer Spaß, viele Punkte zu machen. Es ist sicher leichter hier durchzukommen als in der Bundesliga. Es ist aber kein Freibrief. Du musst schon die Leistung bringen“, betonte Krick. Er freue sich schon auf die Punktspiele mit den United Volleys. „Dort haben die Routiniers wie Christian Dünnes oder Lukas Bauer mehr Verantwortung. Hier habe ich mehr Spielanteile, das war auch toll. Jetzt freue ich mich auf die nächste Herausforderung.“ In einem weiteren Qualifikationsturnier muss sich die deutsche Mannschaft nun unter anderem gegen Weltmeister Polen durchsetzen.

Echter Kapitän

Für Adrian Aciobanitei ist die WM-Qualifikation hingegen bereits zu Ende. Durch die unerwartete 2:3-Auftaktniederlage gegen Estland, das wiederum Deutschland 0:3 unterlag, belegten die Rumänen nur den letzten Platz. „Uns war es wichtig, den Zuschauern zu zeigen, dass wir auch Volleyball spielen können. Das ist uns nach dem 0:2-Rückstand gegen Deutschland gelungen“, sagte er anschließend. Dass die zwei gewonnenen Sätze vor allem sein Verdienst waren, verschwieg er bescheiden. 42 Mal wurde er am Netz eingesetzt, 17 Mal setzte er den Schmetterball in Zählbares um. Mit einer solchen Rasanz schmetterte sonst keiner der weiteren Protagonisten. „Da die Annahme und dadurch auch das Zuspiel oft nicht optimal waren, musste ich oft aus ungünstigen Lagen schmettern, was auch häufig daneben ging“, erklärte er die für ihn geringe Erfolgsquote.

Die Rolle des Kapitäns füllte der 19-Jährige hundertprozentig aus. Als einziger Akteur kam er während der zwei Stunden nicht vom Feld. Alle anderen bekamen durch den Einsatz des Liberos kurze Verschnaufpausen, Aciobanitei stand wie ein Turm in der Brandung in dem neun mal neun Meter langen Viereck. Er war überall präsent, munterte die Mitspieler auf, war auch an Punkten beteiligt, die andere machten. Denn der deutsche Block hatte sich derart auf Aciobanitei fokussiert, dass seine Mitspieler auf der anderen Seite ab und an frei zum Schuss kamen. „Ja, ich bin ganz schön erledigt“, gestand er hinterher.

Nun freut er sich wieder auf die Bundesliga. Auch wenn er dort nicht so viele Spielanteile haben wird. „Bei den United Volleys fühle ich mich wohl. Ich bekomme mehr Einsatz als in der vergangenen Saison in Friedrichshafen und werde auch im Training mehr eingebunden.“ Am Bodensee habe sich Star-trainer Stelian Moculescu hauptsächlich um die älteren Stars gekümmert. „Hier sind wir eine Einheit, wir passen altersmäßig zueinander und sind eine tolle Truppe. Ich bin froh, hier zu spielen.“

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