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SC Hessen Dreieich: Mäzen Hans Nolte spricht über ein besonderes Projekt, das den Steuerzahler nicht belasten soll

Mitarbeiter Peppi Schmitt hatte Gelegenheit, ausführlich mit dem Gründer und Mäzen über das „Modell Dreieich“ und die Verbindungen zu Eintracht Frankfurt zu reden.
Nicht nur sportlich, auch freundschaftlich verbunden: Vereingründer Hans Nolte (rechts) und Eintracht-Legende Charly Körbel. Foto: Peter Hartenfelser (Peter Hartenfelser) Nicht nur sportlich, auch freundschaftlich verbunden: Vereingründer Hans Nolte (rechts) und Eintracht-Legende Charly Körbel.

Vier Jahre ist der SC Hessen Dreieich jung – und schon Fußball-Hessenmeister. Der Verein agiert nach eigener Definition als „Dachmarke der Sport treibenden Dreieicher Stadtvereine“ und ist mit der Zielsetzung angetreten, „das Sportangebot in Dreieich neu zu strukturieren und eine Interessensbündelung der Vereine zu schaffen“. Initiator des Sport-Club Hessen und der Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH (DSBM) ist Hans Nolte, Präsident der in der Stadt ansässigen Firma „Hahn-Air“. Unser Mitarbeiter Peppi Schmitt hatte Gelegenheit, ausführlich mit dem Gründer und Mäzen über das „Modell Dreieich“ und die Verbindungen zu Eintracht Frankfurt zu reden.

Haben sie erwartet, dass das Projekt SC Hessen Dreieich solche Dimensionen annimmt, als sie sich für das Engagement entschlossen haben?

HANS NOLTE: Erwartet nein, geplant ja. Es ist ja offensichtlich ein Fußball-Projekt, aber nicht nur. Es ist auch ein politisches Projekt. Wir wollen Dachmarke des Sports in Dreieich sein, das ja 1977 aus fünf verschiedenen Ortschaften (Anm. d. Red.: Sprendlingen, Buchschlag, Götzenhain, Dreieichenhain und Offenthal) entstanden ist. Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Dreieich gibt es einen Verein, der den Namen der Stadt trägt. Das hat auch einen wirtschaftlichen Aspekt, denken sie nur daran, dass Standortpflegemaßnahmen steuerlich abgesetzt werden können. Wir wollen zusammenfügen, Kosten sparen. So gehört es zu den Aufgaben der angegliederten Dreieich Sportstätten Betriebs und Marketing GmbH, zentral Sponsorengelder für den Sport einzusammeln. Ich füge das ein, weil es nicht zwingend mit dem Fußball zu Ende ist, wir heißen ganz bewusst SC Hessen und nicht FC Hessen, also Sport-Club. Der Fußball könnte ein Muster mit Wert für andere Ballsportarten sein. Wir sind offen dafür und ich sehe sie mittelfristig kommen. Aber wir werden nichts oktroyieren und aufdrängen.

Zu Beginn wurde der Weg des SC Hessen nicht von allen positiv begleitet. Das hat sich verändert.

NOLTE: Ja, es gab eine Reihe von Ansätzen, die nicht so glücklich waren und zu Verwirrung und Missverständnissen geführt haben. Das Modell Dreieich war ohne Vorbild und ist es immer noch. Darum empfinde ich es als nicht so schlimm, dass wir Dinge ausprobieren und nicht immer sofort die richtige Lösung finden. Wichtig ist, dass wir im ständigen Dialog, durchaus manchmal auch harsch, zu gemeinsamen Lösungen kommen. Wenn wir vom Modell Dreieich reden, ist das übrigens kein Größenwahn, sondern wir wollen Dingen einfach einen Namen geben, der wiedererkennbar ist. Wir wollen uns keinesfalls über andere erheben, sondern einfach unseren Beitrag in dieser Stadt und für diese Stadt leisten. Gerade bei den Sponsorengeldern geht es vor allem um gerechte Verteilung, ich betone, es geht um Gerechtigkeit. Die DSBM ist dafür eine zentrale Stelle.“

„Nur in Dreieich“

Viele Menschen in der Region haben sich gefragt, warum sie ein ähnliches Projekt nicht in Neu-Isenburg aufgezogen haben, wo viele infrastrukturelle Möglichkeiten bereits gegeben waren?

NOLTE: Der Grund dafür ist ganz banal. Die Zentrale der Hahn-Air-Gruppe liegt in Dreieich und ich lebe in Dreieich. Mein neunjähriger Sohn spielt hier Fußball beim FV 06 Sprendlingen und sehr viele unserer Mitarbeiter kicken irgendwo in Dreieich. Deshalb war das Projekt SC Hessen auch so nur in Dreieich gewollt. Es ging ja nicht in erster Linie um maximalen sportlichen Erfolg. Den Grundgedanken, die Grundüberlegungen habe ich ja schon erläutert.“

Als der SC Hessen im März den freiwilligen Verzicht auf den Regionalliga-Aufstieg erklärte, wurde das als ihre persönliche Entscheidung gewertet.

NOLTE: Das ist schlicht falsch, denn es war eine gemeinsame Entscheidung der Vereinsführung in Absprache mit der Politik. Ob unser Erster Vorsitzender Reinhold Gerhardt, der Verwaltungsratsvorsitzende Martin Burlon oder ich, wir achten immer darauf, Augenmaß zu bewahren. Wir stellen immer die Frage: Was ist der öffentlichen Hand zumutbar? Es darf niemals so weit kommen, dass bei einem solchen Projekt am Ende der Steuerzahler die Zeche zahlt. Wir wollten der Stadt kein Ei legen im letzten Jahr des Rettungsschirms. Darüber waren sich alle einig. Dieser Verzicht war sicher keine One-Man-Show von mir, wie das ganze Projekt es nicht ist.

Bei den Offenbacher Kickers war schon die Angst umgegangen, es könnte in direkter Nachbarschaft ein Konkurrent erwachsen?

NOLTE: Darüber kann ich mich nur wundern. Es ist doch absurd, dass wir in Konkurrenz zum OFC treten könnten. Das ist ein Traditionsverein mit tausenden von Menschen als Basis. Jeder der in einem Verein, den es gerade vier Jahre gibt, daran Gedanken verschwendet, muss in einer anderen Welt leben. Offenbach ist doch eine ganz andere Dimension. Man sollte nicht vergessen, dass es die Stadt Offenbach in der Wahrnehmung in Deutschland doch ohne die Kickers gar nicht gibt. Auch wenn es inzwischen so ist, dass auch der SC Hessen sehr zur Wahrnehmung der Stadt Dreieich beigetragen hat.

Wo kann denn der Weg des SC Hessen hinführen, wo wird er enden?

NOLTE: In die Regionalliga, weiter definitiv nicht. Es wäre unsinnig über andere Dinge zu diskutieren, und es wäre nicht verantwortbar, in Dreieich ein Fußballstadion für 15 000 Zuschauer zu bauen, wenn ein Steinwurf entfernt in Offenbach dieses tolle Stadion steht. Selbst wenn das ohne Steuergelder möglich wäre, wären wir doch schnell bei der Frage, wie der Unterhalt zu finanzieren sei. Dann kommen zwei, drei Insolvenzen und am Ende muss die öffentliche Hand einspringen. Wir reklamieren bei unserem gesamten Handeln Augenmaß zu bewahren in Hinblick auf die Frage, was denn zumutbar ist für die öffentliche Hand. Es gibt genügend Beispiele, dass am Ende der Steuerzahler die Zeche zahlt, für Pläne, die Menschen machen, die selbst nicht einstehen mit dem eigenen Vermögen. Ganz schlimm finde ich, wenn sich Politiker oder Verwaltungsbeamte, die an solchen Prozessen beteiligt sind, mehr als Fan verstehen denn als Wahrer öffentlicher Interessen. Das kommt bei uns nicht in Frage. Also ganz klar: Regionalliga und nicht weiter.

„Wir möchten es tun

Bedeutet das auch, dass bei einer erneuten sportlichen Qualifikation in der neuen Saison der Aufstieg auch wahrgenommen würde?

NOLTE: Sagen wir es so: 2017 lag der Aufstieg nicht in unseren Erwartungen und nicht im Plan, 2018 wird das anders aussehen. Wir werden natürlich wieder sorgfältig abwägen, aber diesmal werden wir besser vorbereitet in diesen Prozess gehen. Wir werden alles daran setzen, dass wir den infrastrukturellen Anforderungen gerecht werden können. Zunächst einmal müssen ja die sportlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Aber ja, wenn es kommt, möchten wir es tun.

Infrastruktur heiß ja unter anderem, ein Ausbau des Hahn-Air-Sportparks, mehr Parkplätze, bessere Zufahrten und so weiter.

NOLTE: Daran wird seit einiger Zeit gearbeitet. Dabei müssen wir unterscheiden, was die DSBM selbst auf ihrem Eigentum von 35 000 Quadratmetern in allen geografischen Richtungen des Sportparks machen kann und anderen Dingen, die alleine in der Hand der Stadt liegen. Das eine ist also, was wir selbst tun können, und das andere ist, was die Stadt mit ihren Flächen tut. Das gesamte Gebiet außerhalb unseres Eigentums sind städtische Flächen, die verpachtet sind. Im Regioplan handelt es sich dabei bereits um ausgewiesene Sportflächen. Doch dort haben sich andere Nutzer angesiedelt. All jenen, die die Pläne schon wieder kritisiert haben, wie die Grünen aus Dreieich, empfehle ich, sich erst einmal mit den tatsächlichen planerischen, rechtlichen und baulichen Gegebenheiten richtig vertraut zu machen und dann erst ein Urteil zu fällen. Es bleibt alleinige Sache der Stadt und den dafür zuständigen Gremien der Politik darüber zu befinden, ob, wann und wie sie die Verwaltung beauftragen wollen, an diesen Flächen zu arbeiten. Zuwegung, Abwegung und Sicherheit sind nun mal in der städtischen Obliegenheit. Am Ende des Tages können wir nur damit arbeiten, was die Stadt ausweist. Noch einmal Klartext: Die infrastrukturelle Anbindung muss sich die Stadt überlegen, den Ausbau des Stadions macht die DSMB selbstständig. Dabei ist auf allen Seiten Augenmaß und Geduld gefragt. Ein kleines Beispiel: Man kann nicht hergehen in der Brut- und Setzzeit und abroden. Da muss man warten, bis diese Zeiten vorbei ist. Es ist wichtig, etwas zu planen und es dann umzusetzen. Wir sind in der angenehmen Situation, ein ganzes Jahr Zeit zu haben, diese Dinge in Ruhe vorzubereiten.

Wie eng sind die Verbindungen zur Eintracht?

NOLTE: „Sehr eng. Mit Karl-Heinz Körbel bin ich gut befreundet. Das ist die eine Sache. Die andere ist die angedachte Zusammenarbeit. Der SCH ist eine weitere Option, die ein Bundesligist im Unterbau braucht, wenn er seine eigenen Talente nach Durchlaufen der Jugend ihrer Leistung entsprechend einsetzen will. Ich hoffe wie alle, dass sich der FSV wieder Richtung Dritte Liga stabilisiert, das wäre dann eine vernünftige Leistungsabstufung. Der SCH kann so eine Art Warmhaltebecken sein. Es gibt ja durchaus auch Spieler, die mit 24 oder 25 Jahren noch ein höheres Level erreichen. Wir haben zwei solcher Spieler in unserem Kader. Es könnte für Spieler ja reizvoll sein, sich von echten Profis wie Rudi Bommer und Ralf Weber begutachten zu lassen. Das macht auch Sportvorstand Fredi Bobic Spaß, er kann hier mit Trainern auf Augenhöhe reden, obwohl wir ja nur ein Amateurverein sind.

Der SC Hessen ist Hessischer Fußballmeister, ihre Frau Hessische Meisterin im Dressurreiten. Wo liegen die sportlichen Prioritäten im Hause Nolte?

NOLTE: Ich sage immer. Reite doch nicht so teure Pferde, da hätten wir mehr Geld für Spieler.

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