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Fußball: „Man lernt, geduldig zu sein“

Von Am 30. März 2019 wird der FV Bad Vilbel 100 Jahre alt. Er begeht dieses Jubiläum als Mitglied der Fußball-Hessenliga, in die er nun nach elf Jahren zurückkehrt.
Fingerspitzengefühl: Amir Mustafic weiß, wie man alles aus den Spielern „herauskitzelt“. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Fingerspitzengefühl: Amir Mustafic weiß, wie man alles aus den Spielern „herauskitzelt“.
Bad Vilbel. 

Im Frühjahr 1992 stieg der FV Bad Vilbel erstmals in die Oberliga Hessen auf und hielten sich dort bis 2007. In den 15 Jahren in Hessens höchster Fußballklasse gehörte der Verein phasenweise zu den Top-Adressen, hatte mit Leuten wie Spielmacher Albert Repp, Torhüter Holger Zimmer und Stürmer Saber Ben Neticha (um nur einige zu nennen) über die Jahre manchen herausragenden Oberligaspieler in seinen Reihen.

Im Jahr 2000 verpasste der FV Bad Vilbel unter Trainer Karl-Heinz Volz nur ganz knapp den Gewinn der Hessenmeisterschaft, die damals ausgerechnet an den Nachbarn und Erzrivalen KSV Klein-Karben ging. Wenn Gegner wie Klein-Karben, Kickers Offenbach, der FSV Frankfurt, Viktoria Aschaffenburg, Borussia Fulda oder Darmstadt 98 kamen, waren in jener Zeit vierstellige Besucherzahlen keine Seltenheit. Auch gegen die Amateure von Eintracht Frankfurt gab es legendäre Spiele.

Während Klein-Karben sich noch bis 2010 in der Hessenliga hielt, dann noch zweimal abstieg und seit 2015 keine Seniorenmannschaft mehr im Spielbetrieb hat, hielt sich Bad Vilbel immer in der Verbandsliga, wenn auch 2011 erst in der Relegation. In den letzten beiden Jahren wurde man dort jeweils Dritter und hat nun als Meister den Aufstieg geschafft.

Vater des Bad Vilbeler Erfolges ist zweifellos Trainer Amir Mustafic. Der kam einst als Spieler von der SG Höchst an den Südrand der Wetterau und wechselte 2002 ausgerechnet nach Klein-Karben. 2012 kehrte er zurück, gab zunächst den Spielertrainer und tat sich schwer, als Spieler ganz aufzuhören. Kunststück: Er hatte eine junge Mannschaft und stand noch gut im Saft. Heute ist er 43 Jahre alt und hat schon geraume Zeit nicht mehr gespielt, dafür längst die Trainer-A-Lizenz erworben. Und er hat es geschafft, sich in guten wie in schlechten Zeiten auf sportliche Dinge zu konzentrieren.

An Mustafics Seite wirkt seit 2013 Willi Eckhardt. Eher der heute 63-Jährige Vereinsvorsitzender wurde, ging es nicht immer so seriös zu am Niddasportfeld wie jetzt – großer Pläne und Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Unter Eckhardt kehrte Ruhe ein. Und so konnte sich Bad Vilbel in den letzten drei Jahren buchstäblich an die Hessenliga herantasten. Lehrreich war das 2:2 bei der danach abgemeldeten Zweiten Mannschaft von Kickers Offenbach am letzten Spieltag der Saison 2015/16, das noch Platz zwei und die Teilnahme an der Aufstiegsrunde kostete.

Die zurückliegende Saison entpuppte sich schnell als Zweikampf mit Türk Gücü Friedberg. Vor allem die Serie zwischen dem 3:1 in Wald-Michelbach am 15. September 2017 und dem 0:2 gegen den SV FC Sandzak am 15. April 2018 war beeindruckend. 42 von 48 möglichen Punkten holte der FV da. Und trotzdem wurde es zwischenzeitlich noch einmal spannend, denn im April ließ Mustafics Team einige Punkte liegen und verlor Platz eins an Friedberg. Dann aber schwächelte auch der Konkurrent und am vorletzten Spieltag verwandelte Bad Vilbel mit dem 3:1 beim FC Alsbach den Matchball und wurde vorzeitig Meister.

Mit dem Aufstieg steht nur ein kleiner Umbau an. Torhüter Robin Orband kann aus beruflichen Gründen nicht mit in die Hessenliga gehen. Was schade für den Verein ist, den er gehörte neben Kapitän Nuh Uslu, Torben Knauer, Torjäger Lukas Knell und Routinier Jonas Grüter sicher zu den herausragenden Persönlichkeiten in einem Team mit vielen guten Fußballern. Als Ersatz wurde Patrick Rühl von Bayern Alzenau geholt.

Als Neuzugänge stehen auch Nick Volk (Sportfreunde Siegen), Ugur Arslan (Teutonia Watzenborn), Tim Tilger (Usinger TSG) und Travis Parker (Hauner SC) fest. „Das sind Spieler, die zu unseren Möglichkeiten passen“, sagt Mustafic, der in Sachen Neuverpflichtungen den gleichen Gedanken hat wie in Sachen sportliche Ziele: „Man kann im Fußball nicht mit Gewalt erreichen. Eine Mannschaft zu entwickeln, ist ein Prozess.“ So habe er mit den Jahren auch als Trainer festgestellt: „Man lernt, geduldig zu sein“ – auch in einer Meistersaison.

Als es während der Hinrunde die erste kleine Krise in Bad Vilbel gab, habe die Mannschaft sich selbst wieder aufgerichtet, in der schwierigen Phase im April habe er dann etwas nachgeholfen: „Es ist in die Köpfe reingegangen, dass wir nicht wieder das Gleiche erleben wollen wie im Jahr davor als wir am Ende Dritter waren.“

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