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Tennisprofi Tim Pütz: Mit Roger Federer auf Du und Du

Von Wenn aus einem Idol irgendwann einmal der leibhaftige Trainingspartner wird, hat man’s wohl geschafft. In ein paar Monaten will der gebürtige Frankfurter Tim Pütz den Vorbildern von einst die Bälle wieder um die Ohren schlagen.
Tim Pütz vertraut den versierten Händen des Physiotherapeuten Matthias Sauer, der ihn in Bad Homburg regelmäßig „durchknetet“. Tim Pütz vertraut den versierten Händen des Physiotherapeuten Matthias Sauer, der ihn in Bad Homburg regelmäßig „durchknetet“.
Frankfurt. 

Tim Pütz hat sich mit Roger Federer schon lange unterhalten und noch länger mit ihm trainiert. Wann der Tennisprofi auf oder fernab des Courts Zeit mit dem Weltstar verbringt, liegt aber nicht in seinen Händen. Pütz erhält grundsätzlich von Federers Trainer Severin Lüthi eine Nachricht auf seinem Handy, wenn sich eine gemeinsame Trainingseinheit anbieten würde.

Dem für viele besten Tennisspieler aller Zeiten dann abzusagen, käme für Pütz aber freilich nicht in Frage. „Am Anfang hätte ich ihm sogar Blumen gepflückt, wenn er mich danach gefragt hätte“, sagt Pütz. Zuletzt trainierten die beiden im Sommer zusammen, auf Rasen, im westfälischen Halle – und nicht nur das. Doch wer weiß, ob es noch einmal dazu kommt. Die nächste SMS muss sich Tim Pütz, bis zu seiner verletzungsbedingten Pause die Nummer 175 der Welt, erst einmal hart erarbeiten.

Schuften für sein Comeback, das geht am besten bei Matthias Sauer. In der Physiotherapie am Bad Homburger Kurhaus bolzt der Tennisprofi Kondition. Die setzt sich aus Ausdauer und Kraft zusammen, und Kraft muss sich Pütz vor allen Dingen für sein rechtes Knie aufbauen. Er hat einen operativen Eingriff an der Patellasehne hinter sich, bei Kniespezialist Dr. Rembeck in München. Es ist seine erste OP gewesen, nachdem nicht einmal mehr die heilenden Hände von Dr. Müller-Wohlfahrt, seit 20 Jahren Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, helfen konnten.

Kurz darauf startete Pütz sein Reha-Programm mit dem alten Tennis-Kumpel Sauer (heute noch bei den Herren 30 des TC Bergen-Enkheim in der Hessenliga aktiv), der sich für seine früheren Niederlagen nun revanchieren kann. Immer wenn Pütz glaubt, an den Fitnessgeräten sei eine Übung, etwa zum Muskelaufbau, schon beendet, legt Sauer noch eine Schippe drauf. Pütz beschwert sich dann, aber er beschwert sich schweißgebadet mit einem Lächeln im Gesicht.

Profitennis als Plan B

Tennis auf hohem Niveau spielt der gebürtige Frankfurter und Wahl-Münchener, der sich in Turnierpausen gerne bei seinen Eltern in Usingen aufhält, schon sehr lange, unter anderem bei Eintracht Frankfurt. Nach dem Abitur hat er über ein Sport-Stipendium in Auburn/Alabama Volkswirtschaftslehre studiert. Viereinhalb Jahre machte er dabei in der College-Spielserie in den USA auf sich aufmerksam, Profi wollte er aber eigentlich nicht werden. Es sei eher so gewesen, dass Plan B gegriffen habe, erzählt Pütz. Den Master wollte er auf sein Studium in Deutschland noch draufpacken, erhielt für die Frankfurter Universität aber keine Zulassung. Also setzte er alles auf die Karte Tennis, im Herbst 2012 war das, fast 25 Jahre alt war er da bereits schon. Pütz arbeitete sich über Future-Turniere schnell nach oben. Die Serie ist unter den ATP- und Challengerturnieren angesiedelt, Weltranglistenpunkte und Preisgelder gibt es aber auch hier genug zu ergattern. Im größeren Stil tat Pütz das in Frankreich, wohin er meistens bequem mit dem ICE zu Turnieren fahren konnte. Als er dann ein Jahr später bei den US Open berechtigt war, die Qualifikation zu spielen, sei er so nervös gewesen, dass er sich kaum aufs Spiel habe konzentrieren können. Immerhin liefen ihm in der Kabine jetzt seine bisherigen Idole wie Roger Federer plötzlich über den Weg. „Er hatte seinen Spind zufällig direkt neben mir“, erinnert er sich.

Zur ersten gemeinsamen Übungseinheit kam es im Sommer 2014 im Rahmen des Rasenturniers im westfälischen Halle. Federer begrüßte seinen Trainingspartner per Handschlag am Netz („Hallo Tim, ich bin der Roger“) – Pütz konnte es kaum fassen. Was der Usinger inzwischen weiß: Federer, Mann von Welt und rund um den Globus Sympathieträger, trainiert einfach gerne mit deutschsprachiger Konkurrenz, um sich in seiner Muttersprache austauschen zu können. Dann geht’s nicht nur um Tennis, sondern zum Beispiel auch um Fußball. Federer (FC Basel) und Pütz (Eintracht Frankfurt) sinnieren dann munter über ihre Lieblingsvereine.

„Roger Federer ist tatsächlich so natürlich, wie er im Fernsehen wirkt, und sehr normal“, erzählt Pütz, der im Übrigen als Gesprächspartner nicht minder unaufgesetzt und bodenständig rüberkommt.

Kollegen machen Selfies

Die langjährige Nummer eins zählt Pütz neben Djokovic, Nadal und Murray zu den „Mysterious Four“ – jenen Topspielern, die sich vom Können, Aufwand und dem ganzen Drumherum in einer ganz eigenen Liga bewegten und bei Turnieren sogar regelmäßig von anderen Spieler(innen) um Autogramme und auch Selfies gebeten würden. Die restlichen Spieler auf ATP-Turnieren, so ist Tim Pütz fest überzeugt, agierten auf einem ähnlichen Level: Nur einige wenige Ballwechsel würden meistens ein ganzes Spiel entscheiden. Beim Tennis spiele sich ohnehin fast alles im Kopf ab.

Tim Pütz möchte unbedingt wieder zu diesem erlauchten Kreis gehören. Dafür schindet er sich – so sehr, dass ihm manchmal das Schlafen schwerfällt. Am 1. Februar möchte er wieder mit dem Tennistraining beginnen. Seine Pause wird zwangsläufig länger als sechs Monate dauern. Die Regeln der ATP besagen, dass er in diesem Fall bei einem Comeback seine alte Weltranglistenposition wieder einnehmen kann. Und wer weiß – vielleicht schickt ihm Severin Lüthi ja wieder eine SMS.

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