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Kyudo: Mit Ruhe zum Titelgewinn

Bogenschießen ist nicht gleich Bogenschießen – das wurde nun bei der Europameisterschaft im Kyudo deutlich. Insgesamt 16 Nationen rangen bei der japanischen Variante des Sports um die europäische Krone.
Selbstbeherrschung und volle Konzentration sind gefragt beim japanischen Bogenschießen. Foto: Marcel Lorenz Selbstbeherrschung und volle Konzentration sind gefragt beim japanischen Bogenschießen.
Frankfurt. 

Auf einen Außenstehenden wirkte die Szenerie, die sich am Sonntagvormittag in der Halle 2 der Sportschule des Hessischen Landessportbundes ergab, sehr befremdlich. Wettkämpfer in schwarzen Hosenröcken, die von ihren eigenen Sportgeräten überragt werden und auf Zielscheiben schießen, die in 28 Metern Entfernung nur wenige Zentimeter über dem Boden angebracht sind.

Kyudo nennt sich diese japanische Form des Bogenschießens, die ihren Weg Ende der 1960er (siehe gesonderten Text) in die Bundesrepublik fand. „In Deutschland und generell in Europa ist das Kyudo nach wie vor eine Randsportart“, sagt Mathias Roy, Vorsitzender des Vereins Kyudojo Frankfurt und Ausrichter der diesjährigen Europameisterschaft. Man müsse wohl noch ein wenig mehr Werbung machen, so Roy weiter, um die breite Masse zu erreichen. Dabei ist im Sport ja der Erfolg die beste Werbung und über einen Mangel an diesem kann man sich in Deutschland nicht beschweren.

KYUDO

In Hessen sind rund 165 Kyudoka in drei Vereinen und einer Sportschule in den Städten Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt organisiert. Der Kyudo Verband Hessen e. V.

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Beim Forschen auf einen besonderen Sport gestoßen

Nur ganz selten lässt sich die Verbreitung einer Sportart genau zurückverfolgen, denn in der Regel wird an mehreren Orten gleichzeitig Pionierarbeit geleistet.

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Bereits bei der EM in Moskau vor zwei Jahren holte das deutsche Team überraschend den Turniersieg, nun knüpfte man als Gastgeber an diesen Erfolg an. Boris Proppe, Tobias Oswald, Michael Brettschneider und Simon Grunert setzten sich in der Mannschaftswertung an die Spitze und im Einzelschießen war die Berlinerin Jenni Zimmer nicht zu schlagen.

Ganz unabhängig von den sportlichen Glanzleistungen der deutschen Athleten strahlt das Kyudo eine ganz besondere Faszination aus, die auch Neulinge schnell in den Bann zieht. Das liegt zum großen Teil an den Traditionen, die beim japanischen Bogenschießen gepflegt werden. So gehen zwar alle Vertreter einer Mannschaft zeitgleich auf den Schießstand, doch nur wer an der Reihe ist, spannt den über zwei Meter großen Bogen. Die Mannschaftskollegen verfolgen das aktuelle Geschehen in einer knienden Position. Selbst das Einsammeln der verschossenen Pfeile durch die Turnierhelfer gleicht einer Zeremonie und während der gesamten Durchläufe herrscht absolute Stille.

„Wir haben innerhalb Europas einen der größten Verbände und auch eine gute Jugendquote“, sagt Mathias Roy, „aber im Vergleich zu den Trendsportarten ist das Kyudo gerade für Teenager wohl doch etwas langweilig.“ Wer permanente Action braucht, der ist in der Tat im Sattel eines BMX-Rades oder auf dem Fußballplatz besser aufgehoben. Das japanische Bogenschießen verlangt eine große Selbstbeherrschung, die aus innerer Ruhe entsteht. Dabei ist das Kyudo vor rund 500 Jahren als Form der Kriegsführung entstanden. Die Variante „Heki-Ryû-Insai-Ha“ erinnert noch heute an den Bogengebrauch zu kriegerischen Zwecken. „Bei dieser Technik ging es den Samurai ursprünglich darum, so schnell wie möglich ganze Bauernheere auszulöschen, auch wenn das heute martialisch klingen mag“, berichtet Mathias Roy. Durchschlagskraft, Treffsicherheit und Ausdauer stehen bei der Heki-Schule im Mittelpunkt.

Der „Shomen“-Stil zelebriert dagegen das Ästhetische des Sports. „Dieser Stil ist noch gar nicht so alt und entstand zu einer Zeit, als der Bogen im Krieg längst keine Rolle mehr spielte“, erklärt Roy. Beide Stilrichtungen werden bis heute gepflegt. Zumindest in Europa beherrscht sie aktuell niemand besser als die deutschen Schützen.

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