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Tennis: „Senior“ auf Medaillenjagd

Von Spiel, Satz und Sieg: Wenn Sven Voigt auf dem Tennisplatz antritt, läuft es für ihn meist erfolgreich. Wie nun auch bei der Hallen-Europameisterschaft der Senioren.
Sven Voigt (links) und der Österreicher Clemens Weinhandl, dem er im Einzelfinale nach drei Sätzen knapp unterlegen war. Bilder > Sven Voigt (links) und der Österreicher Clemens Weinhandl, dem er im Einzelfinale nach drei Sätzen knapp unterlegen war.
Offenbach. 

Im Frühjahr will Sven Voigt für Deutschland bei der Senioren-WM in Miami Tennis spielen. Verfolgt man die Karriere des 45-Jährigen, kann der Tripp übers Meer nach Florida eigentlich nur mit einem Medaillengewinn enden. Sein aktueller Werdegang lässt jedenfalls kaum einen anderen Schluss zu.

Im Sommer 2017 nahm der Spielertrainer des TV Buchschlag erstmals an einer Deutschen Senioren-Meisterschaft teil. Und holte sich in Bad Neuenahr am Tag seines 45. Geburtstages auf Anhieb den Titel in der Altersklasse (AK) 45. Nun startete er – ebenfalls zum ersten Mal – im österreichischen Seefeld bei der Senioren-Europameisterschaft. Und kehrte mit einem kompletten Medaillensatz zurück.

„Ausgelöst“ hat die Triumphe eine gute Freundin, nämlich Monika Kamen vom TC Dietesheim. Sie überredete ihn, bei den Deutschen Meisterschaften gemeinsam im Mixed anzutreten. Nachdem der Wettbewerb dann mangels Masse gestrichen wurde, trug ihn seine Mixed-Partnerin fünf Minuten vor dem Meldeschluss kurzerhand in die Liste für die Einzel-Konkurrenz ein. Am Ende wurde der ahnungslos aus dem Urlaub nach Bad Neuenahr angereiste Sven Voigt nach der Abwehr von mehreren Matchbälle durch einen 3:6, 7:5, 6:4-Sieg über den favorisierten Matthias Müller-Seele (Ratingen) nach einem 4:02 Stunden andauernden Krimi Deutscher Meister.

Auch nach Seefeld kam Voigt eigentlich nur, weil Monika Kamen mit ihm im Mixed antreten wollte. „Wenn ich schon eine solche Reise unternehme, kann ich auch im Einzel spielen“, dachte der Lehrer (Sport und Philosophie-Ethik) an der Georg-Kerschensteiner-Schule (Berufliches Gymnasium) in Obertshausen. Schulleiter Dirk Ruber, ein ausgewiesener Sportförderer, bei dem er sich Tipps für Fitnessübungen holt, stellte ihn für die Hallen-EM frei. Und so machte sich Sven Voigt auf nach Österreich. „Für mich war alles Neuland. Ich hatte keine Vorstellung über die Spielstärke der Teilnehmer. Es war mein erstes ITF-Weltranglistenturnier überhaupt“, erzählte Voigt nach seiner Rückkehr.

Es war ein erfolgreicher Auftritt. Im Einzel der AK 45 gab er bis zur 7:6, 3:0-Führung im Endspiel gegen den topgesetzten Clemens Weinhandl aus Österreich, Nummer zwei der Weltrangliste, nicht einmal seinen Aufschlag ab. „Ich habe sehr gut aufgeschlagen. Der sehr schnelle Teppichbelag kam meinem Serve-and-Volley-Spiel entgegen“, fand der mehrmalige Hessenmeister eine Erklärung, warum er als ungesetzter Außenseiter ins Finale ohne Satzverlust durchmarschierte. Die 7:6, 4:6, 4:6-Endspiel-Niederlage wurmte ihn dann aber ein wenig. „Mein erster Aufschlag ließ mich ab Mitte des zweiten Satzes im Stich. Sobald ich etwas schwächer aufschlug, hat der unglaublich gut returnierende Weinhandl die Initiative ergriffen. Ich muss seine Leistung anerkennen“, sagte Voigt, der im dritten Satz noch einmal 3:1 führte, das Break aber nicht in einen Sieg ummünzen konnte.

Doch Voigt sollte dennoch mit einer Goldmedaille nach Hause kommen. Im Mixed-Finale, das zum Abschluss des Turniers gespielt wurde, schlug er an der Seite von der bereits im Einzel erfolgreichen Monika Kamen das Duo Annette Dölker/Igor Lelenko (Hamburg/Mazedonien) 6:0, 6:2. Die Edelmetall-Sammlung komplettiert wurde mit Bronze im Herren-Doppel, das Voigt gemeinsam mit Jens Schmitt (Rot-Weiß Worms) bestritt.

Im Casino glücklos

Die Woche in Seefeld sei ein tolles Erlebnis gewesen. Nicht nur auf dem Court. Das Städtchen lockte mit vielen Wintersport-Angeboten. Und die Spaziergänge hätten Spaß gemacht. Auch wenn binnen zwei Tagen eineinhalb Meter Schnee gefallen seien. Im Spielcasino, das er anlässlich der „Players Night“ besuchte, sei ihm die Glücksgöttin Fortuna allerdings nicht hold gewesen, so der 45-Jährige.

So sehr Voigt bedauert, dass er aufgrund seines Berufes nicht regelmäßig an den Weltranglisten-Turnieren teilnehmen kann – „es wäre schön, vorne platziert zu sein“ – ein Abschied von der Welt-Bühne sei es nicht gewesen. Der Quereinsteiger, der in seiner Jugendzeit von einer Fußballprofi-Karriere bei seinem Lieblingsverein Kickers Offenbach träumte, bekam vom Deutschen Tennis Bund (DTB) nun eine Einladung, für sein Land bei der am 28. April in Miami beginnenden Senioren-WM zu spielen. Sein Schulleiter zeigte sich einmal mehr kulant, er darf für eine Woche in die USA fliegen. Nun muss sich Sven Voigt entscheiden: Die Einzel-WM oder den im Davis-Cup-Modus ausgetragenen Team-Wettbewerb. „Meine Zusage steht noch aus. Aber eigentlich bin ich mir jetzt schon fast sicher, der Ehre, das deutsche Team repräsentieren zu dürfen, den Vorzug zu geben.“

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