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Löwen Frankfurt: Spektakuläres Comeback

Von Drei Spiele neun Punkte, 17:13 Tore: Das ist Spektakel pur. Die Löwen Frankfurt bieten in der DEL2 derzeit das für die Zuschauer attraktivste Eishockey.
Jubelpose: Löwen-Keeper Florian Proske und seine Teamkollegen durften sich nach weiteren erfolgreichen Kraftanstrengungen entsprechend feiern lassen. Foto: Huebner/Scheiber (Jan Huebner) Jubelpose: Löwen-Keeper Florian Proske und seine Teamkollegen durften sich nach weiteren erfolgreichen Kraftanstrengungen entsprechend feiern lassen.
Frankfurt. 

Die Spielweise und die Leistung der auf Rang zwei der Tabelle liegenden Löwen erkennen auch die Gegner neidlos an: „Wir haben gut organisiert gespielt. Aber bei diesem Forechecking und diesem Druck war mir klar, dass wir irgendwann Tore kassieren müssen“, sagte Tim Regan, Trainer des SC Riessersee nach der 4:6 (2:2, 1:3, 1:1)-Niederlage in Frankfurt.

Bilderstrecke Löwen besiegen den SC Riessersee mit 6:4
Zusammenprall von Roope Ranta (Riessersee, 11) und Joel Keussen (Loewen, 57)Goalie / Torhueter Ilya Sharipov (Riessersee, 43) hŠlt gegen Andreas Loibl (Frankfurt)
, Loewen Frankfurt - SC Riessersee, DEL2, 19. Spieltag , Saison 2016/2017Tobias Draxinger (Riessersee, 8) stoppt CJ Stretch (Frankfurt, 12) mit dem SchlŠger unter dem Schlittschuh - Kein Penaltypfiff
, Loewen Frankfurt - SC Riessersee, DEL2, 19. Spieltag , Saison 2016/2017

Die offensive Ausrichtung der Löwen in dieser Dimension ist in einem Liga-Betrieb ungewöhnlich. Der den Puck führende Gegner wird noch in der gegnerischen Zone angegriffen, oft checken sogar zwei Frankfurter vor. Der Gegner bekommt keine Sekunde Zeit zum Verschnaufen, steht ständig unter Druck. Daraus resultieren unzählige Puckgewinne. Und dann rücken die anderen sofort nach. Es wird auch nicht lange gefackelt. Die Scheibe wird sehr zügig bewegt, mit dem Schuss wird nicht lange gewartet. Gegen die Garmischer lautete das Schussverhältnis 38:20 (nach zwei Dritteln 30:14).

Dies ist auch möglich, weil man über drei fast gleichwertige Reihen verfügt. Ob Stefan Loibl, Patrick Jarrett, Richie Mueller, das Trio Nils Liesegang, C. J. Stretch, Matt Pistilli, oder Brett Breitkreuz, Lukas Laub und Clarke Breitkreuz auf dem Eis waren, es machte keinen Unterschied. Das Team von der Zugspitze konnte sich nur befreien, wenn das skandinavische Duo Mattias Beck (Schweden/1 Tor, 2 Assists) und Roope Ranta (Finnland/2 Tore, 1 Assist) auf dem Eis waren. Bei den bissigen Löwen besorgte diesmal die meisten Treffer die dritte Reihe (Clarke Breitkreuz/2 sowie die Verteidiger Mike Card und Maximilian Gläßl, die mit ihm gleichzeitig auf dem Eis waren), zweimal traf Pistilli aus dem zweiten Sturm.

Beim 6:5 (0:2, 1:2, 5:1) in Dresden (27:16 Schüsse) gingen wiederum vier Treffer aufs Konto der ersten Reihe (Loibl/2 sowie die Verteidiger Joel Keussen und Card), zwei Tore fielen mit der zweiten Reihe in Aktion (Pistilli, Verteidiger Matt Tomassoni). Das zeigt die Tiefe im Kader der Löwen. Und gleichzeitig die Schwierigkeit, sie zu verteidigen. Auf wen soll sich der Gegner konzentrieren?

Dieser Offensivgeist birgt natürlich auch die Gefahr, in Konter zu geraten. Dass bei diesem bedingungslosen Angreifen auch Mal die Scheibe verlorengeht und der Gegner dann in Überzahl oder gar frei aufs Tor zulaufen kann, bleibt nicht aus. Frankfurts Coach Paul Gardner meinte zwar nach der Aufregung in Sachsen, dass er wegen solcher Spiele graue Haare bekomme oder sie ihm komplett ausfallen würden, insgesamt fördert er aber die aktuell praktizierte Spielweise. „In den Play-offs ist es etwas anderes. Jetzt ist es nicht ganz wesentlich, ob wir gegenwärtig auf Rang eins, zwei, drei oder vier stehen.“ Viel wichtiger sei es, dem Publikum Action und ein Spektakel auf dem Eis zu bieten. Mag sein, dass die Frankfurter auch Spiele verlieren werden, in denen sie drückend überlegen waren. Solange sie aber im Schnitt vier Treffer pro Partie erzielen, kann auch der eine oder andere Patzer ausgebügelt werden.

Zwei Drittel verschlafen

Was die Einschätzung des Tabellenstandes anlangt, wurde Gardner in Dresden auch von seinem ebenfalls in der kanadischen Provinz Ontario geborenen Landsmann Bill Stewart bestätigt: „Es ist niemand gestorben und die Sonne wird auch morgen wieder über Dresden aufgehen. Die Hauptrunde ist 52 Spiele lang“, sagte der Coach der Eisbären nach dem spannenden, allerdings verlorenen Duell. „Es hat sich schon jemand etwas dabei gedacht, Eishockeyspiele über 60 Minuten anzusetzen“, fügte Stewart hinzu.

Die Löwen kamen verspätet und etwas gerädert in der sächsischen Metropole an. Staus hatten die Anreise ziemlich in die Länge gezogen. Für die 470 Kilometer brauchte der Bus mehr als sieben Stunden. „Wir waren im ersten Drittel gar nicht da. Und im zweiten Abschnitt waren wir einfach schlecht“, beschrieb Stürmer Nils Liesegang, wie es zu dem 1:4-Rückstand kommen konnte.

Der dienstälteste Löwe wusste aber auch, warum sein Team bislang in der Hälfte der Spiele einen Rückstand noch in einen Sieg umwandeln konnte. „Wir sind eine Einheit. In der Kabine herrscht kein Ärger, man feuert sich gegenseitig an, niemand lässt den Kopf hängen.“ So spektakulär wie in Dresden war ein Comeback in dieser Saison noch nicht gewesen. Es passte aber genau zu den erfolgshungrigen Löwen 2016/17.

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