Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

Tennis: Vom Glück, wieder zu spielen

Von 2015 träumte er von einer Profi-Karriere, war auf dem besten Weg, unter die Top 50 der Junioren-Weltrangliste zu gelangen. Eine Krankheit stoppte Patrick Zahraj. Heute ist der 17-jährige Tennisspieler glücklich, wieder spielen zu können.
Mit Schmackes: Patrick Zahraj in Aktion Bilder > Foto: Christian Klein (Foto Klein) Mit Schmackes: Patrick Zahraj in Aktion

6:4, 6:1 über den gleichaltrigen Wetzlarer Jan-Sören Hain. Ein Ergebnis, das früher für den Frankfurter kaum bemerkenswert wäre. Bei den Hessischen Meisterschaften in Bad Homburg zauberte der Auftaktsieg Patrick Zahraj jedoch ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Hätte ihm vor zwei Monaten jemand prophezeit, dass er auf dem Platz stehen würde, hätte er es wahrscheinlich nicht geglaubt.

Das Leiden des jungen Patrick begann im September 2014 – mit einem Drüsenfieber. Danach schien alles in Ordnung gekommen zu sein. Im Spätherbst 2015 feierte er Triumphe in den USA: Nach zwei Siegen bei Vorbereitungsturnieren erreichte er das Endspiel bei den „Eddie Herr International Junior Tennis Championships“ in Sarasota. Die Qualität der auf der Anlage der Bollettieri Sports Academy in Florida ausgetragenen Veranstaltung verdeutlicht ein Blick in die Siegerlisten: Roger Federer, Marin Cilic, Andy Roddick, Marcelo Rios, Maria Sharapowa. Der letzte Deutsche, der in das Endspiel vorstieß, war ein gewisser Boris Becker.

Favorit Fanselow schon ausgeschieden

Bad Homburg. Kaum, dass die Hessischen Tennis-Meisterschaften in Bad Homburg angefangen hatten, war der topgesetzte Spieler schon draußen.

clearing

Doch dann kamen die gesundheitlichen Probleme noch schlimmer zurück: Diabetes, Magenprobleme, Stoffwechselstörungen. „Ich spielte, war aber völlig kraftlos. Nach einem Satz war ich platt“, erinnert sich Patrick. Mitte April des vorigen Jahres war dann endgültig Schluss. „Ich habe in Frankreich gespielt, bin nach 30 Minuten Training fast eingeschlafen.“ Trainer Marcus Schneider legte sein Veto ein: Nun müsse die Ursache gefunden werden. „Das habe es schweren Herzens akzeptiert. Ich bin ein wenig Ski gefahren, habe es mit Golf versucht. Von der allgemeinen Fitness war ich so bei 90 Prozent, auf dem Tennisplatz fühlte ich mich nach einer Viertelstunde müde.“

Der Körper war nicht in der Lage, den Ansprüchen gerecht zu werden. Die Biomechanik stimmte nicht. Nach vielen vergeblichen Besuchen bei Ärzten und Therapeuten brachte Schneider seinen Schützling in das physiotherapeutische Rehazentrum Remedia. „Wir haben versucht, Patrick orthopädisch zu stabilisieren, ihn muskulär zu optimieren“, schildert sein Therapeut Thomas Heim. Gemeint ist nicht das übliche Krafttraining. Es ging darum, die Wirbelsäule zu stabilisieren. Der Sommer und der Herbst vergingen mit intensiver Arbeit. „Wenn ich Patrick heute auf einem Pezziball stehend Tennisbälle schlagen sehe, weiß ich, dass es vorwärts geht“, freut sich Heim.

Überraschung im April

Danach sah es im Winter noch nicht aus. Patrick bekam Bauchkrämpfe, die Milz war vergrößert. Er schlief bis zu zwölf Stunden ermattet durch. Alles deutete auf ein Karriereende hin. „Als ich Ende April aus den USA zurückkam, habe ich nicht schlecht gestaunt“, zeigte sich Schneider positiv überrascht. „Die Muskulatur war in einem ganz anderen Zustand. Als ich seinen Aufschlag sah, dachte ich, mich trifft der Schlag. So wuchtig hat er früher nie aufgeschlagen.“

Spontan wurde entschieden, dass Zahraj in der Junioren-Hessenliga für den TC Palmengarten spielen wird. Als Test nahm er vor einer Woche an der Frankfurter Meisterschaft teil. Er gewann ohne Satzverlust. Und qualifizierte sich damit für die Hessischen Meisterschaften. „Wir haben in den Tagen vor Bad Homburg nicht einmal zwei Stunden trainiert“, verrät Schneider. Das zweite Spiel am gestrigen Tag war für den 17-Jährigen denn auch noch zu viel des Guten. 6:3 hatte er den ersten Satz gegen den immerhin an Position drei gesetzten Bad Vilbeler Jochen Bertsch gewonnen, dann musste er im zweiten Satz aber wegen Krämpfen aufgeben.

„Wir müssen immer auf den Körper hören und ihn nicht überfordern“, unterstreicht sein Trainer. So soll Patrick vor der Hessenliga, die er für seinen Heimatverein SAFO Frankfurt ab Mitte Juli bestreitet, nun keine Turniere mehr spielen. „Früher war er glücklich, wenn er erfolgreich war. Heute ist er es, wenn er ein, zwei Tage mit hundertprozentigem Einsatz und ohne Beschwerden trainieren kann.“

Dass der Zug zu einem potenziellen Weltstar abgefahren ist, bedauert Schneider sehr. „Vom Talent her hätte er es packen können.“ Patrick Zahraj hat gelernt, mit der Situation umzugehen. „Sicher tut es weh, wenn ich Jungs, die ich besiegt habe, bei Grand Slam-Turnieren in Aktion sehe. Aber ich bin Optimist: Mein Vater Radek hat eine ähnliche Krankheit durchgemacht und war nach zweieinhalb Jahren wieder fit. Das hat mir Hoffnung gegeben. Ich hoffe schon, einmal wieder reisen zu können, dank Tennis neue Länder kennenzulernen – und Erfolg zu haben.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse