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Spiel der Woche: Auf Torwart Julian Gräsler ist Verlass

Zwei frühe Tore, viel Kampf und Leidenschaft, ein mittelprächtiger Rasen und ein vergebener Elfmeter. Das B-Liga-Derby zwischen dem SV Bommersheim und dem FSV Steinbach hatte einiges zu bieten, nur keinen Gewinner. Das Spiel endete 1:1 – „Schuld“ hatte ein Rechtsverteidiger mit Torwarthandschuhen.
In der Fußball-Kreisliga B trennen sich der SV Bommersheim und der FSV Steinbach 1:1. Foto: Heiko Rohde In der Fußball-Kreisliga B trennen sich der SV Bommersheim und der FSV Steinbach 1:1.
Bommersheim. 

Viel später hätte Werner Bittner am Sonntagnachmittag nicht auf dem Sportplatz des SV Bommersheim erscheinen dürfen. Erst eine gute Viertelstunde vor Spielbeginn fand der Schiedsrichter aus Bruchköbel einen Stellplatz für seinen Pkw am Gelände, auf dem auch die Burgwiesenhalle steht. Dort fand zeitgleich ein Schachturnier statt, weswegen sämtliche Parkplätze vergeben waren. Rasenschach gab es allerdings keinen beim Duell der Fußball-B-Ligisten: Vom Anpfiff an herrschte ein hohes Tempo, nach vier Minuten fiel das 1:0, nach sechs Minuten glichen die Gäste aus. Wie gesagt: Viel später hätte der Referee nicht auftauchen dürfen.

Bilderstrecke Spiel der Woche: Bommersheim und Steinbach trennen sich Unentschieden
In der Fußball-Kreisliga B trennen sich der SV Bommersheim und der FSV Steinbach 1:1.In der Fußball-Kreisliga B trennen sich der SV Bommersheim und der FSV Steinbach 1:1.In der Fußball-Kreisliga B trennen sich der SV Bommersheim und der FSV Steinbach 1:1.

Den Führungstreffer für Bommersheim erzielte Torjäger Gheorghe Anghel nach feiner Vorarbeit von Abdirahman Aaden Nuur. Der schlaksige, technisch beschlagene Mittelfeldspieler bekam den Ball links am Strafraum, schlug zwei Haken, überlegte kurz, ob er selbst abschließen sollte und flankte dann doch lieber auf Anghel. Der hatte viel Zeit und Platz und jagte das Spielgerät aus kurzer Distanz unter die Latte. Zum ersten und einzigen Mal an diesem Tag blieb FSV-Torwart Julian Gräsler chancenlos. Dass sich später sämtliche Hochrechnungen, die von den Gastgebern ob der frühen Führung angestellt wurden, als falsch erwiesen, lag zu einem großen Teil am Keeper (siehe Extra-Text). „Er hat uns den Punkt gerettet“, lobte Steinbachs Trainer Christian Sudler.

Mohamed Naoir hatte ebenfalls seinen Anteil an dem Remis. Gerade mal zwei Minuten nach dem Gegentreffer lief sich der Angreifer in der Schnittstelle der Abwehr frei, bekam einen Ball in die Tiefe gespielt und lief dann frei aufs Tor zu. Nervenstark netzte er zum 1:1 ins rechte Eck. Jeweils eine Chance reichte beiden Mannschaften, um zum Erfolg zu kommen. Dass diese Quote nicht über 90 Minuten zu halten war, ist nicht verwunderlich. Die Hausherren hätten noch den einen oder anderen Treffer erzielen müssen. „Nach der ersten Halbzeit hätte es 3:1 oder 4:1 für Bommersheim stehen können“, gestand Sudler. Doch beste Möglichkeiten wurden entweder leichtfertig vergeben oder eben durch Gräsler vereitelt.

Das blieb auch dem Vater-Sohn-Gespann, bestehend aus Alexander und Ingo Simon, nicht verborgen. Erster Vorsitzender Alexander Simon lobte nach 45 Minuten noch die gute Spielanlage seiner Mannschaft, während Ehrenpräsident Ingo Simon den unter der Woche eingeknickten Flutlichtmast mit Humor kommentierte. „Böse Zungen behaupten, der wäre eingeknickt, weil wir den damals selbst gesetzt haben“, flachste er, der 1966 als Spieler mit dem SVB die Meisterschaft in der damaligen A-Liga gewann.

Zur Pause hieß es nach Chancen 7:3 für ihren Club. Und direkt nach dem Seitenwechsel gab es gleich drei weitere. Doch Anghel scheiterte zweimal an Gräsler, und Moritz Stiller verfehlte den Kasten knapp. Danach ließ die Hintermannschaft von Steinbach nicht mehr viel zu, obwohl das Personal dort überwiegend ungeschult war. „Mir sind kurzfristig drei Verteidiger ausgefallen“, erklärte Sudler später, „nur Andy Kumar ist gelernter Innenverteidiger.“ Doch im Verbund löste es die improvisierte Defensive gut. In der 59. Spielminute kam allerdings Maurizio Raimondi gegen Anghel einen Schritt zu spät und Schiedsrichter Bittner zeigte auf den Punkt. Alexander Simon konnte sich an der Seitenlinie allerdings nicht freuen. „Wir haben bisher mindestens schon fünf Elfer vergeben“, erklärte er und wandte sich vom Spielfeld ab. Aaden Nuur trat derweil an, doch wieder war Julian Gräsler nicht zu bezwingen.

„Nach dem verschossenen Strafstoß kamen wir aus dem Tritt und Steinbach bekam Rückenwind“, analysierte SVB-Coach Achim Bamberg. Das Unentschieden sei letztlich gerecht gewesen, wie sich Bamberg und Sudler einig waren. Den Relegationsplatz wollen die Trainer weiterhin im Auge behalten.

Ein Rechtsverteidiger, der wie der Teufel hält

Andy Kumar wusste nach dem Abpfiff, bei wem er sich in erster Linie für den gewonnenen Punkt in Bommersheim bedanken musste. Sofort ging Steinbachs Abwehrchef zu seinem Schlussmann, um sich mit diesem abzuklatschen. Einige gute Torchancen hatte Julian Gräsler aus dem Spiel heraus entschärft, zudem einen Strafstoß gehalten und sich als rundum verlässlicher Torhüter präsentiert. Kaum zu glauben: Der 24-Jährige war eigentlich als Rechtsverteidiger in die Saison gegangen und hatte erst in der Hinrunde aufgrund von Personalmangel auf Torwart umgesattelt.

„Das war ganz spontan“, berichtet er, „der Trainer hat gefragt, ob ich mir das vorstellen kann, und ich habe ja gesagt.“ Bei Null musste er aber nach der Umschulung nicht anfangen, denn bereits in der F-Jugend habe das „Urgestein“ für den FSV Steinbach schon einmal im Kasten gestanden.

Gegen das hohe Arbeitspensum im Verfolgerduell hatte Gräsler am Sonntagnachmittag nichts einzuwenden. „Ich hab’ lieber viel zu tun, als mich zu langweilen“, verriet er mit einem Lächeln. So einen wie Julian Gräsler, diesen Eindruck wird auch der neutrale Beobachter nicht mehr los, so einen kann man ruhig mal zwischen die Pfosten stellen.

 

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