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Weltmeisterschaft: Der Sommer der Einheit: Titeleuphorie im Erdbeerkörbchen

Die Triumphfahrt in Richtung Venusberg bleibt für unsere Mitarbeiterin auf ewig unvergessen. Erst recht, weil wildfremde WM-Fans auf der Rückbank ihres Golfs landeten und feierten.
Die deutsche Mannschaft jubelt über den Gewinn der Fußball-WM 1990 im Olympiastadion von Rom (v. li.): Andreas Brehme, Pierre Littbarski, Jürgen Klinsmann, Bodo Illgner, Jürgen Kohler (verdeckt), Rudi Völler, Thomas Häßler, Guido Buchwald und Thomas Berthold. Foto: Frank Kleefeldt (dpa) Die deutsche Mannschaft jubelt über den Gewinn der Fußball-WM 1990 im Olympiastadion von Rom (v. li.): Andreas Brehme, Pierre Littbarski, Jürgen Klinsmann, Bodo Illgner, Jürgen Kohler (verdeckt), Rudi Völler, Thomas Häßler, Guido Buchwald und Thomas Berthold.

Was für ein Spiel, was für ein Sieg, was für eine Stimmung! Wir hatten es wieder geschafft: Nach dem Wunder von Bern 1954 und dem Heimerfolg 1974 wird Deutschland 1990 in Italien zum dritten Mal Fußballweltmeister.

Franz Beckenbauers Elf spielte im Finale gegen Argentinien und war diesmal siegreich: 1:0, die WM-Trophäe war wieder uns – und der Kaiser hatte seine Krone. Schon 1986 standen sich beide Mannschaften gegenüber, damals gewannen die Südamerikaner. Im Sommer 1990 war dann der Jubel besonders groß – und ich 21-jährig mittendrin.

Zwar war ich nicht live dabei, weder in Rom, noch in Italien, aber gefühlt habe ich mich seinerzeit trotzdem wie auf den Straßen der Südländer. Derweil war es „nur“ die Poppelsdorfer Allee in der gerade noch damaligen Bundeshauptstadt Bonn kurz vor der Wiedervereinigung.

Ich werde die Bilder und die ausgelassene Stimmung des bunten Treibens all der deutschen und vor allem italienischen Fans nicht vergessen. Letztere wurden Dritte nach einem 2:1-Erfolg gegen England, aber die Italiener freuten sich mit der ganzen Nation, als wären sie die Weltmeister höchstpersönlich: Der Sieg der Deutschen wurde lautstark bejubelt und gefeiert – und wir mit von der Partie.

Nicht etwa beim Public Viewing, das es einst ja noch gar nicht gab. Nein, wir fuhren an diesem historischen 8. Juli 1990 aus Bad Homburg zurück zu meiner Studentenbude. In Bonn angekommen, kurz vor der Wohnung, war an ein Vorwärtskommen aber nicht mehr zu denken. Unser Golf Cabrio, vielen bestimmt noch unter dem Spitznamen „Erdbeerkörbchen“ bekannt – steckte fest: Menschenmassen verstopften die Hauptstraße Richtung Venusberg und Uniklinik. Sie wurde zur kollektiven Partymeile.

Einige Fans setzen sich sogar auf unsere Motorhaube oder sprangen ganz einfach voller Übermut in den offenen Wagen direkt auf die Rückbank. Nur im Schritttempo kamen wir voran. Die Euphorie der Spieler um Kapitän Lothar Matthäus und den Siegtorschützen Andreas Brehme – per Foulelfmeter in der 85. Minute flach ins linke Eck – übertrug sich eins zu eins auf die begeisterten Fans in den Bonner Straßen.

Schwarz-rot-gelbe und italienische Fahnen wurden stürmisch geschwenkt, Tröten und Autohupen machten tosenden Lärm. Wir hatten das gesamte Spiel im Radio verfolgt – bei Tempo 160 km/h auf der A3 lauschten wir dem Moderator. Er war dann völlig aus dem Häuschen, als sich der Sieg abzeichnete. Die Spieler der deutschen Nationalelf harmonierten perfekt miteinander als ein eingespieltes Team. Da konnte auch „Fußballgott“ Diego Armando Maradona nichts mehr ausrichten. Noch heute verbinde ich mit so manchem Namen diesen „Sommernachtstraum von 1990“: Andi, Litti, Loddar, Klinsi, Rudi – um nur einige Größen der damaligen deutschen Fußballnation zu nennen.

Der Neuzugang . . .

. . .unter unseren WM-Kolumnisten wollte eigentlich seine freie Mitarbeit mit ganz anderen Themen beginnen. Eine hohe Affinität hat Kathrin Metzner zum Beispiel zur Leichtathletik, weil sie den Sport selbst mit Begeisterung ausgeübt hat. An Franz Beckenbauers Jungs kam sie aber dann doch nicht vorbei – und feiert mit dem dritten deutschen WM-Titel ihr Debüt für die TZ.

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