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Fußball, Eintracht Oberursel: Interview mit Mehmet Cetin: Ein Königreich für einen Knipser

Muss mit der Eintracht unvermittelt auf die hinteren Tabellenplätze schauen: Coach Mehmet Cetin. Foto: Heiko Rhode Muss mit der Eintracht unvermittelt auf die hinteren Tabellenplätze schauen: Coach Mehmet Cetin.

Mittlerweile ist Mehmet Cetin in seiner sechsten Saison Trainer der Oberurseler Eintracht. Übernommen hatte der Vierzigjährige das Team damals in der A-Liga und wurde dort auf Anhieb Meister. Es folgte ein weiterer Titel in der Kreisoberliga und der damit verbundene Durchmarsch in die Gruppenliga.

Dort allerdings stieß die Mannschaft an ihre Grenzen und stieg prompt wieder ab. Ein kleiner Kader, der zudem den einen oder anderen charakterlichen Problemfall beinhaltete, trübten Cetins Laune am Fußball deutlich.

Aktuell läuft es auch in der KOL nicht optimal. Nach gutem Start rutschte der Verein zuletzt mehr und mehr nach hinten – bis in den Abstiegsstrudel und trifft nun am morgigen Sonntag (14.30 Uhr) im Derby auf den punktgleichen FC Weißkirchen. Die Laune des Mehmet Cetin ist dennoch gut, denn menschlich bewegen sich er und seine Spieler wieder auf einer Wellenlänge. Und das, beteuert Mehmet Cetin, ist für ihn im Amateurfußball das A und O.

Herr Cetin, der Ausflug in die Gruppenliga endete vor zwei Jahren mit dem sofortigen Wiederabstieg. Was hat sich seitdem im Verein getan?

MEHMET CETIN: Wir hatten seitdem vor allem viele Ab- und Zugänge. Schon während der Rückrunde der damaligen Gruppenliga-Saison habe ich gnadenlos aussortiert. Wer charakterlich nicht gepasst hat, musste gehen. Selbst wenn er sportlich weitergeholfen hätte. Damit war der Abstieg quasi auch besiegelt. Aber der Schritt und Schnitt waren nötig – denn das Charakterliche steht bei mir im Amateurfußball immer vor dem Sportlichen.

Sie wirkten damals sehr enttäuscht ob der Situation in der Mannschaft. Wie nahe ging Ihnen persönlich diese Phase?

CETIN: So etwas geht jedem Trainer nahe. Wer das verneint, der sagt nicht die Wahrheit. Ich bin mit Herz, Leib und Seele dabei, besonders weil wir zuvor fast schon sensationell Meister in der KOL wurden. Dass wir das alles dann in der Gruppenliga so leichtfertig weggeworfen haben, tat mir schon weh.

Eintracht Oberursel kontra FC Weißkirchen: Die Fakten ...

„Wenn man zuletzt sieht, was bei uns alles möglich ist, dann ist der aktuelle Tabellenstand schon etwas verwunderlich“, sagt Uwe Eckerl, Trainer des FC Weißkirchen.

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Hatte man damals einfach Pech mit einigen „faulen Äpfeln“ im Team oder durchlaufen Amateurfußballer generell einen charakterlichen Wandel?

CETIN: Wir hatten ohne Zweifel den ein oder anderen faulen Apfel in der Mannschaft. Aber dieser generelle Wandel, von dem heutzutage jeder spricht, findet definitiv auch statt. Der Fußball steht für viele heute nicht mehr an erster Stelle, häufig nicht einmal mehr an zweiter. Früher waren wir alle ein bisschen fußballbekloppt – heute wird fast alles andere dem Sport vorgezogen.

Glauben Sie, dass sich die Einstellung zum Amateursport – gerade bei jungen Menschen – wieder zum Besseren verändern kann?

CETIN: Zunächst mal muss man ja auch sagen, dass es die Fußballverrückten Gott sei Dank immer noch gibt. Man kann sie nur nicht mehr in einer Altersgruppe festmachen. Heute steht für viele junge Leute das Finanzielle im Vordergrund. Ich brauche keine Namenzu nennen, aber selbst in der KOL greifen da einige tief in die Tasche. Bei uns gab’s das nicht und wird’s auch in Zukunft nicht geben.

Welche Argumente hat ein Verein denn dann noch im Werben um talentierte Spieler?

CETIN: Bei uns kann das Hauptargument nur der familiäre Zusammenhalt sein. Etwas anderes kommt nicht in Frage. Vielleicht ist dieser daher bei uns auch etwas stärker ausgeprägt als bei anderen Vereinen. Wir haben in diesem Jahr durch die Bank nur liebe Kerle. Möglicherweise ja fast schon etwas zu liebe.

Braucht man für den sportlichen Erfolg überhaupt noch die Typen, die – überspitzt gesagt – auch mal über Leichen gehen?

CETIN: Die kann man schon noch gebrauchen, gerade wenn man, wie wir aktuell, in der Tabelle unten drin steht. Wir kommen übers Spielerische und wenn’s bei uns läuft, dann braucht man über die Qualität gar nicht reden. Jetzt sind aber andere Tugenden gefragt.

Hätten Sie vor der Saison eigentlich erwartet, dass die Liga vom Niveau her so stark und so ausgeglichen ist?

CETIN: Definitiv. Ich habe das den Jungs auch schon vor der Saison gesagt. Aber in einigen Gesichtern hat man gesehen, dass sie es mir eventuell nicht ganz abgenommen haben. Man muss sich ja nur die Aufsteiger mal anschauen. Der SV Seulberg hat zwar überwiegend No-Names, aber eine Hammer-Truppe. Dass der FC Ay Yildizspor ambitioniert ist, war auch klar. Und dann kommen da noch die Absteiger, die traditionell stark sind. Es ist ganz bitter, dass es in diesem Jahr drei feste Absteiger und dazu noch einen Relegationsplatz gibt.

Was stimmt Sie positiv, dass die Eintracht sich in diesem Teilnehmerfeld am Ende behaupten kann?

CETIN: Es gibt einige gute Ansätze. Selbst zuletzt bei unserer 2:5-Niederlage gegen die Sportfreunde Friedrichsdorf. Da lagen wir zur Halbzeit 0:4 hinten und wussten, dass wir das nicht mehr drehen werden. Dennoch sind wir in der zweiten Hälfte ganz anders aufgetreten. Auch, um uns für die nächsten Spiele Motivation zu holen. Viele Spiele haben wir auch nur sehr knapp abgegeben, weil wir vor den Gegentoren noch zu häufig individuelle Fehler begehen. Die müssen wir abstellen.

Braucht die Mannschaft im Winter noch Verstärkungen? Und wenn ja, auf welcher Position aus Ihrer Sicht am dringlichsten?

CETIN: Wir haben offen und ehrlich gesagt keinen richtigen Stürmer. Da brauchen wir auf jeden Fall noch Verstärkung. Hätten wir einen, der regelmäßig trifft, dann wären wir auch aus einigen der besagten knappen Spiele nicht mit null Punkten rausgegangen.

Gibt es bereits Kandidaten?

CETIN: Ja, wir haben auch schon gute Gespräche geführt. Es sind Spieler, die uns sofort weiterhelfen könnten. Aber noch kann da nichts verkündet werden.

Wenn Sie ihn sich am Reißbrett entwerfen dürften – wie sähe für Sie der ideale Amateurfußballer aus?

CETIN: Er muss ein cooler Typ sein, mit dem man Spaß beim Fußball hat. Einer, der auch nach dem Training noch bleibt. Einer, der vielleicht keine 100, dafür aber eine 95-prozentige Trainingsbeteiligung hat. Einer, der auch an Vereinsaktivitäten teilnimmt. Kurz gesagt, einer, der nicht sich selbst, sondern die Mannschaft in den Mittelpunkt stellt. Und wenn er dann auch noch sportlich eine Rakete ist, dann wäre er wie ein Sechser im Lotto.

Hand aufs Herz, reizt Sie nach der enttäuschenden Saison vor zwei Jahren die Gruppenliga noch?

CETIN: Ich persönlich will als Trainer immer so weit oben spielen, wie es möglich ist. Ich weiß auch, dass viele meiner Jungs in der Tabelle nach oben schauen. Aber wir stecken im Abstiegskampf, und da müssen wir jetzt erst einmal raus kommen. Aufstieg? Vergiss es! Sollten wir aber in Zukunft mal wieder mit einer im Vorfeld als chancenlos eingeschätzten Mannschaft in der Gruppenliga antreten, dann wäre ich erst recht motiviert. Aber aktuell brauchen wir uns damit gar nicht zu beschäftigen.

Verfolgen Sie eigentlich auch das Geschehen beim Stadt-Rivalen FC Oberursel?

CETIN: Ich kicke beim FC ja sogar noch für die Alten Herren und war zudem als Aktiver vier Jahre dort in der KOL oben mit dabei.

Mittlerweile tritt der FC aber nur noch in der B-Liga an. Fehlt dieses KOL-Derby?

CETIN: Derbys haben wir doch genug, allein am morgigen Sonntag gegen Weißkirchen. Aber der FC hat zuletzt wieder richtig Man-Power im organisatorischen Bereich bekommen und ist auf einem sehr guten Weg.

Apropos Weißkirchen – wie schätzen Sie denn Ihren kommenden Gegner ein?

CETIN: Sie haben eine starke Mannschaft beisammen, die jetzt nach dem 5:3-Pokalsieg über den FSV Friedrichsdorf vor Selbstvertrauen nur so strotzen wird. Ich meine, der FSV hatte zuletzt in der Gruppenliga ja immerhin dreimal in Folge gewonnen. Das muss man erst mal schaffen. Und so ein Team zu schlagen, gibt natürlich einen Schub.

Wie lautet Ihr Tipp für das morgige Derby?

CETIN: Es wird ein enges Spiel. Wir müssen einfach gewinnen. Vielleicht haben wir jetzt einmal das Glück, das uns zuletzt gefehlt hat, auf unserer Seite und wir holen einen knappen Sieg. rk

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