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Reiten: Was das Islandpferde-Reiten so besonders macht

Von Die Hessenmeisterschaften der Islandpferdereiter auf dem Hirtenhof bringen für die heimischen Reiter eine Medaillen- und Titelflut. „Isi-Reiten“ wird immer populärer, wenn auch die Gangarten der Pferde speziell sind.
Nicole Rubel wurde mit ihrem Islandpferd Dropi frá Langholti Hessenmeisterin. Nicole Rubel wurde mit ihrem Islandpferd Dropi frá Langholti Hessenmeisterin.
Wehrheim. 

Bei den Hessischen Meisterschaften der Islandpferdereiter auf dem Hirtenhof waren die Leistungen der 25-jährigen Anna-Lena Burk vom gastgebenden Verein Islandpferde-Reiter Wehrheim (IPRW) herausragend. Sie sicherte sich gleich zwei Meistertitel.

Mit Ósp vom Hirtenhof siegte Burk in ihrer Lieblingsdisziplin Pass auf der Ovalbahn, um dann auch noch im Passrennen über die Kurzdistanz 150 Meter an die Spitze zu reiten. Nicole Rubel wurde mit ihrem Hengstschecken Dropi frá Langholti Vizelandesmeisterin und in der Viergang-Prüfung Hessenmeisterin. Johanna Ludwig errang im Fünfgangpreis ebenfalls die Meister-Schärpe.

Besonders eilig hatte es auch Alexander Fedorov vom Schmittener Akazienhof im 250-Meter-Rennen. Im Sattel von Hrólfur frá Hafnarfiri durchbrach der frühere Jugendeuropameister im vollen Karacho als Hessenmeister die Lichtschranke im Zielbereich.

Die meisten Pferderassen haben nur drei Grundgangarten. Schritt, Trab, Galopp. Islandpferde bringen von Haus aus eine spezielle „Isi“-Gangart, den Tölt, mit. Eine gewisse Veranlagung, die aber erst zu „wecken“ ist, ist der Passgang. Dabei handelt es sich um eine Gangart im Zweitakt in zwei Phasen, bei der die gleichseitigen Beinpaare abwechselnd auffußen. Dazu sind nur Gangpferde, darunter auch die Islandpferde, in der Lage.

Das beim Pass von den Hufen auf dem brettharten Geläuf erzeugte Geräusch erinnert an den Takt einer Nähmaschine. Das Faszinierende dabei: Sowohl beim Pass als auch beim Tölt sitzt der Reiter so komfortabel im Sattel wie auf einem Sofa. Anders als beim Großpferd entsteht durch den Viertakt keinerlei Vertikalbewegung. Mit etwas Übung könnte man dabei auf dem Kopf ein Tablett tragen.

Passrennen gehören zu den spektakulärsten Prüfungen für Islandpferde. Sie erfordern vom Veranstalter eine besondere Qualität des Geläufs. Der schnurgerade Hochgeschwindigkeitskurs auf dem Hirtenhof, konstruiert von Michael Rilk. genießt in dieser Sportart Weltruhm. Die Österreicherin Carina Mayerhofer hat hier bei der Mitteleuropäischen Meisterschaft 2012 einen Fabelweltrekord förmlich auf die Bahn zementiert. Mit 6,95 Sekunden über 100 Meter dürfte es, so Rilk, ein Rekord für die Ewigkeit bleiben: „Unter sieben Sekunden, eigentlich geht das kaum.“

Für Anna-Lena Burk ist die Passbahn offenbar wie gemacht: „Die Lage ist einfach top: die Qualität des Bodens – bretthart, aber trotzdem griffig – und der Blick für Pferd und Reiter bis zum Horizont.“

Der Tölt ist eine vererbbare Viertakt-Gangart. Anders als Trab und Galopp hat Tölt keine Schwebephase, sondern ist eine gelaufene Gangart mit hoher Tempovarianz zwischen Schritt- und Galopptempo. Die Fußfolge ist dieselbe wie im Schritt: hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts.

Ursprünglich hatten alle europäischen Pferderassen eine genetische Veranlagung für den Tölt. Mit dem Aufkommen der Kutschfahrerei wurden bequeme Reitpferde unwichtig und Reiten unmodern. Da Tölt keine Sprungphase hat und daher im Zug keine, einem trabenden Pferd adäquate Leistung erbracht werden kann, stellte sich die Pferdezucht auf Traber um. Mit der Entwicklung der Freizeitreiterei und der Verbreitung der Islandpferde in den 70er Jahren wurden der Tölt und das Gangpferdereiten auch in Deutschland populär.

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