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Die Schockdiagnose: Kreuzbandriss

Täuscht der Eindruck, oder ist die Zahl der schweren Kreuzbandverletzungen mit der gewachsenen Zahl der Kunstrasenplätze im NNP-Land deutlich gestiegen? Auch unser Autor Yannick Wenig blieb von dieser Horrorverletzung nicht verschont. Nach endlosen Wochen und Monaten bereitet er sich derzeit mit viel Fleiß auf sein Comeback im Team des Fußball-Verbandsligisten TuS Dietkirchen vor. Er hat sich Gedanken gemacht und mit zwei Leidensgenossen und einem renommierten Orthopäden und Sportmediziner über die Schockdiagnose „Kreuzbandriss“ gesprochen.
Das menschliche Knie. Versteckt, ganz im Innern, das vordere und hintere Kreuzband. Bilder > Das menschliche Knie. Versteckt, ganz im Innern, das vordere und hintere Kreuzband.
Limburg. 

Auch im Fußballkreis Limburg-Weilburg blieben die Sportler nicht unversehrt. Mit Lucas Horz vom FC Dorndorf und dem Mannschaftskapitän des TuS Dietkirchen, Maximilian Zuckrigl, hat es beispielsweise zwei Leistungsträger ihrer Farben in der Verbandsliga Mitte erwischt. Beide haben eine besondere Leidensgeschichte zu erzählen.

Beim Dorndorfer Flügelspieler Lucas Horz waren in der Folge der ersten Kreuzbandplastik erhebliche Komplikationen aufgetreten, die zwei weitere operative Eingriffe nach sich zogen. Die Fortsetzung seiner sportlichen Laufbahn stand mehrmals auf dem Spiel. „Die Ungewissheit über die sportliche Zukunft sorgt dafür, dass schnell Zweifel daran aufkommen, ob man seine Leistungsgrenze überhaupt noch einmal erreichen wird“, berichtet Lucas Horz heute.

Beim Dietkirchener Maximilian Zuckrigl hatte es zwar keine operativen Komplikationen gegeben, doch musste der Youngster etwa ein Jahr nach seiner ersten Kreuzbandruptur bereits im Alter von 22 Jahren seine zweite schwere Knieverletzung hinnehmen. Erneut hieß die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie. „Ich dachte nur: ,Das darf doch wohl nicht wahr sein. Wieso schon wieder ich?’ Wenn man sich mit 22 zum zweiten Mal das Kreuzband reißt, ist man am Boden zerstört“, gibt „Zucker“ Einblicke in seine Gefühlswelt unmittelbar nach der Verletzung.

Gründe für die Häufigkeit

Dieses Schicksal teilen die beiden mit etwa 100 000 Leidensgenossen in Deutschland. Über 80 Prozent davon erlitten die Verletzung ebenfalls beim Sport. Vor allem beim Fußball. Doch was sind die Gründe für die Häufigkeit solch schwerwiegender Knieverletzungen? Natürlich spielen Faktoren wie der allgemeine körperliche Fitness- und Gesundheitszustand und ein gesunder Lebenswandel eine primäre Rolle. „Man kann sich jedoch nicht vollständig gegen Verletzungen des Kniegelenkes schützen. Die Wahrscheinlichkeit lässt sich lediglich durch entsprechende Maßnahmen wie die Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur, Koordinationsübungen und einen gesunden Lebenswandel minimieren. Gesunde Ernährung, der Verzicht auf Alkohol und viel Schlaf tragen maßgeblich zur Prävention bei“, erklärt Dr. Ralph-Ingo Kern. Er leitet in Limburg eine Praxis für Orthopädie und Sportmedizin und ist aktuell Mannschaftsarzt des Champions-League-Clubs TSG Hoffenheim.

Doch auch über den Belag und die Beschaffenheit des Platzes wird im Hinblick auf die Verletzungsursache immer wieder diskutiert. Und tatsächlich erfreut sich der Kunstrasenplatz beim Gros der Fußballer keiner besonderen Beliebtheit. Dies ist zum einen natürlich historisch bedingt, da insbesondere die ersten Generationen des Kunststoffbelags neben Gelenks- und Muskelverletzungen, die durch die besondere Stumpfheit auftraten, auch unangenehme Brand- und Schürfwunden verursachten. Durch den technischen Fortschritt in der Branche erfreuen sich inzwischen zahlreiche Vereine an Kunstrasenplätzen der vierten Generation, die aufgrund ihrer Beschaffenheit immer mehr einem Naturrasen ähneln und auf denen es deutlich seltener zu schweren Verletzungen kommen soll.

„Sofort gemerkt, dass etwas gerissen ist“

Unser Autor Yannick Wenig beschreibt die Situation, in der er sich das Kreuzband gerissen hat: „Eine Spielsituation, wie ich sie bereits etliche Male erlebt habe.

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Wechsel ist problematisch

Eine statistische Erhebung, die auf ein erhöhtes Verletzungsrisiko auf Kunstrasenplätzen – welcher Generation auch immer – hindeutet, gibt es jedoch nicht. Im Gegenteil: Viele Experten, wie der Hoffenheimer Mannschaftsarzt Dr. Ralph Kern gehen nicht von einem erhöhten Verletzungsrisiko aus. „Die neueste Generation der Kunstrasen ist schon sehr gut. Es gibt Untersuchungen, dass es hier nicht zu mehr Verletzungen als auf Naturrasen kommt. Das Problem ist nicht der Kunstrasen per se; vielmehr ist wohl der Wechsel zwischen Natur- und Kunstrasen problematisch“, vermutet er und fügt an, dass eine körperliche Anpassung durch die Gewöhnung der Spieler an einen bestimmten Untergrund, ob Kunst- oder Naturrasen, Verletzungen auf dem jeweiligen Belag minimiere. Auch ein spezielles Schuhwerk für jeden Untergrund ist sinnvoll, um etwaigen Verletzungen vorzubeugen. Nichtsdestotrotz sorgt das oftmals stumpfe Geläuf, insbesondere auf den älteren Plätzen dafür, dass bei Side-Cut- oder Abstoppbewegungen sowie Landungen eine geringere Bewegungskontrolle gegeben ist.

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Wartung und Pflege

Gerade bei hohen sommerlichen Temperaturen trocknet der künstliche Belag sehr schnell aus und wird dadurch stumpfer. Daher weisen fast alle Hersteller des künstlichen Grüns immer wieder darauf hin, dass Wartung und Pflege unbedingt notwendig sind, um eine gute und nicht stumpfe Beschaffenheit des Belags zu gewährleisten. Ob schließlich ein Zusammenhang der häufigen und schweren Knieverletzungen und dem Einsatz von Kunstrasenplätzen besteht, lässt sich nicht beantworten.

Für Maximilian Zuckrigl jedenfalls, der sich beide Kreuzbandrisse auf Kunstrasen zugezogen hat, ist jedoch klar: „Ich denke schon, dass ein Zusammenhang besteht. Der Kunstrasen ist so stumpf und gibt nicht nach, da bleibt man eher hängen. Bei einem Naturrasen rutscht man vielleicht eher aus oder reißt ein Stück des Rasens heraus.“

Dr. Ralph-Ingo Kern, in Limburg praktizierender Orthopäde und Mannschaftsarzt des Bundesligisten TSG Hoffenheim.
Arbeitet mit Profis: Dr. Ralph-Ingo Kern

Dr. Ralph-Ingo Kern, unter anderem in Limburg praktizierender Orthopäde, Sportmediziner und Unfallchirurg, kennt Schmerzen nach Sportverletzungen aus eigener Erfahrung: Er war 16-facher Deutscher

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Inzwischen haben sich sowohl Torjäger Maximilian Zuckrigl als auch Lucas Horz vollständig von ihren schweren Verletzungen erholt und feierten eine sehr erfolgreiche Rückkehr in der Verbandsliga. Während Max Zuckrigl in der Hinrunde mit zehn Treffern wieder der erfolgreichste Torjäger seines TuS Dietkirchen war, gab auch der 23-jährige Lucas Horz am 8. Spieltag der aktuellen Spielzeit im Derby gegen Dietkirchen sein Comeback. Im Oktober steuerte er gar einen Doppelpack zum 3:0-Heimerfolg seines FC Dorndorf gegen Braunfels bei.

 

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