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18. HK-Kreisstadt-Lauf: Blick in eine andere Welt

Von Beim 18. HK-Kreisstadt-Lauf hat sich der Flörsheimer kürzlich als derzeit wohl talentiertester Läufer aus dem Main-Taunus-Kreis mit dem zweiten Platz und persönlicher Bestzeit über 10 Kilometer eindrucksvoll zurückgemeldet. Zweifellos ein tolles Erlebnis, aber nichts gegen die Erfahrungen, die er bis vor einigen Wochen in einem anderen Teil der Welt gesammelt hat.
Jasper Püschel mit einem der Kinder, die er in Peru betreute. Jasper Püschel mit einem der Kinder, die er in Peru betreute.
Flörsheim. 

Es sind bewegende Geschichten, die Jasper Püschel von seinem Aufenthalt in Arequipa, der zweitgrößten Stadt des Anden-Staates Peru, erzählt. Der 19-Jährige ist nun zwar seit knapp zwei Monaten zurück in Deutschland. Von den Erlebnissen, die der Flörsheimer im westlichen Teil Südamerikas aufgesogen hat, wird er aber noch sehr viel länger zehren. Wahrscheinlich ein Leben lang.

Eine Wanderung im Hochgebirge: Jasper Püschel genießt das eindrucksvolle Gebirgsmassiv der Anden. Bild-Zoom
Eine Wanderung im Hochgebirge: Jasper Püschel genießt das eindrucksvolle Gebirgsmassiv der Anden.

Mehr durch Zufall entschied sich der Abiturient nach seinem Schulabschluss im vergangenen Jahr für einen Aufenthalt in Peru. „Ursprünglich wollte ich nach Kanada, um dort Work-and-Travel zu machen. Allerdings hat es sich als schwierig herausgestellt, das dort gültige Visum zu bekommen“, erzählt Püschel. Weil er vor einigen Jahren schon einmal mit seiner Familie Urlaub in Peru gemacht hat, und der Kontakt zum damaligen Reiseleiter nie abriss, entschied er sich für Plan B – ein Glücksfall. In Cusco, unmittelbar in der Nähe zur Inkastadt Machu Picchu, absolvierte er einen einmonatigen Sprachkurs, bevor er sich auf die Reise 500 Kilometer weiter südlich nach Arequipa machte.

Dort arbeitete er ein halbes Jahr für das Organisation „Casa Verde“ (grünes Haus), die benachteiligte Kinder und Jugendliche in einem Kinderheim auf deren weiterem Lebensweg begleitet. In einem familiären Rahmen sollen dort Werte wie Respekt, Verantwortungsbewusstsein und Achtung vor anderen und sich vermittelt werden. Was sich wie ein gewöhnliches Hilfsprojekt anhört, ging Jasper Püschel in der Praxis stark unter die Haut. „Man erlebt Einzelschicksale, die einen sehr nachdenklich machen“, sagt der 19-Jährige und berichtet von einem Mädchen, das in ihrem Elternhaus von mehreren Familienangehörigen über einen langen Zeitraum misshandelt und vergewaltigt worden war. Oder von dem Mädchen, bei der eine Schizophrenie schon in jungen Jahren stark ausgeprägt war. Jedes Kind hat eine bedauernswerte, beispiellose Vorgeschichte und wurde meist mit traumatischen Erlebnissen dem peruanischem Kinderheim übergeben. „Die Dunkelziffer bezüglich der Kinder, die in den eigenen Familien misshandelt und vergewaltigt werden, ist sehr hoch. Man geht davon aus, dass ein Drittel aller Kinder solche Erfahrungen in ihrem näheren Umfeld erleben mussten“, sagt Püschel.

Als Ausgleich zu den bewegenden Arbeitstagen, widmete er sich nach einigen Wochen Pause auch wieder dem Laufen. Mit Blick auf die schneebedeckten Vulkane in der Ferne, entlang der unzähligen Reis- und Kartoffelfelder, trainierte Jasper Püschel unter anderem für die Läufe, die er nach seiner Rückkehr in Angriff nahm. Es sollte sich auszahlen. Beim Halbmarathon in Hannover kam er im April in 1:10:55 Stunde über die Ziellinie. Das Höhentraining in Peru, 2500 Meter über dem Meeresspiegel, hat ihm dabei geholfen: „Ein paar Wochen profitiert man davon sicherlich. Irgendwann sind die roten Blutkörperchen aber auf dem Ausgangsniveau.“

Viele sportliche Ziele hat er sich für die weitere Saison nicht gesteckt. Momentan macht er ein Praktikum bei einem Finanzinstitut in Frankfurt, im Herbst will er sein Studium im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen beginnen. Um sich das südamerikanische Flair und die Mentalität der Menschen, die ihn sehr beeindruckt haben, auch in der Heimat beizubehalten, arbeitet er nebenbei in einem peruanischen Restaurant in Frankfurt.

Und schon bald – das hat sich Jasper Püschel ganz fest vorgenommen – will er nach Peru zurückkehren. Vielleicht mit der Familie, vielleicht mit Freunden. Er will sehen, was aus den Kindern und Jugendlichen, die er auf einem Stück ihres Lebens begleiten durfte, geworden ist.

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