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Da strahlt sogar der Sieger

Von Auf den zehn Kilometern von Hofheim nach Höchst setzte sich gestern der Favorit aus Afrika durch - dabei tat er es seinem Manager gleich.
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Höchst/Hofheim. 

Seit 15 Jahren liefert der HK-Kreisstadt-Lauf diese schönen Momente. Bilder von Athleten, bei denen die Anstrengung während der zehn Kilometer spätestens beim Zieleinlauf im Schlosspark in Euphorie übergeht. Bilder von Zuschauern an der Strecke in Hofheim, Zeilsheim und Höchst, die den Teilnehmern viel Beifall spenden und Becher mit Wasser reichen.

Der Lauf sorgt für Erfolgserlebnisse der Organisatoren, die sich gestern über 1492 Teilnehmer im Ziel und einen Erlös von rund 25 000 Euro für die Stiftung Leberecht freuten. Nur einer schien zunächst nicht so recht hineinzupassen in den erfolgreichen Film, dessen Bilder sich jedes Jahr an Christi Himmelfahrt gleichen: Eliaz Biwott Kiptoo.

Dass der Sieger aus Kenia stammt, ist noch keine Überraschung. Eher eine Selbstverständlichkeit. Neun der bisherigen Kreisstadtlauf-Gewinner gehören der afrikanischen Läufernation an. Immer, wenn ein Kenianer unter den Teilnehmern am Untertor auf den Startschuss wartete, war er auch als Erster im Ziel. Es sei denn, er hatte Konkurrenz aus dem eigenen Land. Selten hat jedoch einer der Afrikaner seinen Job am Vatertag so humorlos verrichtet wie Kiptoo.

Das wird auch mit seinem Alter zusammenhängen, denn der Sieger ist gerade einmal 20, auch wenn er durch seinen Bartwuchs schon älter wirkt. Kiptoo läuft seine zweite Saison in Europa. Athletenberater Alexander Hempel, selbst dreimaliger Sieger des Kreisstadt-Laufes, ermöglicht ihm das. Gestern wurde er vom Autohaus Luft gesponsert.

 

Wie einst Kiptanui

 

Dass Kiptoo über großes Talent verfügt, dafür steht schon fast seine Herkunft. Er wuchs in Marakwet auf, einer Gegend im Osten Kenias, aus der mehrere frühere Weltklasseläufer wie Moses Kiptanui und Richard Chelimo stammen. Er sei Profi, erzählte Kiptoo im Ziel, während seine „Konkurrenz“ erst nach und nach auf den Pflastersteinen einlief. „Heute war für mich die Zeit nicht wichtig, sondern der Sieg und vor allem das Training“, sagte er mit einer Mimik, die ein Mischmasch aus Professionalität und Schüchternheit verheißt.

Sein Geld verdient er mit Start-, Sieg- und Streckenrekordprämien. Und weil es davon beim Kreisstadt-Lauf keine gibt, damit so viel wie möglich Geld für die Hilfe von beeinträchtigten Kindern gesammelt werden kann, ging es für ihn um einen guten Eintrag für seine Läufer-Vita und um Training unter Wettkampfbedingungen. Rund 20 Kilometer läuft er ohnehin jeden Tag, am Sonntag wartet schon wieder ein Halbmarathon in Frankreich.

 

Ruhig angegangen

 

Wäre der Kenianer nicht nur ernst geblieben, sondern hätte er auch ernst gemacht, wäre gestern der Streckenrekord von Frank Kayele fällig gewesen. Der Mann aus Namibia benötigte 1999, im Premieren-Jahr, 31:28 Minuten. Kiptoo ist im vorigen Jahr über zehn Kilometer schon eine 29er-Zeit gelaufen.

So aber ließ er es ruhig angehen. Ziemlich ruhig sogar. Kiptoo lief die ersten beiden Kilometer mit seinem Manager Hempel, schloss erst auf der Landstraße vor der Autobahnbrücke zu Jens Bäss (TV Waldstraße Wiesbaden) und Dennis Gutenstein (Spiridon Frankfurt) auf. Als das Trio in Alt-Zeilsheim einlief, schob Bäss den Afrikaner leicht an, was natürlich ein Scherz sein sollte. So nach dem Motto: „Wir rechnen jede Sekunde damit, dass du uns wegläufst.“ Kiptoo hat den Witz nicht verstanden.

Erst zwischen Kilometer fünf und sechs, am Zeilsheimer Ortsausgang, drückte der haushohe Favorit auf die Tube. Das musste er auch, denn von hinten rauschte Daniel Schmidt (TSV Ostheim/Rhön) heran, der sich das Rennen ganz prima eingeteilt hatte. Er sollte dann auch Bäss und Gutenstein überlaufen und konnte nach acht Kilometern den Rückstand auf den Führenden bis auf zehn Sekunden verkürzen - zu seiner eigenen Überraschung. Denn Schmidt wollte einfach nur unter 35 Minuten bleiben und habe es gar nicht auf einen Podestplatz abgesehen gehabt. Beim Endspurt kannte Kiptoo, der sich vorsorglich immer wieder umgeschaut hatte, aber kein Erbarmen mehr.

 

Hempel machte es vor

 

Anders als die Sieger in den vergangenen Jahren genoss Eliaz Biwott Kiptoo die letzten Meter sichtlich. Es gewannen schon Kenianer, die sich wunderten, dass der Lauf nach zehn Kilometern schon vorbei war beziehungsweise Seite an Seite laufend sich nicht entscheiden konnten, wer gewinnen sollte. Kiptoo aber riss vorzeitig die Arme hoch und packte alles an Freude, was er sich über zehn Kilometer aufgespart hatte, in sein Siegerlächeln.

Wer weiß, auf welchen Strecken dieser Welt er es noch überall zeigen darf. In Höchst strahlte Kiptoo nach 33:42 Minuten. Auf die Sekunde so schnell war sein Manager Hempel, als er den Kreisstadt-Lauf vor zehn Jahren das letzte Mal gewann.

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