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19. Kreisstadtlauf: Fanmeile beim Kreisstadtlauf: "Jeder, der vorbeikommt, wird angefeuert"

Anfeuern ist Pflicht, und das geht beim Kreisstadt-Lauf nirgends besser als auf der Brücke über die Zeilsheimer Straße
Christina Mrosek (rechts) und Monika Lotz feuern die Läufer von der Zeilsheimer Brücke aus an. Foto: Knapp Christina Mrosek (rechts) und Monika Lotz feuern die Läufer von der Zeilsheimer Brücke aus an.
Kriftel. 

Über Nacht campiert hat niemand, um sich die besten Plätze zu sichern oder Fan-Transparente auszurollen, auch musste man morgens nicht allzu früh da sein.

Pünktlich zum Start

Um 9.30 Uhr, pünktlich zum Start der Walker, hat Christina Mrosek als erste Stellung bezogen. Mit dem Fahrrad ist sie aus Kriftel gekommen, ihr bunt gepunkteter Helm ist ein auffälliger Farbtupfer. „Ich wohne ja eh’ um die Ecke, und da ein Freund mit auf die Strecke geht, wollte ich herkommen.“ Mutter Birgid kann sich darüber nur wundern: „Gestern hat sie noch gesagt, sie wolle ausschlafen, aber heute früh sagte sie ,Mama, komm !’, und da war ich dann gar nicht drauf eingestellt.“ Immerhin reichte aber die Zeit, um ihren Mann aus dem Bett zu scheuchen, damit er den beiden seine Kuhglocke aushändigen konnte. „Die haben wir mal vor 30 Jahren aus Bayern mitgebracht, doch die wird sonst gar nicht mehr eingesetzt. Aber als eine 80-jährige Bekannte mir erzählte, sie wolle hierher kommen und ihre Glocke mitbringen, weil ihr Sohn mitläuft, kam ich auf die Idee, es ihr gleichzutun und kräftig zu läuten.“

Und da waren die Beiden nicht die einzigen, denn auch Berthold Weber ist mit einer Kuhglocke ausgerüstet – einer ziemlich großen sogar. „Die habe ich aber keiner Kuh gestohlen, sondern ganz ehrlich gekauft, auf dem Weihnachtsbasar in Kriftel war das mal“, lacht er. Außerdem hat er einen überdimensionalen Winke-Handschuh und eine blaue Tröte eingepackt. Da fehlt dann manchmal eine weitere Hand, um alles gleichzeitig zu bedienen. „Bestimmt zehn mal war ich schon da, und jeder, der vorbeikommt, wird angefeuert.“ Schwiegersohn und Bruder sowie seine Nordic Walking-Gruppe machen mit, aber er begnügt sich mit der Zuschauerrolle: „Ich steh’ lieber hier“, meint er fröhlich. Immerhin soll es für ihn heute auch noch ein bisschen aktiver werden, denn er ist mit dem Fahrrad da: „Anschließend fahre ich zum Schlossplatz in Höchst, denn dort ist Musik, und es gibt was zu Essen und zu Trinken. Da treffe ich dann alle wieder.“

Als „Edel-Fan“ sieht sich auch Christina Mrosek, „denn Laufen ist nicht so meine Sportart, da schaue ich lieber zu“. Den Standort hat sie allerdings nicht zufällig gewählt: „Schon an Silvester hat man von der Brücke aus immer eine super Sicht. Man sieht hier wirklich alles, und daher wollte ich heute unbedingt herkommen.“ Nicht zuletzt der gute Blick auf das Walker- und Läuferfeld hat es Monika Lotz aus Marxheim angetan: „Seit vier, fünf Jahren mische ich mich unter die Zuschauer, da ich wegen eines Bandscheibenvorfalls selber nicht mehr laufen kann, und für die Walking-Distanz müsste ich mehr üben. Aber ich bejubele eben die, die ich kenne.“ Und ihr gefällt noch ein ganz besonderer Aspekt dieses Tages: „Das Tolle an dem Kreisstadt-Lauf ist ja, dass hier für Leberecht gespendet wird und Menschen damit etwas für andere Menschen tun.“

Inzwischen haben sich rund 50 Fans auf der Brücke versammelt, die Stimmung ist ausgelassen, viele kennen sich natürlich. Guter Dinge ist auch das Ehepaar Block, das aus Hofheim geradelt kam: „Ein guter Freund von uns, Bernd Schmidt, walkt mit, immer vorneweg als einer der ersten, daher werden wir ihn auf jeden Fall erkennen.“ Apropos: Nicht zu übersehen sind die beiden „Langen“ im Walker-Feld, die gerade vorbeimarschieren: Thorsten Sader mit 2,12 Meter und Reinald Blöser mit 2,08 Meter überragen alle. „Wir finden es halt absolut sensationell, dass Bernd jetzt mal schnell mitwalkt und sich dann direkt an den Herd stellt“, erzählt Siggi Block und staunt: „Immerhin muss er gleich seine Kundschaft in der Gaststätte ,Zum Taunus’ bekochen. Er kommt locker-flockig zurück, duscht, und sieht dann so aus, als wäre nichts gewesen.“

Verabredung

Sie selber schaut mit einem lachenden und weinenden Auge auf das Starterfeld, denn aus gesundheitlichen Gründen kann sie dieses Mal leider nicht mit dabei sein. Prompt erinnert sie sich allerdings daran, vor zwei Jahren mitten auf der Walking-Strecke, nicht weit entfernt vom heutigen Standort, von eben jener Autorin interviewt worden zu sein. Das kann diese nur bestätigen – und so steht die Verabredung für nächstes Jahr, natürlich wieder bei gemeinsamer sportlicher Betätigung, denn aller guten Dinge sind drei. (skr)

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