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Mehr ziviler Ungehorsam gefordert: 150. Montagsdemo am Flughafen: Protest, der zur Routine wird

Von Zum 150. Mal haben am Montagabend Gegner des Flughafenausbaus im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens demonstriert. Der große Zustrom zum "Jubiläum" bot Anlass zur Erneuerung des Protestwillens. Der Wiesbadener Arzt Michael Wilk forderte sogar eine Verschärfung des Protestes.
150. Flughafendemo +++ Aufgenommen am Fraport von Christian Christes in Frankfurt am Main, Flughafen Foto: Christian Christes 1300 Menschen hat die Polizei gestern Abend bei der 150. Montagsdemonstration des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm gezählt. Mit Transparenten zogen sie durch das Terminal 1.
Frankfurt. 

Ein Mal nur hat Volker Hartmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative Oberrad, die Montagsdemonstration in den vergangenen vier Jahren ausfallen lassen. „Da war ich im Urlaub – an der Ostsee“, erklärt der 66-Jährige. Ansonsten steht der Termin fest in seinem Kalender. Zur 150. Demonstration hat er sich ein brandaktuelles Schild gebastelt: ein Sackgassenschild mit dem Vermerk „T3“ für das Terminal 3. Es ragt aus hunderten von Schildern heraus, die sich in der Halle B gen Decke strecken, zwischen „Stopp den Fluglärmterror, wenn Du ein Mainzer bist“, „Das stinkt zum Himmel – Bau des Terminals 3“, „Eine Schande für den Rechtsstaat“, „Terminal 3 – nötig wie eine Arsch-Warze“ und den vielen anderen Unmutsbekundungen.

Die Demonstranten verleihen ihren Schildern mit ordentlich Krawall Nachdruck. Auf Trommeln und Keksdosen, Kochtöpfen und Deckeln, mit Pfeifen, Ratschen, Klappern und Bauch-Lautsprechern produzieren die Protestierenden einen Lärm, der an den eines startenden Flugzeugs erinnert. Selbst die drei Damen lärmen mit, die im Auftrag des Bündnisses der Bürgerinitiativen, das die Demos organisiert, mit den Spendenbüchsen in der Menge umherlaufen. Sie schütteln die Münzen in den Büchsen.

Aber Hartmann bleibt still. Er deutet nur stumm triumphierend auf sein Schild, wenn er jemandem begegnet, den er kennt, oder begrüßt ihn. Und Hartmann kennt viele. Man kennt sich, wenn man vier Jahre lang regelmäßig einmal pro Woche am selben Ort mit dem selben Ziel zusammenkommt. Aber es sind nicht immer so viele wie gestern Abend, laut Polizei mehr als 1300.

Mit 600 hat es begonnen, dann waren es auch schon mal 3000 Demonstranten, danach nahm die Zahl wieder ab. „Ob es 500 oder 1000 sind, ist nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass wir an jedem Montag hier sind“, relativiert Thomas Schäffler, einer der Sprecher des Bündnisses. Diese Kontinuität müsse erhalten bleiben, damit man weiterhin der Sand im Getriebe des Flughafens sei.

Dafür soll der Mann sorgen, der die Basis für die Montagsdemonstration gelegt hat. Er betritt nun das Podium, um noch einmal Energie, Willenskraft, Beharrlichkeit und neuen Mut in die Masse zu pumpen. „Letztlich hat mit Michael Wilk alles begonnen. Er hat damals in Wiesbaden auf einer Demo gesprochen und gefragt: Wer geht mit ins Terminal? Damit hat alles angefangen“, erinnert sich Dietrich Elsner aus Mainz, der auch nur drei Mal gefehlt hat. Auch für ihn ist der Montagabendtermin inzwischen Routine.

Mehr Kreativität

Und genau darin sieht Wilk das Problem: „Unser Protest hier am Frankfurter Flughafen läuft Gefahr, zu einer geduldeten Routine zu werden.“ Er wolle mehr kreativen Widerstand, fordert er, und die Menge bejubelt das. „Wenn wir nicht mehr machen, als die Montagsdemonstrationen, werden sie das Terminal 3 mehr oder weniger reibungslos durchziehen“, so Wilk, gefolgt von Buhrufen und Pfiffen. Eine Woche vor dem offiziellen Spatenstich für das neue Terminal – der seiner Meinung nach eh nur Propaganda ist, weil die Bauarbeiten längst begonnen hätten – sagt er: „Gut täte mehr ziviler Ungehorsam, mehr Vertrauen in die eigene Kraft.“ Seine Worte zünden, die Demonstranten scheinen motivierter denn je, auch wenn Wilk nichts beschönigt: „Machen wir uns nichts vor: Die Nordbahn ist in Betrieb, das Terminal 3 werden wir kaum verhindern. „Aber es gehe nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um den dynamischen Prozess, darum, dass „wir eine politische Funktion haben und ein wichtiger Teil des politischen Klimas sind. Ohne uns flösse der Beton schneller.“

Menge in Bewegung

Der Flughafen mache nicht nur Lärm, er verpeste auch die Luft, minimiere den Wald, schade der Umwelt und er sei ein Abschiebeflughafen, so Wilk. Er ruft: „Die Bahn muss weg – auch die Startbahn West.“

Dann setzt sich die Menge in Bewegung. Gefühlte 2500 Menschen trommeln sich durch das Terminal. Bilden vor der Shopping-Avenue eine Arena, singen mit Jochen Krauß das Lied gegen den Lärm und klatschen zur Dixielandmusik der Frankfurt Brassband. Ein Mann schiebt seine Lautsprecheranlage auf einem Gepäckwagen vor sich her und singt darüber verstärkt mit. Fluggäste sieht man kaum. Die nehmen andere Wege.

Nur einige Asiaten machen fasziniert Fotos – auch vom Sackgassenschild Hartmanns. Aber verstanden, worum es geht, haben sie nicht. „Your welcome“, stammelt die Reiseleiterin zusammenhanglos und treibt ihre Gruppe weiter zum Check-In-Schalter.

Bilderstrecke 150. Flughafen-Demo am Frankfurter Airport
Die Montags-Demos im Frankfurter Flughafen sind seit langem zum festen Termin geworden. Am Montagabend, 28. September, zogen Lärmgegner zum 150. Mal durch das Terminal 1. Zur Jubiläums-Demo kamen nach Polizeiangaben etwa 1320 Teilnehmer aus der ganzen Region. Unsere Bilderstrecke zeigt Impressionen von den Protesten.
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