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Gießener Hells-Angels-Präsident wurde aus nächster Nähe erschossen: 16 Schüsse auf den Rocker

Die Obduktion des erschossenen Rocker-Chefs Aygün Mucuk hat weitere, grausige Details zutage gebracht – doch das Puzzle, das die Ermittler derzeit zusammensetzen, weist noch immer große Lücken auf.
Hells Angels - Aygün Mucuk Foto: Boris Roessler (dpa)
Wettenberg/Gießen. 

Die Schüsse kommen ganz aus der Nähe. Kein vorbeifahrendes Auto, kein Heckenschütze am Fenster eines der benachbarten Häuser. Mindestens 16 Kugeln zerfetzen dem bulligen Rocker die Brust. Abgegeben aus wenigen Metern Entfernung. Dann ist Aygün Mucuk tot. Drei Tage nach dem gewaltsamen Tod eines der führenden Köpfe der Hells Angels in Hessen haben die Gießener Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt in Wiesbaden Einzelheiten zu der grausigen Bluttat bekanntgegeben, die sich am Freitag in Wettenberg bei Gießen zugetragen hat.

Danach wurde aus einer Entfernung zwischen zwei und fünf Metern auf den 45-Jährigen geschossen. „Es war kein aufgesetzter Schuss dabei“, sagt Staatsanwalt Volker Bützler gestern in Gießen. Kein Schuss also, bei welchem dem Rocker die Waffe auf die Brust gesetzt wurde – wie bei einer Exekution etwa. Mucuk hat seinen Widersachern also wahrscheinlich gegenübergestanden, vermutet der Ermittler. Ob die Schüsse aus einer oder mehreren Waffen stammen, ist hingegen noch unklar.

Toter war unbewaffnet

Nicht bekannt ist auch, ob sich Mucuk gewehrt hat. So wie im Juli 2014 vor einem Frankfurter Club etwa, als der 45-Jährige an einer wilden Schießerei unter rivalisierenden Rockern beteiligt war.

Bei dem Streit der türkisch geprägten Rocker aus Gießen mit den alteingesessenen Frankfurter Hells Angels wurde Mucuk schwer verletzt. In Wettenberg gibt es jedoch keine Hinweise auf einen Schusswechsel. Als die Polizei an jenem frühen Freitagmorgen am Tatort eintrifft, ist der Tote unbewaffnet.

Trägt Mucuk tatsächlich keine Waffe bei sich, als er zwischen 4 und 5 Uhr auf dem Gelände des Clubhauses niedergestreckt wird? Am Montag durchkämmen noch immer Polizisten die nähere Umgebung des Vereinshauses des Gießener Charters der Hells Angels, um das herauszufinden. Suchen mit Stöcken in der Straßenböschung nach Hinweisen und Beweismaterialien. Denn auch die Hintergründe der Bluttat sind weiter völlig unklar.

„Bislang wurde noch kein Tatverdächtiger ermittelt und es gab auch noch keine Festnahmen, die im Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen stehen“, teilt die Staatsanwaltschaft gegen Mittag mit. Das Nachrichtenportal „Spiegel TV“ veröffentlicht derweil ein Interview mit dem Rocker-Präsidenten, in dem dieser gefragt wird, wie er einmal sterben will. „Weiß ich nicht. Wenn es geht alt, mit ’ner schönen, jungen Frau. Nein. Ich hoffe, ich sterbe gar nicht – solange nicht jemand auf mich schießt“, sagt er.

Kein Dorfgespräch mehr

Am Tatort selbst kehrt hingegen wieder Ruhe ein. „Am Freitag war das Dorfgespräch, aber heute ist das nicht mehr so“, sagt eine Geschäftsfrau über die Themen ihrer Kunden.

Vor dem Vereinsheim der Gießener Hells Angels in Wettenberg flattert noch ein rot-weißes Absperrband der Polizei. Die Rollläden sind teilweise heruntergelassen. Hin und wieder fährt ein Streifenwagen vor.

An der Zufahrt zu dem Gelände steht ein Friedhofslicht, daneben eine Topfpflanze. Ein Passant sagt, er habe beides dort abgestellt. Er wundere sich, dass niemand sonst Blumen niedergelegt habe. Er sei dem Opfer einmal begegnet, es sei eine angenehme Begegnung gewesen, deswegen sei er hergekommen.

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