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Immer neue Funde in der Johanniskirche: Älter als der Mainzer Dom

Von Sie wollten eine Fußbodenheizung einbauen, und sie fanden die Reste einer der ältesten Kirchen Deutschlands: Seit Sommer 2013 ist die St. Johanniskirche in Mainz eine archäologische Grabungsstätte - am Sonntag kann man sie besichtigen.
Der komplette Fußboden wurde in der Johanniskirche schon aufgegraben. Am morgigen Sonntag, beim Tag des Offenen Denkmals, können sich Besucher selbst ein Bild von den Arbeiten machen. Foto: dpa Der komplette Fußboden wurde in der Johanniskirche schon aufgegraben. Am morgigen Sonntag, beim Tag des Offenen Denkmals, können sich Besucher selbst ein Bild von den Arbeiten machen.
Mainz. 

Es ist nichts weniger als eine archäologische Sensation, die sie da seit drei Jahren in Mainz ausgraben: Unmittelbar neben dem heute alles dominierenden Mainzer Dom St. Martin graben sich Archäologen in einer von außen unscheinbaren Kirche durch Schichten und Zeiten – bis zurück ins 7. Jahrhundert. „Analysen ergab, dass wir die Mauern um 660 ansiedeln können“, sagt Stadtkirchenpfarrer Gregor Ziorkewicz, „wir wissen jetzt: es ist tatsächlich der Alte Dom von Mainz.“

Es ist die Zeit der Merowinger, eine Frühzeit des Christentums, nur wenige Kirchen in Deutschland sind aus dieser Zeit überhaupt erhalten. In der Johanniskirche sind es die Mauern, die Zeugnis von jener Zeit ablegen: Bis in 16 Metern Höhe sind noch die ursprünglichen Mauern der merowingischen Basilika erhalten. Damit ist die Johanniskirche die einzige Kirche in Deutschland mit einem Raumgefüge aus jener Zeit. 45 Meter lang und 30 Meter breit war die Kirche damals, ein für die Zeit imposantes Bauwerk. Das kam nicht von ungefähr: Mainz ist eine der ältesten christlichen Gemeinden. Die ersten Christen soll es hier schon im 4. Jahrhundert gegeben haben.

Bischöfe gab es schon

Auch Bischöfe gab es wohl schon in dieser Zeit in Mainz, sicher nachgewiesen ist erst der Aquitanier Sidonius um 565 als Mainzer Bischof – unter ihm dürfte die erste Amtskirche eines Mainzer Bischofs entstanden sein. Zwischen 640 und 680 wurde in Mainz auf alten Fundamenten aus dem 4. Jahrhundert ein mächtiger Dom errichtet. Der Bau war wahrscheinlich reich geschmückt, die Innenwände bemalt, die Ausmaße monumental.

Funde wie ein Grabsteinfragment aus dem 5. Jahrhundert zeigen eine hohe Qualität und belegen die große Bedeutung der Kirche. 1002 dürfte hier gar die Krönung König Heinrichs II. durch den Mainzer Erzbischof Willigis stattgefunden haben – der Mainzer Dom war da noch im Bau.

1036 dann, mit der Fertigstellung des Willigis-Doms, wurde die Johanniskirche zur Stiftskirche umgebaut. Mit dem Dom blieb sie durch einen Arkadengang verbunden, genannt Paradies. Im Laufe der Jahrhunderte wurde St. Johannis immer wieder umgebaut, die Forscher fanden unter anderem Elemente einer romanischen Chorschranke, einen bunten Mosaikfußboden aus der Gotik und Reste einer prächtigen gotischen Lettneranlage aus dem 16. Jahrhundert.

Über 90 Skelette

Mehr als 90 Skelette wurden entdeckt, bestattet in den verschiedenen Fußbodenschichten der Kirche – das Bodenniveau sank inzwischen um mehrere Meter nach unten. „Im Moment wissen wir noch gar nicht, wer die Toten sind“, sagte Ziorkewicz – Grabplatten und Grabsteine gab es nicht. Inzwischen wurde der komplette Fußboden des Innenraums aufgegraben und zuletzt sogar die Orgelempore entfernt – und die Arbeiten förderten immer neue Funde in der seit 1828 evangelischen Kirche zutage.

Und ein Ende ist nicht in Sicht: Gerade stellte die Evangelische Kirche einen neuen Grabungsleiter vor. Der Züricher Guido Faccani ist ausgewiesener Kenner spätantiker und frühmittelalterlicher Kirchen und soll nun eine neue Grabungsrunde in St. Johannis leiten. Dabei wird zunächst der Westchor mit der darunter liegenden Krypta näher erforscht, Faccani hofft hier auch eine Taufkappelle zu finden – einen Rundbogen, womöglich der Eingang zu einer noch älteren Krypta wurde bereits entdeckt. Unter www.alter-dom-mainz.de werden die Grabungsgeschichte und die neuesten Funde dokumentiert. Am morgigen Sonntag, beim Tag des Offenen Denkmals, können Besucher selbst einen Blick in die Kirche werfen. Über die Grabungen informiert dann ein Film besonderer Machart: Mit Hilfe einer Drohne wurden neue Einsichten in die Grabung und die Geschichte des Alten Doms von Mainz möglich. Für die Besichtigung werden kostenlose Eintrittskarten für feste Eintrittszeiten vergeben – es dürfte voll werden im Alten Dom von Mainz.

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