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Salafisten in Hessen: Alarmstimmung wegen Islamisten-Treffen in Dietzenbach

Eine konspirative Versammlung von hessischen Islamisten mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel, die offenbar in Dietzenbach stattgefunden hat, sorgt für Besorgnis bei Behörden und Politikern in Hessen. Die Ermittlungen laufen.
An einem bisher geheimen Ort trafen sich die hessischen Islamisten.
Screenshot: fnp An einem bisher geheimen Ort trafen sich die hessischen Islamisten. Screenshot: fnp
Dietzenbach/Frankfurt. 

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine überwiegend fröhliche Runde junger Männer, die sich auf engstem Raum versammelt haben. Nur ein knieender, in sich versunken wirkender Bartträger mit weißem Käppi und langem Gewand sowie arabische Schriftzeichen an der Wand machen deutlich, dass es sich um alles andere als eine gewöhnliche Versammlung handelt. Und bei näherem Hinsehen fällt auch auf, dass sich zwei Teilnehmer offenbar bemühen, unerkannt zu bleiben. Zumindest versteckt einer sein Gesicht hinter einem weißen Schreibblock, ein anderer hinter dem Rücken seines Vordermanns.

Offenbar mit gutem Grund. Denn nach Recherchen von hr-Online gehören die insgesamt 20 meist schwarz gekleideten Männer auf dem Foto zum harten Kern der hessischen Islamisten, die sich am vergangenen Wochenende in Dietzenbach mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel getroffen haben. Dieses wiederum haben sie per Foto auf der Facebook-Seite des Koran-Verteilungsprojekts „Lies Frankfurt“ dokumentiert.

Deren Cheforganisator, ein gewisser Bilal G., hat ebenfalls an dem Treffen an einem bislang unbekannten Ort teilgenommen. G., ein Frankfurter Kurde und ehemaliges Gang-Mitglied aus Sossenheim, das sich im Gefängnis zum frommen Muslim gewandelt hat, soll laut hr-Online kürzlich unter anderem nach Istanbul gereist sein. Die türkische Metropole Istanbul gilt unter anderem als Drehscheibe für Syrien-Heimkehrer, ist eine wichtige Durchgangsstation für Sympathisanten der Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Dass manche Teilnehmer des Dietzenbacher Treffens dem IS zumindest nahestehen, macht auch der nach oben gereckte Zeigefinger der rechten Hand deutlich. Er gilt als Erkennungszeichen für IS-Anhänger. Gute Gründe also für Behörden sowie Politiker, alarmiert zu sein. Vor allem vor dem Hintergrund der jüngsten islamistischen Anschläge in Paris, die laut einem ZDF-Bericht von der islamistischen Szene in Deutschlands teilweise mit klammheimlicher Freude aufgenommen wurden. Vogel wiederum hatte nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ seine Glaubensbrüder per Video davor gewarnt, dass solche Taten dazu führen könnten, „dass es zum großen Schaden für uns kommt“. Gleichzeitig verglich er die Situation der Muslime mit denen der Juden im Dritten Reich. Die Muslime würden die „neuen Juden“ in Deutschland, die wie die Juden unter der Nazi-Herrschaft einer drohenden Vernichtung ausgesetzt seien.

Muslime distanzieren sich

Das mysteriöse Islamistentreffen von Dietzenbach hat auch bei muslimischen Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet zu Reaktionen geführt. Majid Rammah, Mitglied der „Ahmadiyya“-Gemeinde Dietzenbach erklärte:

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„Keine Auskünfte“

 

Was nun die Untersuchung des Dietzenbacher Treffens betrifft, so halten sich die beteiligten Stellen noch bedeckt. „Wir geben im Moment aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskünfte“, heißt es vom Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach, aus dem Innenministerium in Wiesbaden oder vom Landeskriminalamt.

Den Umfang der Ermittlungen macht jedoch eine Stellungnahme von Dietzenbachs Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) deutlich: „Die Ordnungsbehörde steht in engem Kontakt mit Staatsschutz und Ermittlungsbehörden, die über den Sachverhalt eines Treffens informiert waren.“ Es gebe allerdings keine Bestätigung, dass Pierre Vogel tatsächlich in Dietzenbach war. Das Treffen habe wohl im privaten Rahmen stattgefunden. Und: „Es gab in der Vergangenheit mehrere Versuche der Gruppe um Pierre Vogel oder auch von anderen Gruppierungen, in Dietzenbach durch Kundgebungen oder Koranverteilungen Beachtung zu erlangen.“

Beunruhigt zeigte sich der hessische Landtagsabgeordnete und integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Ismail Tipi über das konspirative Treffen in seinem Wahlkreis: „Da es noch immer kein Betätigungsverbot für führende Salafisten wie Vogel gibt, wundert mich ein solches Treffen nicht.“

 

Impuls für Radikalisierung

 

Eine deutliche Warnung vor dem „Lies“-Projekt kommt von den hessischen Verfassungsschützern. „Mit der Kampagne sollten Nicht-Muslime und religiös wenig gefestigte Muslime nicht nur an den Islam herangeführt, sondern gleichzeitig mit der salafistischen Szene in Kontakt gebracht werden“, sagt Marcus Gerngroß, Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz in Wiesbaden. Ziel dieser Aktionen sei es, Anhänger für den Salafismus zu rekrutieren und damit diese Form des religiös motivierten Extremismus in Deutschland weiter zu verbreiten. Gerngroß weiter: Die „Lies“-Kampagne stellt somit häufig den ersten Berührungspunkt für Jugendliche zum salafistischen Spektrum dar und gibt Impulse für eine weitere salafistische Radikalisierung.“

(ks, mov)

Rainer M. Gefeller, Chefredakteuer Frankfurter Neue Presse
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