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Auslandsaufenthalte sind auch bei Lehrlingen begehrt: Als Azubi die EU bereisen

Mit dem Erasmus-Programm fördert die Europäische Union Auslandsaufenthalte für Studenten. Weniger bekannt ist, dass seit einigen Jahren auch Auszubildende in den Genuss europäischer Kooperationsprogramme kommen können. Die Teilnehmer sind begeistert.
Der Auszubildende Johannes May (19) arbeitet an einem Roboter-Schaltschrank.
Frankfurt. 

Eine Lehre machen und gleichzeitig die Welt kennenlernen – für den Bad Vilbeler Johannes May ist das kein Widerspruch mehr. Der 19-Jährige ist angehender Mechatroniker bei der Heraeus Holding GmbH in Hanau und war gerade acht Wochen im Quarzglas-Werk von Heraeus in Wallsend, England. „Zugegeben, ich hatte zunächst Bedenken, ob ich allein zurechtkomme und ob meine Sprachkenntnisse ausreichen. Aber rückblickend hat alles gepasst.“

May wurde herzlich aufgenommen, und seine Sprachkenntnisse haben sich erheblich verbessert. „Vor meiner Abreise hatte ich gute Grundkenntnisse, also Niveau B1. Jetzt spreche ich fließend, mein Niveau liegt bei C1“, berichtet May, für den es der erste Auslandseinsatz war. „In Wallsend waren wir etwa 100 Mitarbeiter. Jeder kannte jeden, das war sehr familiär“, schwärmt er. Mit seinen „Kollegen auf Zeit“ habe er auch privat viel unternommen. „An diese Zeit denke ich gerne zurück.“

Doris Lenhart, Koordinatorin der Auslandsprogramme bei Heraeus, hat schon oft erlebt, wie positiv sich die mehrwöchigen Auslandsaufenthalte auswirken: „Unsere Auszubildenden verbessern nicht nur ihre Sprachkenntnisse, sondern sie werden und arbeiten selbstständiger.“ Das sei ein Plus für den gesamten Berufsweg.

Interessanter Arbeitgeber

Seit zwölf Jahren werden bei Heraeus Auszubildende der kaufmännischen und technischen Berufe in Niederlassungen in England, Belgien, Frankreich, Polen, Österreich, Rumänien, Schweden oder in die Türkei eingesetzt. „20 bis 30 Prozent nehmen das Angebot wahr. Wir liegen damit weit über der deutschen Quote von vier Prozent“, informiert Lenhart. Bis 2013 wurde das EU-Förderprogramm Leonardo da Vinci genutzt, jetzt arbeitet Heraeus mit Erasmus-Plus.

Für die Heraeus Holding GmbH lohnt es sich, ihren Auszubildenden die Option auf einen Auslandsaufenthalt zu bieten. Das mache Heraeus als Arbeitgeber interessanter, weiß Lenhart. „Viele bewerben sich gerade bei uns, weil wir die Chance bieten, ins Ausland zu gehen“, so die Referentin für Aus- und Weiterbildung.

Info: Das EU-Förderprogramm

Das Bildungsprogramm Erasmus-Plus integriert eine Vielzahl früherer EU-Förderprogramme, beispielsweise Leonardo da Vinci. Es unterstützt transnationale Mobilitätsprojekte – also Praktika,

clearing

Das bedeutet, dass Austauschprogramme für Auszubildende sehr lukrativ sind. Das kann Daniel Müller (22), Auszubildender für Spedition und Logistikdienstleistung bei der Panalpina Welttransport (Deutschland) GmbH, bestätigen: „Ich wollte viel von der Welt sehen – das habe ich schon im Bewerbungsgespräch thematisiert. Und die Aussicht auf ein Praktikum in einer europäischen Panalpina-Niederlassung war entscheidend, mich hier ausbilden zu lassen“, sagt der 22-Jährige, der seit Juni für drei Monate in der Luftfrachtexport-Abteilung von Panalpina London arbeitet. Er ist einer von vier Auszubildenden, die von Panalpina in diesem Jahr erstmals über das Programm Erasmus-Plus ins Ausland geschickt wurden. Vorher war ein Austauschprogramm nur an einigen ausgewählten Standorten möglich.

„Wir planen, unser deutschlandweites Programm, welches von der EU durch Erasmus-Plus gefördert wird, weiter auszubauen, um noch mehr Auszubildenden Auslandserfahrungen zu ermöglichen“, informiert Lea Herklotz von der Personalabteilung von Panalpina in Mörfelden-Walldorf. Sie halte es für wichtig, sich gerade im international agierenden Speditionsbereich ein breites Netzwerk aufzubauen, und ein Studium sei keine Zugangsvoraussetzung, um sich für spannende Aufgaben und eine Karriere im Ausland zu qualifizieren. „Aus diesem Grund ist ein Austausch eine wertvolle Erfahrung und zugleich Wertschätzung für unseren engagierten Nachwuchs“, sagt Herklotz.

Leichter Start

Daniel Müller fühlt sich in London jedenfalls pudelwohl. Seine Kollegen hätten ihm den Start leichtgemacht. „Ich bin gut aufgenommen worden und fühle mich als Teil des Teams. Der Umgangston ist sehr höflich“, berichtet Müller. Untergebracht ist er in einer „shared community“, einer Apartmentanlage, in der Küchen und Waschräume von allen Mietern gemeinschaftlich genutzt werden. Müller könne nur empfehlen, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu absolvieren. Man lerne, zu improvisieren und sich in der Fremde zurechtzufinden. Es mache einen selbstsicherer.

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