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Armut: Aman Yohaness kann seinem Kind manchen Wunsch nicht erfüllen

Kinder Alleinerziehender sind besonders von Armut bedroht. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, aber auch der aktuelle Sozialbericht in Hessen. Der alleinerziehende Vater Aman Yohaness über seinen schwierigen Alltag und die Hürden der Bürokratie.
Yohannes_ Foto: Maik Reuß Aman Yohaness und sein Sohn haben nur eine noch bis Oktober 2018 gültige Aufenthaltserlaubnis für Deutschland.
Frankfurt. 

Ein neues Fahrrad. Das würde Aman Yohaness seinem Sohn Bereket gern zu Weihnachten schenken. Weil dieser doch im nächsten Jahr in der Schule seinen Fahrradführerschein machen soll. So wie die anderen Mitschüler auch. Ob Yohaness diesen Wunsch erfüllen kann, weiß er allerdings nicht. Der alleinerziehende Vater ist momentan arbeitslos und muss jeden Cent zwei Mal rumdrehen. Da noch Geld für Geschenke auf die Seite zu legen, sei kaum möglich, sagt der 42-Jährige und schluckt schwer.

Seit acht Jahren ist Aman Yohaness alleinerziehend – einer von knapp 1400 Vätern in Frankfurt. Seither ist er auf staatliche Unterstützung angewiesen. „Der Kühlschrank ist voll, aber Geld übrig haben wir keins“, sagt er. Kleidung für Bereket kauft Yohaness in Second-Hand-Läden oder in der Kleiderkammer, manchmal hilft auch die Arche Frankfurt aus. Er selbst steckt immer zurück. „Für mich steht Bereket an erster Stelle“, sagt er. Dass er dem Achtjährigen trotzdem auch kleinere Wünsche oft nicht erfüllen kann, tue ihm weh, sagt er. Ebenso wie, wenn sein Sohn zu ihm sage: „Papa, das ist zu teuer“ oder „Wir müssen sparen“. Das mache ihn traurig, sagt er und kann seine Tränen kaum zurückhalten.

Vor 15 Jahren

Etwas mehr als 15 Jahren ist jetzt her, dass der studierte Grundschullehrer aus Äthiopien nach Deutschland geflüchtet ist. Weil er in seiner Heimat Angst haben musste, im Gefängnis zu landen, wie er sagt. „Ich habe gegen die Regierung protestiert. Als immer mehr Freunde verhaftet wurden, bin ich weg.“ Er kam nach Monschau in der Eifel, direkt an der Deutsch-Belgischen-Grenze.

Sprachkurse, so wie sie heute viele Flüchtlinge besuchen dürfen, gab es damals noch nicht. Also lernte Aman Yohaness Deutsch im Austausch mit seinen Arbeitskollegen – er arbeitete als Ein-Euro-Jobber bei der Stadt Monschau. Später heuerte er als Reinigungskraft im Phantasialand in Brühl bei Köln an, wechselte 2008 an den Flughafen Frankfurt. In dieser Zeit lernte er die junge Äthiopierin Heymanot kennen. Ihre Beziehung stand jedoch unter keinem guten Stern. „Sie war psychisch krank, das wusste ich nicht. Und dann war sie plötzlich schwanger“, sagt Yohaness.

Noch während der Schwangerschaft wurde sie in der Psychiatrie in Höchst untergebracht. Dort habe sie dann den gemeinsamen Sohn Bekeret zur Welt gebracht, sagt Yohaness. Als sie jedoch versuchte, dem Baby etwas anzutun, schritt das Jugendamt ein und gab den Säugling in eine Pflegefamilie. Für den Kindsvater ein Unding. „Ich war doch da, ich wollte mich kümmern“, sagt er. Also er nahm sich einen Anwalt und konnte Bekeret acht Monate später zu sich holen. „Wenn ich eins in Deutschland gelernt habe, dann zu kämpfen“, sagt er.

Einmal unten, immer unten

Armut ist für betroffene Kinder in Deutschland häufig ein Dauerzustand. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt-

clearing

Eine Rückkehr nach Äthiopien, ist für Yohaness ausgeschlossen. „Mein Sohn ist hier geboren. Frankfurt ist seine Heimat“, sagt er. Sollte es hart auf hart kommen, reicht das jedoch nicht. Vater und Sohn besitzen nämlich keine Niederlassungs-, sondern lediglich eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis. Um erstere beantragen zu können, müsste Aman Yohaness seinen Lebensunterhalt und den seines Sohnes eigenständig sichern können. So will es das Gesetz.

Das ginge nur, wenn er Vollzeit arbeiten würde. „Ich wünsche mir das, aber ich muss mich auch um Bereket kümmern“, sagt er. Und der sei eben nur in der Zeit von 7.30 Uhr bis 17Uhr betreut. „Das ist den meisten Arbeitgebern zu unflexibel“, sagt Yohaness. Diese anscheinend ausweglose Situation, treibt Yohaness regelmäßig den Angstschweiß auf die Stirn. „Manchmal kann ich nachts nicht schlafen, weil ich Angst habe, dass wir irgendwann abgeschoben werden“, sagt er. Aus Sicht der Ausländerbehörde Frankfurt ist diese Angst unbegründet. Aman Yohaness habe eine noch bis Oktober 2018 gültige Aufenthaltserlaubnis, die ihm 2015 erteilt worden sei, sagt Ralph Rohr vom Ordnungsamt Frankfurt. Yohaness’ Anwältin habe damals Akteneinsicht verlangt, die ihr im Februar 2016 auch gewährt wurde. „Doch seither ist nichts mehr passiert.

Ein Teufelskreis

„Das überrascht uns“, sagt Rohr. Unabhängig davon benötige die Ausländerbehörde von Yohaness noch einen Identitätsnachweis, etwa in Form einer Geburtsurkunde.

Tobias Lenze von der Arche Frankfurt fühlt mit Aman Yohaness mit. „Es ist schon ärgerlich, dass immer noch ein Stein dazukommt“, sagt er. Lenze begleitet den Äthiopier bereits seit einigen Jahren, weiß um die schwierige Situation der Familie. „Es ist ein Teufelskreislauf“, sagt er und hofft, dass Yohaness bald einen guten Job bekommt, der nicht auf wackligen Füßen stehe. Gleiches wünscht sich auch Aman Yohaness. Am Donnerstag hatte er ein weiteres Vorstellungsgespräch. Vielleicht bekommt er bald die Zusage für einen weiteren (Teilzeit-)Job. Yohaness: „Ich hoffe auf ein Weihnachtswunder.“ Damit er seinem Sohn doch noch das heiß ersehnte Rad schenken kann.

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