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Mein neues Leben: Antiquitäten statt Aktien

Von Nicht nur Versteigerungen, auch viele Verwaltungsarbeiten und Hausbesuche halten den 48-jährigen Ex-Banker Detlev Janß auf Trab. Doch er freut sich, dass die Entwicklung seines Auktionshauses gut ein Jahr nach der Eröffnung „in die richtige Richtung“ geht.
Foto: Matthias Reichwein Hier sind Werte nicht mehr abstrakt: In seinem Auktionshaus in Königstein kann Detlev Janß das Kostbare in der Hand halten.
Königstein. 

„Können Sie mal bei mir zu Hause vorbeikommen?“ will der ältere Mann wissen. Er hat Antiquitäten, die er versteigern lassen will. Detlev Janß nickt freundlich und vereinbart einen Termin. Für den Geschäftsführer des Auktionshauses Königstein sind Hausbesuche nicht ungewöhnlich, er schätzt die Gespräche mit Menschen. „Einmal war ich drei Stunden lang bei einer 90-jährigen Dame, habe mit ihr geredet und Wein getrunken“, erzählt er.

In seinem früheren Berufsleben als Aktien- und Derivatehändler hatte er ebenfalls viel mit Kunden zu tun. Doch die Unterhaltungen waren nicht so persönlich wie heute die Gespräche über die Antiquitäten oder Bilder. „Gerade bei älteren Menschen geht es oft nicht darum, dass sie bei einem Verkauf den letzten Cent herausholen, sondern dass sie einen Ansprechpartner haben“, hat Janß erfahren.

Lange Zeit viel Spaß

Aber auch die Bankenbranche, so betont er, machte ihm lange Zeit viel Spaß. Schon als er nach der Schule bei einem kleinen Broker in Köln arbeitete, entdeckte er seine Begabung für Termingeschäfte. „Jeder hat seine Talente“, meint Janß, „bei mir waren es eben nicht Sprachen, sondern meine schnelle Auffassungsgabe.“

Bild-Zoom

Immer wieder berichtet er auch, er habe „nicht lange überlegt“, als seine Karriere weiterging: Sie führte ihn nach London, Düsseldorf, dann 1997 nach Frankfurt. Dort arbeitete er bei Fimat, einer Tochter der Société Générale. Bis 2014 blieb er bei der Bank, die später nach einer Fusion anders hieß, war zum Schluss Senior Director. „Ich hatte keinen Karriereplan“, gibt der 48-Jährige im Nachhinein zu, „ich habe mich nie beworben, wurde immer gefragt.“ Die Anfangsjahre in der Bank beschreibt er als „die besten seines Lebens“, es sei eine tolle Zeit auch mit den Kollegen gewesen. Doch dann änderten sich die Zeiten. „Nach der Finanzkrise 2008 wurden viele entlassen, die Stimmung verschlechterte sich ständig. Dazu kam extremer Stress.“ Als dann die Bank geschlossen wurde, habe ihn der Abschied daher „nicht mehr so getroffen“. Viele ehemalige Banker würden heute denken: Wer weint dem nach?

Die neue Geschäftsidee entwickelte sich dabei aus seinem Hobby. Schon lange sammelt Janß Militaria aus der Kaiserzeit, nahm deswegen selbst oft an Auktionen teil. Der Gedanke an ein eigenes Auktionshaus lag daher für ihn nahe – erst recht, als mitten in Königstein eine interessante Immobilie frei wurde. „Es war die ideale Lage“, wusste er gleich.

Zudem schätzte er Königstein sofort als guten Ort für ein Auktionshaus ein – hier gibt es sowohl viele Menschen, die Antiquitäten in ihren Häusern haben und versteigern lassen möchten, als auch eine kaufkräftige Klientel.

Wie viel er zu tun haben würde, könnte er jedoch nicht ahnen, als er Ende 2014 das Auktionshaus eröffnete. Am Anfang war er froh über jedes Bild an den Wänden des 550 Quadratmeter großen Raumes, inzwischen hängen überall Kunstwerke – auch moderne Gemälde oder Fotografien. In den Museumsvitrinen sind Uhren, Vasen, alte Orden oder andere Antiquitäten zu sehen. „Ich habe auch die Masse an Arbeit unterschätzt“, räumt er ein. „In der Bank konnte ich jemanden anrufen, damit der sich um etwas kümmert, hier muss ich alles selbst machen.“ Zwar veranstalte er derzeit nur drei statt vier Auktionen im Jahr, die nächste steht im März auf dem Programm. Mit dem Planen und Ausrichten dieser Auktionen ist es aber nicht getan, auch viele Verwaltungsarbeiten fallen an. „Abends habe ich zu Hause immer noch viel zu tun.“ Hinzu kommen die Besuche bei den Kunden.

Zwei feste Mitarbeiter

Immerhin unterstützen ihn im Auktionshaus zwei festangestellte Mitarbeiter und einige Studenten der Kunsthochschule Frankfurt – eine Mitarbeiterin, die ihn auch mal vertritt, kommt ebenfalls aus der Finanzbranche. „Dank ihr ist es möglich, dass ich mit meiner Frau und meinen vier Kindern im Sommer Urlaub machen kann“, erklärt er. Ein wenig mehr Arbeit abgeben, das Personal aufstocken möchte er in den nächsten Jahren schon.

Seine Frau habe seinen Wechsel immer unterstützt, so Janß. Sie helfe, so weit es geht, im Auktionshaus mit. „Nur die Kinder fanden es damals natürlich spannender, in mein Büro in der Bank im 29. Stock zu kommen“, schmunzelt er. Dafür wohnt er jetzt nur zwei Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt, spart sich die tägliche Pendelei nach Frankfurt. „Das vermisse ich überhaupt nicht“, betont er.

Auch sonst ist er mit seiner Entscheidung zufrieden. Er freut sich, wenn er einen guten Preis für ein Bild erzielt und dass die Entwicklung „in die richtige Richtung geht“. Mit der letzten Auktion sei der „Break-Even-Point“ erreicht worden, das heißt: Jetzt beginnt das Geschäft, Gewinn abzuwerfen. Von einem Glücksgefühl zu sprechen – das kommt ihm zuerst allerdings übertrieben vor. „Bei der Bank war es ja am Anfang auch eine tolle Zeit, und man kann beides schlecht vergleichen“, wägt er ab. Aber dann zieht er doch das Fazit: „Ich bin heute auf jeden Fall glücklicher als in den letzten Jahren in der Bank.“

Mehr Informationen unter www. auktionshaus-koenigstein.de/

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