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Steinmeier auf Hessen-Tour: Auf Tuchfühlung mit dem Bundespräsidenten

Von Zwei Tage lang ist Frank-Walter Steinmeier unterwegs, um Land und vor allem Leute in Hessen kennenzulernen. Zumindest am ersten Tag erwies sich der neue Bundespräsident als wahrer Menschenfischer.
Bundespräsident Steinmeier besucht Hessen Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Fast wie früher: Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender speisen in der Uni-Mensa.
Gießen/Bad Homburg. 

Zumindest kulinarisch könnte Frank-Walter Steinmeier bereits als echter Hesse durchgehen. Zielsicher greift sich der Mann mit dem für ihn so charakteristischen weißen Silberhaar den Teller mit der grünen Soße nebst gekochtem Rindfleisch, Kartoffeln und einer Hessischen Äppelwoicreme als Dessert aus der Glasvitrine und geht mit seinem Tablett in Richtung Kasse. Ort des Geschehens ist die Cafeteria der Justus-Liebig-Universität Gießen. Genauer gesagt der Campus des Fachbereichs Recht und Wirtschaft, in dem der Bundespräsident am Montagnachmittag zu Gast ist.

Für den 61-Jährigen ist dies alles andere als ein normaler Besuch. Zum einen hat er vor über 30 Jahren selbst in Gießen studiert. Vor allem aber ist seine alte Alma Mater eine der Stationen seiner Antrittsreise als deutsches Staatsoberhaupt, die ihn bis zum Frühjahr 2018 jeweils zwei Tage in alle Bundesländer führen wird. Aber der Reihe nach.

Prägende Liaison mit Hessen

Mit Hessen verbindet Frank-Walter Steinmeier eine Beziehung, die sein Leben nachhaltig geprägt hat – sowohl beruflich als auch persönlich.

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Erste Station auf seiner Hessentour ist am Vormittag Bad Homburg. Es ist 10.15 Uhr, als der schwarze BMW mit dem Kennzeichen 0-1 des Bundespräsidenten von sieben Polizeimotorrädern in den Innenhof des Bad Homburger Schlosses eskortiert wird. In der malerischen Kulisse des Weißen Turms der landgräflichen Anlage erwarten ihn bereits Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier nebst Gattin Ursula und der Bad Homburger Oberbürgermeister Alexander Hetjes.

Mittendrin

Steinmeier, der zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender unterwegs ist, wirkt gut gelaunt, geht spontan auf die rund 50 Bürger zu, die sich am Rande des Areals hinter einer Absperrung versammelt haben. Auch beim eigentlichen Zweck seines Abstechers in der Kurstadt im Taunus gibt sich der frühere Außenminister ausgesprochen volkstümlich.

An zentrale Orte der Demokratie soll Steinmeiers Tour durch die Republik führen. Dabei gehe es nicht in erster Linie um historische Erinnerung, sondern um die Menschen, die sich für die Demokratie einsetzen, hieß es aus dem Bundespräsidialamt. „Demokratie soll sichtbar, hörbar, fühlbar werden“, so der Anspruch des Sozialdemokraten.

Dass dies keine leeren Worte sind, wird in Bad Homburg deutlich. Steinmeier will im Schloss mit 70 ehrenamtlich engagierten Bürgern sprechen. Sie wurden zuvor aus sechs Kommunen des Hochtaunuskreises aus den unterschiedlichsten Bereichen ausgewählt. Gekommen sind Menschen, die sich für Senioren- und Jugendarbeit engagieren, die im Umweltschutz, in Sportvereinen, in der Flüchtlingsarbeit, bei der Feuerwehr oder in Sachen Dorfgemeinschaft aktiv sind.

„Sie sind diejenigen, die dieses Land besonders auszeichnen, die aus Nebeneinander Miteinander machen“, drückt es Volker Bouffier aus.

„Vorgabe des Bundespräsidialamtes war, dass es Menschen sind, die nicht immer in der Öffentlichkeit stehen, sondern eher im Hintergrund wirken“, sagt OB Hetjes und fügt hinzu: „Das ist für die Leute eine tolle Sache, ein Highlight, wie auch für Bad Homburg.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: Arne Dedert/Archiv
Bundespräsident auf Hessen-Tour Steinmeier: Besuch auf dem Hessentag

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier setzt seinen offiziellen zweitägigen Antrittsbesuch in Hessen fort.

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Der Bundespräsident wird dieser Erwartungshaltung gerecht. „Sagen Sie, womit Sie sich beschäftigen“, beginnt er das Gespräch mit den Ehrenamtlichen, als er und seine Frau von Tisch zu Tisch gehen, an denen die Bürger sich versammelt haben. Und Steinmeier hakt die Reihen nicht einfach routinemäßig ab. Er stellt sich mitten zwischen die Menschen, steckt die Hand in die Hosentasche, überkreuzt die Beine und nimmt sich die Zeit zuzuhören und nachzufragen.

Störer ignoriert

Auch bei seiner zweiten Station an diesem Tag bleibt Frank-Walter Steinmeier dieser volkstümlichen Linie treu. Um 12.20 Uhr trifft die Kolonne des Bundespräsidenten auf dem Gelände der Justus-Liebig-Universität ein. Erneut rauscht er nicht einfach zu der offiziellen Veranstaltung, sondern unterhält sich mit den zahlreichen Studenten, lässt sich auf Selfies ablichten. Eine Welle der Sympathie schlägt ihm entgegen – na ja, bis auf einen weniger wohlmeinenden Zeitgenossen, der die allgemeine Harmonie mit einem „Herr Bundespräsident, Ihre Asylpolitik schadet Deutschland“ für ein paar Sekunden zu torpedieren versucht, aber von Steinmeier ignoriert und den Polizisten abgedrängt wird.

Im Seminarraum R 24b der juristischen Fakultät braucht Steinmeier aber solch kritischen Zwischentöne nicht zu fürchten. Mit 22 Studenten tauscht sich der ehemalige Jurastudent über Themen wie Europa, das demokratische System und natürlich auch das Jura-Studium einst und heute aus. Dabei bleibt nicht aus, dass der 61-Jährige, wie auch seine Frau und Bouffier, die ebenfalls in Gießen Jura studiert haben, gelegentlich in Erinnerungen schwelgen. „Hier wird im Grunde alles gelegt, was man im späteren Leben braucht“, sagt Steinmeier. Zugleich stellt er jedoch fest, dass die Studenten zu seiner Zeit politischer gewesen seien als die heutigen.

Und immer wieder kommt Steinmeier auf Kernthemen zu sprechen, die ihm in seinem neuen Amt ein persönliches Anliegen sind: die Zukunft Europas und die Zukunft des demokratischen Systems. Es reiche heutzutage nicht mehr, gegenüber den Jugendlichen auf den Friedensaspekt der EU hinzuweisen, auch wenn dies ein wichtiges Erbe sei, sagt Steinmeier.

Es gelte auch, über die vielen Defizite wie die bisher fehlende gemeinsame Migrations- und Flüchtlingspolitik zu diskutieren. Und es gehe darum, die Jugendlichen dazu zu bringen, sich zu engagieren, ja generell Wege der Kommunikation mit ihnen zu finden. Steinmeier erinnert an die Ehrenamtlichen, die er in Bad Homburg getroffen hat. Das seien Leute, die sich seit Jahrzehnten um andere kümmern, die trotzdem noch Freude an der Zukunft hätten. „Es braucht Leute“, schlussfolgert er, „die ein bisschen an mehr denken als an sich selbst. Das ist Politik.“

Am Dienstag setzt Steinmeier seinen Antrittsbesuch in Hessen fort. Letzte Station wird Rüsselsheim sein. Zunächst ist auf dem Hessentag eine Rede Steinmeiers bei der Kommunalkonferenz vor hessischen Bürgermeistern, Oberbürgermeistern und Landräten geplant. Zum Abschluss spricht der Bundespräsident mit Fußballern des TV Rüsselsheim-Haßloch. Der Verein engagiert sich für die Integration von Flüchtlingen.

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