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Im Elsterbachtal kann man ihre Geschichte erwandern: Auf den Spuren der alten Mühlen

Von Mühlen haftet etwas Mystisches an, sie spielen eine große Rolle in Sagen und Märchen – und sind doch aus unserer Gegenwart fast völlig verschwunden. Jedes Jahr an Pfingstmontag macht der Deutsche Mühlentag deshalb auf die alten Denkmäler aufmerksam. Im Rheingau lädt der Mühlenwanderweg im Elsterbachtal dazu ein.
Früher Mühle, heute Weingut: Der Johannishof
Winkel. 

Wenn Wolfgang Blum Menschen die Bedeutung von Mühlen nahe bringen will, nimmt er sie mit ins Elsterbachtal: Ein idyllisches kleines Seitental im Rheingau mit schattigem Grund, das vom Oestrich-Winkeler Stadtteil Winkel tief in die Wälder führt. „Das Elsterbachtal ist total idyllisch, der Elsterbach plätschert gemütlich dahin, und man läuft im Tal durch einen kühlen Grund bis zum Kloster Marienthal“, schwärmt der Wanderexperte.

18 Mühlen gab es hier einmal im Tal, heute noch stehen 13 ehemalige Mühlen entlang der nur 5,5 Kilometer langen Strecke, eine enorme Dichte. „Alle halben Kilometer kommt man an einer Mühle vorbei“, sagt Blum, die meisten sind durch Schilder ausgewiesen, denn ein Mühlrad dreht sich heute hier nicht mehr. „Die letzte Mühle, die noch gemahlen hat, war die Schamari-Mühle“, erzählt Blum, „die hat 1929 ihren Betrieb eingestellt.“

Der diebische Müller, die schöne Müllerin, die klappernde Mühle am rauschenden Bach – Mühlen haben sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingegraben. Kein Wunder, waren die Mühlen doch früher das Herz der Lebensmittelherstellung: Sie mahlten nicht nur Getreide, sondern auch Pulver, Gewürze und Tabak. „Die Mühlen waren ja die ersten Maschinen der Menschheit“, sagt Blum.

2000 Jahre zurück reicht die Geschichte der Mühlen, am Elsterbach werden viele der alten Gemäuer schon im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. „Die meisten waren im kirchlichen Besitz und wurden verpachtet“, so Blum, die hohe Mühlen-Dichte zeuge davon, dass der Rheingau auch in den früheren Jahrhunderten schon eine begüterte Region war. Rund 100 Mühlen gab es im Rheingau an sechs Bächen, „alle haben eine Familie ernährt“, weiß Blum.

In den Mühlen wurde natürlich Getreide gemahlen, aber auch aus Walnüssen, Raps, Leinsamen oder Bucheckern Öl gewonnen. Es gab Lohmühlen, in denen die Rinde von Eichen als Lohe für die Gerbereien gemahlen wurden. Walkmühlen verdichteten Stoffe zu dichtem Gewebe, in Papiermühlen stellte man aus alten Lumpen und Stoffresten Papier her. Auch Sägemühlen gab es natürlich, dazu Schleif- und Hammermühlen, in denen Werkzeuge hergestellt wurden. „Es wurde auch gehämmert und geprägt, und Erze verarbeitet“, weiß Blum.

In der heutigen Waldmühle am Kiedrichbach soll, so berichtete es die Legende, das Beil geschliffen worden sein, mit dem man später in Mainz den berühmten Räuberhauptmann Schinderhannes hinrichtete. „Die Mühlen arbeiteten sicher auch für Regionen außerhalb des Rheingaus“, sagt Blum – nicht wenige gehörten dem Mainzer Bistum.

Zwei Stunden braucht man für den 5,5 Kilometer langen Mühlenweg durchs Elsterbachtal, Start ist im Stadtteil Winkel der Gemeinde Oestrich-Winkel. Der Weg führt zu Füßen von Kloster Johannisberg an den Weinbergen entlang ins Tal und in den Wald hinein, etwa alle 0,5 Kilometer steht eine der 13 noch erhaltenen Mühlen. Endpunkt ist das Kloster Marienthal, von dort kann man auch mit dem Bus wieder zu Tal fahren. Einkehrmöglichkeiten gibt es in reicher Auswahl.

Die Mühlen am Elsterbach wurden inzwischen zu Bierbrauereien, Obstbetrieben oder Gaststuben – und nicht selten gründeten die Müller einfach ein Weingut. So ist die Brückenmühle heute das renommierte VDP-Weingut Johannishof, auch auf der Ankermühle, ein bekanntes Gourmet-Restaurant, wird Wein angebaut.

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