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Künftig reicht ein Antrag bei der Gemeindeverwaltung: Austritt aus der Kirche: Weg vom Glauben

Von Der Kirchenaustritt wird bald erleichtert. Es reicht der Gang zur Gemeindeverwaltung. Das hat vor allem steuerliche Gründe. Die Kirchen sind trotzdem nicht gerade begeistert und freuen sich über jeden Einzelnen, der wieder eintritt.
Kirchenaustritte Foto: Ingo Wagner (dpa) Wer aus der Kirche austreten will, hat sich diesen Schritt lange überlegt, sagen Kirchenvertreter.
Frankfurt. 

Es war der späte Dienstagabend vergangene Woche, als im Hessischen Landtag eine nur in der Öffentlichkeit wenig beachtete, aber weitreichende Entscheidung gefällt wurde. Künftig wird es leichter, aus der Kirche auszutreten. Den Hessen wird der Gang zum Amtsgericht erspart bleiben. Stattdessen müssen sie zur Gemeindeverwaltung. Die Gründe sind rein verwaltungstechnischer Natur. Die Wege für die Bürger werden kürzer, weil jede Gemeinde eine Verwaltung hat, aber nicht jede ein Amtsgericht. Hinzu kommen die steuerlichen Regelungen.

Zum Thema: Die Kirchensteuer

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland finanzieren sich zu gut drei Vierteln aus Kirchensteuern. Diese gesetzlich festgelegte Abgabe haben berufstätige Kirchenmitglieder zu zahlen.

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Drei Prozent fürs Amt

Den Einzug der Kirchensteuer von der Lohn- oder Einkommenssteuer erledigen für die Kirchen die Finanzämter. Dafür bekommen die Ämter drei Prozent. Doch früher kam es oftmals zu Verzögerungen im Verwaltungsablauf bei der Aktualisierung der Daten über die Amtsgerichte. So berappten die Behörden den Bürgern weiterhin Kirchensteuer, obwohl sie längst ausgetreten waren. Künftig sollen die Gemeindeverwaltungen die Übermittlung der Daten übernehmen.

Wie trete ich in die Kirche wieder ein?

Sowohl bei Protestanten als auch bei Katholiken lautet das Motto: Die Tür steht offen. Wer aus der Kirche ausgetreten ist, kann wieder zurück. Das gilt für Protestanten und Katholiken.

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Dass es jetzt zu vermehrten Kirchenaustritten kommt, glauben Evangelische wie Katholische Kirche in Hessen jedoch nicht. Aus der Kirche auszutreten geschehe in der Regel nicht spontan. Dem gehe „ein längerer Prozess des Nachdenkens“ voran, sagt beispielsweise Volker Rahn, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), und er fügt hinzu: „Wer austreten möchte, findet deshalb seine Wege.“ Auch Stephan Schnelle, Sprecher des Bistums Limburg, glaubt, dass einem Austritt ein längerer Prozess vorausgeht. Rund 19 000 von insgesamt 1,6 Millionen Mitgliedern der EKHN sind im Jahr 2015 ausgetreten. Bei der Katholischen Kirche im Bistum Limburg waren es im selben Jahr 6172 Austritte bei 635 326 Mitgliedern.

Durchaus eine Zäsur

Rahn begrüßt die Entscheidung, den Verwaltungsablauf effektiver zu machen, merkt aber im selben Atemzug an, dass durchaus ein Paradigmenwechsel festzustellen sei. Bisher wurde die Kirchenmitgliedschaft über das Personenrecht definiert, neuerdings allein über die Finanzen. Die Kirchen freuen sich unterdessen natürlich über jeden, der in die Kirche (wieder) eintritt. Das Verfahren dafür wurde immer weiter vereinfacht. Vor allem, wenn eine Familiengründung oder eine Taufe ansteht, kommen vermehrt wieder junge Leute von sich aus auf die Kirche zu, so Rahn. Etwa 3000 bis 4000 Eintritte hatte die Evangelische Kirche 2016 zu verzeichnen.

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