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Autoren kritisieren Ermittlungen zu tödlichem Grenzzwischenfall

Vor fünfzig Jahren wurde an der innerdeutschen Grenze ein DDR-Hauptmann von einem Grenzschützer aus dem Westen erschossen: Ein neues Buch über den tödlichen Zwischenfall wirft den Staatsanwaltschaften
Rasdorf/Geisa. 

Vor fünfzig Jahren wurde an der innerdeutschen Grenze ein DDR-Hauptmann von einem Grenzschützer aus dem Westen erschossen: Ein neues Buch über den tödlichen Zwischenfall wirft den Staatsanwaltschaften in Fulda und Meiningen nun vor, nicht energisch genug ermittelt zu haben. Die Autoren Jan Schönfelder und Rainer Erices stellten ihr Werk am Dienstagabend in der Gedenkstätte Point Alpha an der früheren Grenze vor.

Am 14. August 1962 hatte der Bundesgrenzschützer Hans Plüschke auf einen DDR-Hauptmann gefeuert und ihn tödlich getroffen. Ende der 1990er Jahre wurde Plüschke dann selbst ermordet, nachdem er sich als Todesschütze offenbart hatte - der Fall ist bis heute rätselhaft.

Der Vorfall an der Grenze zwischen Rasdorf-Setzelbach (Kreis Fulda) und Geisa-Wiesenfeld bewegt auch Jahrzehnte später noch die Gemüter in dem hessisch-thüringischen Grenzgebiet. Bei der Vorstellung des Buches "Todessache Rudi Arnstadt" war das "Haus auf der Grenze" vollkommen überfüllt, gekommen war auch viele ehemalige Grenzschützer beider Seiten.

DDR-Grenzer Arnstadt war am Vormittag des 14. August 1962 überzeugt davon, dass BGS-Beamte an einer unübersichtlichen Stelle wiederholt auf DDR-Gebiet geraten waren. Er plante, bei der nächsten Grenzverletzung einen der Grenzschützer festzunehmen. Als ein BGS-Trupp nach seiner Überzeugung wieder auf DDR-Gebiet geraten war, forderte er die Westdeutschen zum Stehenbleiben auf. Zeitgleich gab ein DDR-Posten einen Warnschuss ab. Ob Arnstadt schoss, ist nicht sicher. Bundesgrenzschützer Plüschke schoss daraufhin zurück.

Die Staatsanwaltschaft Fulda bescheinigte Plüschke im Oktober 1962, er habe in Notwehr gehandelt, und stellte die Ermittlungen ein. Doch die Buchautoren sagten, die Fuldaer hätten aus Aussagen geflüchteter DDR-Grenzer später wissen können, dass es Zweifel an der Notwehrthese gebe, da Arnstadt selbst vielleicht nicht geschossen habe. Die Fuldaer Anklagebehörde habe aber weitere Ermittlungen abgelehnt.

Die Staatsanwaltschaft Meiningen sei 1990 von der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft mehrfach aufgefordert worden, die Sache neu aufzurollen, berichten Schönfelder und Erices. Doch hätten die Meininger stets auf die Ermittlungen der Fuldaer Kollegen verwiesen, die allein zuständig gewesen seien, da das Opfer zwar in Thüringen starb, der Täter aber in Hessen stand.

Die Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert, sagte, die DDR habe den Tod Arnstadt benutzt, um Hass zu säen. Der Hauptmann sei nach seinem Tod von der SED-Propaganda instrumentalisiert worden.

(dpa)
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