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Serie Hessische Heilbäder: Bad Wildungen/Reinhardshausen: Spitzenmedizin im Grünen

In zwei Jahren halbierte sich die Zahl der Kurgäste in Bad Wildungen/Reinhardshausen, 1995 kamen 2,1 Millionen, 1997 waren es nur noch eine Million Übernachtungen.
So macht der Sommer Spaß: Wiesen betreten erlaubt in Europas größtem Kurpark, Bad Wildungen lädt zum Picknicken ein.
Bad Wildungen. 

Reckhard Pfeils Miene ist ernst, als er von den Problemen erzählt, die vor zwanzig Jahren Orte wie Bad Wildungen und Reinhardshausen in eine Existenzkrise stürzte. Die Folgen der Gesundheitsreform waren auch in der nordhessischen Provinz verheerend.

„Es gab Demonstrationen hier, viele Arbeitsplätze in den Kliniken gingen verloren, der damalige Gesundheitsminister Seehofer war in Wildungen extrem unbeliebt“.

Reinhardshausen, klassischer Badeort und führende ...

1894 entdeckte der Kurgast Gustav Görner in einer Wiese bei dem Dorf Reinhardshausen eine neue Heilquelle. Er kaufte das Gelände und richtete an der „Reinhardsquelle“ einen Kurbetrieb ein.

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Pfeil kümmert sich zusammen mit seinen Kollegen vom Stadtmarketing darum, die vielfältigen medizinischen und touristischen Möglichkeiten in dem nordhessischen Doppel-Kurort bekannt zu machen. Denn das war bitter nötig.

„Die Leute wurden nicht mehr von den Krankenkassen geschickt, wir mussten Angebote für Selbstzahler entwickeln“, berichtet er, „zum Glück haben wir die Wende geschafft, heute sind wir nach Bad Füssing und Bad Kissingen die Nummer drei in Deutschland.“

Im 16. Jahrhundert kamen die ersten Patienten nach Wildungen, nachdem die Kunde von einem „Besonderen Wasser“ die Runde machte, das Blasenleiden lindern konnte. Dieses Heilwasser war offenbar in der Lage Blasensteine zu zersetzen oder zumindest zu verkleinern, die damals lebensgefährliche Operation konnte so vermieden werden.

Pfeil berichtet von der heilenden Wirkung, die dem Brunnenwasser zugeschrieben wird: „Ein Kurgast aus dem israelischen Haifa meinte, dass die Helenenquelle ihm das Leben gerettet habe.“

1937 erfand der Wildunger Urologe Dr. Ludwig Zeiss die nach ihm benannte Zeiss’sche Schlinge, eine vor 80 Jahren völlig neue operationsfreie Methode zur Entfernung von Harnleitersteinen.

„Das ist ein Trumpf heutzutage, man muss sich spezialisieren, damit die Leute kommen“, skizziert Pfeil die in die Zukunft weisenden Planungen und erklärt, das der Erfolg eng verknüpft ist mit der Orthopädie – und Werner Wicker. Der Unternehmer gründete Ende der Siebziger eine Spezialklinik für Wirbelsäulenerkrankungen und legte den Grundstein für den exzellenten Wildunger Ruf, was die orthopädische Medizin betrifft.

Ein Modebad wurde es schon in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, als August Schreiber, Rechtsanwalt und Abgeordneter des Waldeckischen Landtags, eine großzügige Villa bauen ließ. Denn die Zahl der Kurgäste war von 12 im Jahr 1855 auf 1 650 im Jahr 1872 angewachsen und die Zukunft ließ weitere Steigerungen erwarten. Schreiber investierte – und wurde belohnt. Sein „Vornehmstes Haus“ am Platz, das „Quisisana“-Hotel mit so famosen Neuerungen wie elektrisches Licht in allen Räumen und Personenaufzug wurde von der wohlhabenden Kundschaft begeistert angenommen. Weitere Hotels kamen dazu, im Jahr 1902 wurde der prächtige „Fürstenhof“ eröffnet, der besonders Angehörige des russischen Hochadels anzog. Der erste Weltkrieg führte dann nur zwölf Jahre später zur ersten Kurkrise, aus Hotels wurden Lazarette. Der französisch anmutende Name des „Quisisana“-Hotels wurde in „Quellenhof“ eingedeutscht. Das Hotel erlebte weitere wechselvolle Zeiten, 2004 wurde es von der Hoteliersfamilie Göbel aus Willingen gekauft und renoviert, vor zehn Jahren kam ein Wellness-Bereich dazu.

Marketingexperte Pfeil überlegt und sagt: „Man kann als Stadt nur anregen, aber die privaten Investitionen sind sehr wichtig, die Hotels und Bäder müssen fortwährend erneuert werden, damit der Ort von den Gästen als dem Stand der Zeit entsprechend wahrgenommen wird und nicht als in die Jahre gekommen und verstaubt.“

Das Aquavita-Hotel in Reinhardshausen gehört auch zu der Göbel-Hotelgruppe und punktet mit der Quellentherme. Es liegt am Rande des weitläufigen Kurparks, einer weiteren Besonderheit der beiden benachbarten Bäder. Ende der neunziger Jahre wurden die traditionsreichen Parks durch eine naturnahe „grüne Brücke“ zusammengefasst, der so entstandene Kurpark gilt mit einer Fläche von 50 Hektar als der größte Europas.

www.fnp.de/heilbaeder

Hier finden Sie alle schon
erschienenen Teile der Serie.

Bad Wildungen / Reinhardshausen liegt ungefähr 150 Kilometer von Frankfurt entfernt. Ab Marburg fährt man auf der romantischen B 3 durch das hessische Hügelland, ab Bad Zwesten führt die B 485 Richtung Bad Wildungen. Mit dem Zug geht es meistens über den Knotenpunkt Kassel-Wilhelmshöhe, von dort aus per Bus oder Bahn in einer guten Stunde nach Bad Wildungen. Ein Tagesticket für die Quellen-Therme kostet 17 Euro (an Wochenenden und Feiertagen 21 Euro). Für Gäste des Aquavita-Hotels ist der Eintritt kostenfrei . Weitere Informationen im Internet unter www.quellen-therme.de.

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