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Sicherheit: Badeunfälle in Hessen: DLRG warnt vor Selbstüberschätzung

Mindestens vier Menschen sind in Hessen in den vergangenen Wochen ertrunken. Die Hintergründe bleiben oft ungeklärt, die Risiken in Gewässern sind zahlreich.
Ein Schild warnt im Badesee Schwimmerinnen und Schwimmer vor einem stark abfallenden Ufer. Foto: Fredrik Von Erichsen/Archiv Ein Schild warnt im Badesee Schwimmerinnen und Schwimmer vor einem stark abfallenden Ufer.
Wiesbaden. 

Menschen, die im Wasser schreiend mit den Armen rudern, gibt es nur in Hollywood-Filmen. «Ertrinken ist immer leise», sagt Michael Hohmann, Präsident der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Hessen. Denn vor dem Untergehen stehen oft Bewusstlosigkeit oder Erschöpfung. Allen Warnungen zum Trotz ertrinken jedes Jahr einige Menschen in Hessens Seen, Flüssen und Schwimmbädern.

19 waren es im vergangenen Jahr, vier sind es schon in diesem. Bei dreien handelt es sich um junge Männer. Das vierte Opfer ist ein vierjähriger Junge, der in einem Schwimmbecken in Hofheim ertrank.

Die Polizei kann meist nur einen Badeunfall als Ergebnis feststellen - also dass die Opfer ertrunken sind. Der unmittelbare Auslöser bleibt meist unklar. Wenn Zeugen das Untergehen beobachtet hätten oder es keine Anzeichen von Gewalteinwirkung gebe, könne auf eine Obduktion verzichtet werden, sagt Kathy Rosenberger, Polizeisprecherin im Landkreis Darmstadt-Dieburg. So geschah es auch bei zwei Badeunfällen in Südhessen, dabei ertranken in den vergangenen Wochen ein 23-Jähriger im Raunheimer See und ein 24-Jähriger in Fischbachtal.

Doch selbst wenn die Polizei weitere Untersuchungen anstelle, seien die Gründe des Ertrinkens oft schwer zu ermitteln, erklärt Torsten Werner, Sprecher der Polizei Nordhessen: «Dazu braucht man Zeugen.» Im Kasseler Bugasee ist im Mai ein 33-Jähriger ertrunken. Er war ein guter Schwimmer, hatten Ermittlungen ergeben.

Ein Grund, warum junge, sportliche Männer plötzlich untergehen, ist laut DLRG-Präsident Hohmann Selbstüberschätzung. Manche wollten beispielsweise auf eine Badeinsel schwimmen, könnten aber die Strecke nicht einschätzen. 750 Meter in einem See sind 30 kurze Bahnen im Schwimmbad. «Das ist viel und im Freigewässer gibt es keinen Beckenrand, an dem man sich ausruhen könnte», erklärt Hohmann.

Auch verschiedene Wasserschichten, die übereinander stehen, können gefährlich sein. «Oben ist es kuschelig warm und unten eiskalt, das überfordert den Kreislauf», erklärt Hohmann. Dem Schwimmer kann schwummrig werden, der Kopf falle ins Wasser. Trotz der Ohmacht setze der Atemreiz nicht aus - es kommt zum Ertrinken. In Flüssen dagegen kann die Wasseroberfläche still aussehen und so starke Strömungen verbergen. «Am Rhein ist das ganz dramatisch», erklärt der DLRG-Präsident.

Auch im Schwimmbad gibt es Gefahren, beispielsweise bei Tauchversuchen in Kombination mit schneller, flacher Atmung. «Wenn Sie hyperventilieren, sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut», sagt der DLRG-Präsident. Kohlendioxid ist für den Reiz zu Atmen zuständig. Gleichzeitig steigt aber nicht der Sauerstoffgehalt. Das Ergebnis: Der Tauchenende wird bewusstlos, bevor er das Gefühl hat, Atmen zu müssen. «Schwimmbad-Blackout» heißt das Phänomen.

Auch Alkohol, Unterkühlung und Krämpfe können Schwimmern zum Verhängnis werden. Dass Wasserpflanzen einen Sportler wirklich umschlingen, gebe es nicht. Allerdings könnten Algen Ekel auslösen, der Schwimmer werde hektisch und bekomme Kreislaufprobleme. Eine Haftung bei Badeunfällen gebe es in der Regel nicht - auch wenn sich öfter die Frage nach der Verkehrsicherungspflicht stelle. So muss beispielsweise der Besitzer eines Gewässer auf Gefahren hinweisen.

Zumindest mancher Badeunfall ließe sich laut Hohmann durch gute Vorbereitung verhindern: «Wenn Sie in den Skiurlaub fahren, machen Sie wochenlang vorher Skigymnastik.» Aber man komme selten auf die Idee, vor einem Urlaub am Meer schwimmen zu trainieren. (dpa)

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