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Medizin: Behandlungsfehler: langer Weg vom Verdacht zum Beweis

Die Medizin wird komplexer, die Patienten kritischer. Die Folge: Immer häufiger wenden sich Menschen an ihre Krankenkasse, weil sie glauben, falsch behandelt worden zu sein.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

So viele Patienten wie nie zuvor haben im vergangenen Jahr bei der Techniker Krankenkasse einen Verdacht auf Behandlungsfehler gemeldet. 2017 reichten Patienten aus Hessen 528 Beschwerden ein, wie die Kasse am Montag berichtete - ein Anstieg um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Rekord bei der Kasse.

Hessenweit blieb die Zahl der Beschwerden laut Landesärztekammer aber konstant. Sie lag 2017 bei 905 Fällen, 2016 waren es 904 gewesen. Die Zahl der anerkannten Behandlungsfehler in Krankenhäusern und Praxen ging laut Landesärztekammer sogar zurück. Die Gutachter- und Schlichtungsstelle der Kammer hatte in 106 Fällen Behandlungsfehler in Hessen anerkannt, ein Jahr zuvor waren es 126 gewesen.

Bei den TK-Versicherten betrafen die meisten Verdachtsfälle Chirurgen (145 Fälle) und Zahnmediziner (99). Auch hessenweit waren am meisten Beschwerden in Chirurgie, auf Platz zwei folgten Innere Medizin und Frauenheilkunde.

Die Ursachen für den Anstieg liegen aus Sicht der TK nicht darin, dass sich die ärztliche Versorgung verschlechtert hat, sondern im veränderten Verhalten der Kranken. «In der modernen, komplexen und leistungsfähigen Medizin besteht das Risiko immer neuer Fehlerquellen. Hinzu kommt, dass Patienten heute informierter und deutlich kritischer sind», sagte Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung.

Das sieht auch die Kammer so: «Die Patienten sind kritischer geworden und vermuten häufiger Behandlungsfehler als früher», hatte Ärztekammerpräsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach bei Veröffentlichung der Jahreszahlen Anfang April gesagt. Nach Überprüfung erweise sich nur ein Teil der Verdachtsfälle tatsächlich als Behandlungsfehler.

Die TK-Statistik zeigt, dass nur jeder dritte Verdachtsfall einer Überprüfung standhält. Das liege auch an der Gesetzeslage, kritisierte Christian Soltau, Medizinrechtsexperte bei der TK. Der Versicherte müsse beweisen, «dass Ärzte oder Pfleger schuldhaft gegen die anerkannten Regeln von Wissenschaft und ärztlicher Praxis verstoßen haben. Oft kann er das nicht beweisen.»

(dpa)

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