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Zahlreiche Projekte: Bienensterben: Blühende Dächer als Rettung

Seit Jahren verschwinden immer mehr Insekten – mit weitreichenden Folgen. Fördertöpfe und kreative Ideen sollen für mehr Blühpflanzen sorgen. Auch zwischen Elefanten und Co. im Zoo.
Biene im Anflug Foto: Boris Roessler (dpa) Eine Biene fliegt zu den Pollen eines Weidenkätzchens.
Kronberg/Wiesbaden. 

Es blüht und es summt auf dem Feld bunter Wildblumen. Schmetterlinge, Hummeln und Bienen lassen sich mal auf dieser, mal auf jener Blüte nieder. Die farbenprächtige Wildwiese ist ein beliebtes Fotomotiv der Besucher im Kronberger Opel-Zoo geworden – selbst wenn sie ursprünglich wohl eher wegen der Elefanten oder des niedlichen Nachwuchses von den Eisfüchsen, Erdmännchen oder Nandus gekommen sind. Bienenweiden heißen diese bunten Flächen, die Zoo-Besucher auf das Problem des Bienensterbens aufmerksam machen sollen.

Insgesamt acht Flächen sind in diesem Jahr auf dem Gelände angelegt worden. Informationstafeln machen auf die Bedeutung bestäubender Insekten wie Bienen aufmerksam. Immerhin sind mehr als 80 Prozent der Nutzpflanzen in Deutschland auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Doch die Zahl der Fluginsekten ist drastisch zurückgegangen – Untersuchungen zufolge um 75 Prozent innerhalb von 25 Jahren.

„Wir wollen zeigen, wie einfach es ist, etwas für die Bienen zu tun“, sagt Jörg Beckmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Opel-Zoo. „So eine Wildblumenwiese lässt sich auch im heimischen Garten anlegen – und pflegeleicht ist sie obendrein.“

18 Millionen vom Land

Im Rahmen der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ unterstützt das Umweltministerium des Landes Projekte, die Bienen und andere bestäubende Insekten fördern. In diesem Jahr gibt es nach Angaben einer Sprecherin Fördermittel in Höhe von 18 Millionen Euro. Damit werden zum Beispiel die Einsaat von bienengerechten Pflanzen unterstützt, Blühstreifen gefördert und die Anlage von Ackerrandstreifen oder Ackerwildkrautflächen honoriert. Zudem wird der Erhalt von artenreichem Grünland und von Streuobstwiesen unterstützt. Insgesamt geht es demnach um Maßnahmen auf 118 000 Hektar Fläche.

Vereine können beim Umweltministerium zudem Lottomittel für ihre bienenfreundlichen Projekte beantragen. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 38 000 Euro für 75 Projekte und Vereine. Für dieses Jahr sind nach Ministeriumsangaben bereits knapp hundert Anträge eingegangen und mehr als 80 bewilligt.

„Fehlt es an Insekten, dann fallen auch Ernten geringer aus“, begründet eine Sprecherin des Opel-Zoos die Bienenweiden, mit denen in diesem Jahr noch einmal die Insektenförderung ausgeweitet wurde. Denn schon 2006 wurden im Eingangsbereich und dem Restaurant Lodge die Dächer begrünt, 2009 entstanden ein Insektenhotel und ein Bienenstand. Hier können die Besucher auch heute noch durch eine Glasscheibe einen Blick ins Innere eines Bienenstocks werfen. „Hier verrät gerade eine Biene den anderen, wo sie eine gute Nahrungsquelle gefunden hat“, zeigt Beckmann auf eine Arbeiterin beim „Schwänzeltanz“. Jenseits des Besucherbereichs befinden sich die Stände der 22 Bienenvölker, die auf dem Gelände des Zoos Stellplätze haben. „Man muss ja nichts provozieren“, sagt Beckmann und versichert, bisher seien keine Bienenstiche auf Zoobesucher gemeldet worden.

Bruthilfe für Wildbienen

Wie viele Bienen- und Insektenhotels es mittlerweile in Hessen gibt, weiß zwar die Naturschutzorganisation Nabu nicht. „Die Berichte unserer über 300 hessischen Gruppen zeigen aber, dass immer mehr gebaut werden“, sagt Nabu-Sprecher Berthold Langenhorst. „Gerade in Gärten sind sie eine wertvolle Bruthilfe für einzeln lebende Wildbienen.“ Die Wildbienen legen in die Hohlräume jeweils ein Ei und eine Raupe als Nahrung, verschließen das Loch mit Lehm und fliegen dann davon. In dem Bienenhotel, das eigentlich eine Brutstation ist, entwickeln sich die Larven und schlüpfen dann – meist im nächsten Frühling – aus.

Die derzeitigen heißen Sommertemperaturen jedenfalls sind ideal für Bienen und andere Insekten: „Bei schönem Wetter können sie auch besser fliegen und auf Nahrungs- oder Paarungssuche gehen als bei kaltem Regenwetter“, so Langenhorst. Problematisch werde es erst, wenn Dauerhitze die Nahrungsquellen verdorren lässt.

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