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Georg Bätzing spricht über das erste Jahr seiner Amtszeit: Bilanz: Der Herzbischof von Limburg

Von Der neue Bischof von Limburg ist gern nahe bei den Menschen, kann aber nicht jede ihrer Erwartungen erfüllen. Und er hat weiterhin ein großes Anliegen.
Foto: Anette in Concas Der Bischof lacht gern. Wen er hier wohl im Visier hat?
Limburg. 

Ein Termin jagt den nächsten, der Chef muss ständig schwere Entscheidungen treffen. Von Stress oder gar Überlastung aber keine Spur. Georg Bätzing sitzt gelassen bei einem Bier im Bischofsgarten und plaudert locker mit Journalisten über das erste Jahr seiner Amtszeit.

Stichtag ist erst der 17. September, doch aus Termingründen hat das Bistum das Gespräch aus diesem Anlass vorverlegt. Es liegt denn auch an der Urlaubszeit, dass der Bischof so gut erholt ist. Er war nur ein paar Tage im Dienst, davor zwei Wochen mit Freunden in der Toskana. Und morgen bricht der 56-Jährige schon wieder auf, diesmal zur traditionellen Wandertour mit seiner Schwester nach Oberbayern. „Für mich ist es nicht so wichtig, wo es hingeht, sondern mit wem“, erzählt Bätzing.

Man merkt ihm freilich auch sonst nicht an, dass das Amt für ihn eine Last wäre. Bei allen öffentlichen Auftritten und (mehr oder weniger) privaten Begegnungen wirkt der Mann gut gelaunt und liebenswürdig. Er sei fitter als in Trier, sagt Bätzing, weil er mehr radele: meistens ins Büro und abends oft an der Lahn entlang.

Auch dienstlich fällt seine Bilanz positiv aus: Das Bistum sei im Aufbruch und keineswegs gespalten.

„Ich fühle mich ausgesprochen wohl. Ich bin gerne hier und auch zunehmend gerne Bischof“, sagt er. Wie bitte? „Am Anfang war es ja ein Schock für mich“, erklärt er. „Das hat sich gewandelt in Respekt vor dem Amt, der von Tag zu Tag zunimmt. Es ist gewaltig, was von einem Bischof erwartet wird.“

Bild-Zoom Foto: Anette in Concas
Sogar beim Grillen im Bischofsgarten wird er ständig fotografiert.

In Limburg spüre er ganz anders als in Trier, wo er Generalvikar war, dass die katholische Kirche eine bischöfliche Kirche sei. Die Gläubigen wollten sich mit dem Bischof identifizieren können und ihn als Hirten sehen, der ihnen Orientierung gibt. Dies führe dann aber auch dazu, dass die Menschen sich tief verletzt fühlten, wenn das Amt anders ausgeübt werde – wie von seinem Vorgänger. Diesen Zusatz muss Bätzing nicht aussprechen.

Wie ein Pastor...

Auf dem Weg von seinem Wohnhaus am anderen Ende der Stadt zum Amtssitz am Domberg – sieben Minuten mit dem Rad und 15 zu Fuß – komme er sich vor wie ein Pastor, erläutert der Bischof. Viele suchten das Gespräch, manche wollten auch Rat. „Ich bin kein Therapeut“, betont der Seelsorger.

Der erste Eindruck hat sich bestätigt: Bätzing ist ein Menschenfischer, der nicht nur auf Christen zugeht. Auf der Kanzel und auf der Straße erobert er die Herzen. Limburg ist zwar kein Erzbistum, hat aber einen (H)erzbischof.

Die Euphorie um ihn werde sich irgendwann schon wieder legen, sagt Bätzing. Sie ist ihm hie und da übertrieben, doch durchaus nicht unangenehm. „Ich suche Nähe und ich will Nähe schenken. Das ist keine Strategie, um gut anzukommen, sondern mein Naturell.“

Deshalb ist er auch froh, nicht in die skandalträchtige 31-Millionen-Residenz am Dom eingezogen zu sein. Von moralischen Überlegungen mal abgesehen: „Diese Wohnung entspricht einfach nicht meinem Stil. Ich könnte dort nicht leben, weil ich nicht eingemauert sein will“, sagt Bätzing.

Kirchenentwicklung dauert länger

Der Prozess der lokalen Kirchenentwicklung im Bistum wird zwei Jahre länger dauern als geplant. Die Strukturen seien von seinem Vorgänger gut vorbereitet worden, sagte Bischof Bätzing, doch für

clearing

Das zuletzt vom früheren Generalvikar Franz Kaspar bewohnte Haus in der Ferdinand-Dirichs-Straße gefällt ihm sehr gut, in einem separaten Raum hält der Frühaufsteher (6 Uhr) jeden Morgen Andacht. Dafür braucht es halt doch nicht eine millionenteure Privatkapelle. Dieses umstrittene Objekt am Bischofssitz werde jedoch ebenfalls regelmäßig genutzt, sagt der Hausherr. Die Diensträume und die öffentlichen Bereiche nebenan sowieso. Die Wohnung werde demnächst geringfügig umgestaltet, um sie barrierefrei für einen Teil des Diözesanmuseums nutzen zu können.

„Vielleicht will ja mein Nachfolger da mal wohnen“, sagt Bätzing. Zukunftsmusik – ebenso wie die Versöhnung mit seinem vom Hof gejagten Vorgänger. Dass er an diesem „großen Anliegen“ festhält, ist für den Bischof jedoch klar. Dem ersten Gespräch mit Franz-Peter Tebartz-van Elst nach der Ernennung würden sicher noch weitere folgen. „Versöhnung ist ein Grundpfeiler der christlichen Botschaft“, betont Georg Bätzing.

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