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Schüler und Studenten demonstrieren: Bildungsdemo für mehr Geld

Von Zu einem Bildungsstreik waren am Mittwoch Studierende und Schüler bundesweit aufgerufen. In Wiesbaden gingen zwischen 1200 und 2000 Teilnehmer auf die Straße.
Studenten und Schüler demonstrieren vor dem Hauptbahnhof in Wiesbaden für eine bessere finanzielle Ausstattung des Bildungssystems. Foto: dpa
Wiesbaden. 

Mit Tröten und Hupen geben sich die Demonstranten von heute nicht zufrieden. Gleich einen ganzen Bildungs-Rap hatten die Studierenden der Frankfurter Universität getextet und vertont. Mit der flotten Musik ging es gestern vom Wiesbadener Hauptbahnhof durch die Innenstadt zum Wissenschafts- und zum Kultusministerium. „Bildung ist der wichtigste Grundbaustein des Lebens, wir sind die Wurzel der Gesellschaft, warum wird ausgerechnet bei uns gespart?“, fragte Landesschulsprecherin Fevzije Zeneli.

Kleinere Klassen, mehr individuelles Lernen, bessere Ausbildung der Lehrer – die Schüler hatten einiges auf dem Herzen. An den Frankfurter Schulen gebe es einen Investitionsstau von einer Milliarde Euro, eine Schule sei sogar einsturzgefährdet, sagte der Frankfurter Stadtschulsprecher Frederik Michalke. Die Bildungspolitik selbst sei rückwärtsgewandt, weil sie immer noch soziale Ungleichheiten produziere, kritisierte er.

Bilderstrecke Schüler und Studenten streiken für bessere Bildung
Marode Schulen, überfüllte Hörsäle: Schüler und Studenten haben die Nase voll von schlecht ausgestatteten Bildungsstätten. Am 25. Juni 2014 trugen sie ihren Protest dagegen in Wiesbaden auf die Straße. FNP.de zeigt Fotos der Demonstration in dieser Fotostrecke. Mit Fotos von dpa (4) und Volker Watschounek.Zu der Auftaktveranstaltung am Wiesbadener Hauptbahnhof kamen nach Angaben der Organisatoren rund 2.500 Teilnehmer, die Polizei sprach von etwa 1.200.Der Hashtag "bildungsstreik14" war das Label, unter dem die Demonstranten auch im Internet ihren Protest verbreiteten.

In Frankfurt gebe es für 60 000 Studierende gerade einmal 1850 Wohnheimplätze, erzählte AStA-Vorsitzende Myrella Dorn. Dazu habe die Bologna-Reform immer negativere Auswirkungen: Der Bachelor-Abschluss reiche keineswegs aus, um einen Job zu finden; in den Master-Studiengängen gebe es aber viel zu wenig Plätze.

Mehr Freiheit

Die Hochschulen müssten wieder weg vom wirtschaftsorientierten Kundenprinzip kommen, das nur zu Druck und sinkender Qualität führe. „Bildung muss wieder etwas Freies sein und nicht der Wirtschaft dienen“, betonte Dorn. Das Studium müsse sich der Lebenswirklichkeit der Studierenden anpassen – mit Auslandssemester, Jobs und auch mal einem nicht bestandenen Seminar.

Unbezahlbare Mieten, teurer ÖPNV, unterfinanzierte Hochschulen, auch die Forderungen der Studierenden ergaben eine lange Liste. Zudem forderten sie den Rücktritt von Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU): Wer als Innenminister Flüchtlinge abschiebe und Demonstranten einkessele, den „wollen wir nicht haben.“

Rhein wehrte sich gegen den Vorwurf der Unterfinanzierung und betonte, die Landesregierung nehme viel Geld für die Bildung in die Hand. Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner verwies darauf, dass die Schulen in den Haushaltsberatungen ja ausdrücklich von Kürzungen ausgenommen seien. Die Bologna-Reform wolle sich Schwarz-Gelb noch mal ansehen.

Derweil zog der Protestzug laut und friedlich durch Wiesbaden, begleitet von einem Großaufgebot an Polizei. Sogar die Bannmeile um den Landtag war abgesperrt worden, obwohl die Demonstration so weit gar nicht kam. Die Demonstranten wollten nur gehört werden: „Wessen Bildung? Unsere Bildung!“, skandierten sie. Während die Landesschülervertretung von 3000 Demonstranten sprach, schätzte die Polizei den Zug eher auf 1200 Teilnehmer.

Am Ende der Kräfte

In Marburg seien Seminare mit 60 Leuten keine Seltenheit, die Lehrkräfte oft überfordert und am Ende ihrer Kräfte, berichtete Aline Adam: „Bildung ist zur Massenabfertigung geworden.“ Stadtschulsprecher Niko Schmidkunz aus Gießen berichtete von 80 Klassenräumen in Containern. „Wir brauchen schlichtweg mehr Geld“, sagte Zeneli. Die Demonstranten wollen deshalb weitermachen – mit einem Bildungsstreik im Herbst.

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