Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

Bischöfe beraten sich in Fulda

Die katholische Kirche kann ihren Mitgliederschwund nicht stoppen. Viele drängende Fragen sind ungelöst. Vor der Bischofsversammlung in Fulda machen Kritiker nun Druck. Bei dem Herbsttreffen ist „Armut“ das Schwerpunktthema. Aber es gibt auch politische Worte.
Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz Foto: Arne Dedert (dpa) Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gestern in Fulda.
Fulda. 

Die kritische Initiative „Wir sind Kirche“ hat die katholischen Bischöfe aufgefordert, dem Bedeutungsverlust der Kirche entschiedener entgegenzuwirken. „Die Glaubenskrise schreitet immer weiter voran. Viele Menschen sagen zu recht: So kann es nicht weitergehen“, sagte Sprecher Christian Weisner der Deutschen Presse-Agentur. „Der Unmut an der Basis wächst. Die Bischöfe sind zum Handeln aufgefordert“, ergänzte er vor dem Auftakt der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda.

Abzulesen sei die tiefgreifende Krise unter anderem am anhaltenden Mitgliederschwund. Im vergangenen Jahr registrierte die katholische Kirche 181 925 Austritte (2014: 217 716).

Der DBK-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, sagte gestern zu der Glaubenskrise: „Das treibt uns natürlich um.“ Das Thema werde in den Bistümern und der Bischofskonferenz erörtert. „Aber es gibt keine einfachen Antworten.“ Eine zentrale Frage sei, wie man den Glauben in die Gesellschaft bringen könne. Die Seelsorge und die pastorale Arbeit müssten sich darauf einstellen und die Biografien der Menschen stärker berücksichtigen. Doch ein Problem sei heutzutage, dass nicht nur die Kirche, sondern auch andere „Institutionen erodieren und von links und rechts ideologisch angegriffen werden“. Der Mitgliederrückgang ist nur eine Baustelle der Kirche. Eine andere ist der Priestermangel, der so akut ist wie nie zuvor. Die Bischofskonferenz zählte im Vorjahr nur 58 Priesterweihen – Negativ-Rekord. „Über den Pflicht-Zölibat wird deswegen so heftig diskutiert wie lange nicht mehr“, sagte Weisner.

Das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) macht sich angesichts des Priestermangels für eine Lockerung der strikten Vorschriften stark. Der dramatische Rückgang der Priesterweihen erfordere in letzter Konsequenz eine Lockerung des Zölibats, hatte ZdK-Präsident Thomas Sternberg Ende August erklärt. Neben der Option, die Ehelosigkeit als Bedingung für das Priesteramt abzuschaffen, sprach sich Sternberg für die Einführung des Diakonats der Frau aus. Das Diakonat ist die erste Weihestufe in der katholischen Kirche, es folgen Priester und Bischof. Bisher sind in allen drei Stufen nur Männer erlaubt.

Wegen des Priestermangels seien Zusammenlegungen von Pfarreien unausweichlich, erklärte Weisner und warnte: „Die Kirche verliert dadurch den Kontakt zu den Menschen.“ Ohnehin nähmen nur noch rund zehn Prozent der deutschen Katholiken am Sonntagsgottesdienst teil. Angesichts des Personalmangels sei es auch wichtig, dass der Einfluss von Frauen in der katholischen Kirche gestärkt werde.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse