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"Beide Identitäten gestärkt": Brite wird Deutscher wegen des Brexits

Der Brexit könnte ihnen das Leben in Deutschland plötzlich schwer machen, fürchten viele Briten. Sie liebäugeln daher mit der deutschen Staatsbürgerschaft. Der Offenbacher Psychotherapeut Massey Skatulla hat den Schritt getan.
Der Brite Massey Skatulla ist jetzt Deutscher Foto: Andreas Arnold (dpa) Massey Skatulla
Offenbach. 

Deutscher zu werden war für Stuart Massey Skatulla lange undenkbar. Dabei lebt der Engländer schon seit mehr als 30 Jahren im Rhein-Main-Gebiet, hat eine Praxis als Kinder- und Jugendpsychotherapeut und spricht akzentfreies Deutsch. Seine Frau ist Deutsche, ihre Kinder kamen in Hessen zur Welt. Die Nachteile als Ausländer – sogar als tadellos Deutsch sprechender EU-Bürger – nahm Stuart Massey Skatulla in Kauf: Schwierigkeiten bei Behördengängen und das eingeschränkte Wahlrecht etwa.

Der 43-Jährige erklärt das so: „Meine Identität hatte schon sehr stark mit dem Englischen und dem Europäischen zu tun.“ Und: „Ich bin damit aufgewachsen, das Gefühl zu bekommen, eigentlich gar nicht richtig dazu zu gehören in Deutschland.“

Massey Skatulla hat viele Kulturen kennengelernt: Seine Praxis liegt in Offenbach, der Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland. „Ich kenne die Hürden im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen.“ Das gilt aber nicht nur für seine Arbeit als Therapeut, sondern auch für sein eigenes Leben: In Manchester geboren, zog er als Kind mit seinen Eltern zunächst nach Belgien, später nach Frankreich und dann nach Deutschland. Der reiselustige Europäer spricht drei Sprachen fließend: Englisch, Französisch und Deutsch. Seine Frau hat Wurzeln in Schlesien und kann außer Deutsch und Englisch auch Polnisch und Russisch.

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Als sich jedoch abzeichnete, dass die Briten bald über den Brexit abstimmen würden und er als langjähriger Auslandsbrite nicht mitentscheiden konnte, sei er fassungslos gewesen und habe seine Einstellung zur deutschen Staatsbürgerschaft geändert, sagt Massey Skatulla. Seit Sommer ist er nun Deutscher und Brite. „Ich hatte die Sorge, dass der Brexit irgendwann ungünstige Konsequenzen auf meinen Lebensstatus haben könnte“, begründet er seine Entscheidung.

Was hat sich seit seiner Einbürgerung geändert? „Beide Identitäten haben sich stärker herausgebildet“, sagt Massey Skatulla. „Mit Deutschland fühle ich mich jetzt mehr heimatverbunden.“ Aber auch den modernen Briten fühle er sich zugehöriger als vorher. „Bei der jungen Generation herrscht totales Entsetzen über den Brexit. “

(lhe)
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