Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Ostercamps: Büffeln statt Ferien

Von Seit 2007 bieten Schulen in Hessen Schülern die Möglichkeit, gezielt Unterrichtsstoff nachzubereiten. Das Besondere daran: Die Jugendlichen kommen dazu freiwillig in den Osterferien in die Schule.
Ein Ostercamp im Hochtaunus. (Archivbild) Ein Ostercamp im Hochtaunus. (Archivbild)
Flörsheim. 

Die Versetzung in die nächste Klasse ist gefährdet, ob es mit dem Schulabschluss wirklich klappt, ist ungewiss – diese brenzligen Situationen sind manchem Schüler im Frühjahr nur allzu gut bekannt. Wer da noch mal ranklotzen möchte, um sein Ziel zu erreichen, dem wird in den sogenannten Ostercamps geholfen: Dort gibt es in kleinen Gruppen intensive Unterstützung in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch oder einer weiteren Fremdsprache.

Mit gutem Erfolg wie der Rückblick zeigt: Im Jahr 2007 gestartet, sind nach Angaben des hessischen Kultusministeriums knapp 17 000 Schüler durch die schulbezogenen Camps marschiert, mehr als 80 Prozent der Teilnehmer schafften danach die Versetzung oder ihren Abschluss.

Der Preis dafür ist Fleiß: Die schulbezogenen Ostercamps gehen über eine Woche der Osterferien, in den vier zentralen „o.camps“ in Schullandheimen wird sogar fast beide Ferienwochen durchgebüffelt. 2100 Schüler sind dieses Jahr laut Jens Volcksdorff, zuständiger Projektleiter im Kultusministerium, an 43 Schulen im ganzen Land angemeldet, an den vier zentralen Camps für die Bezirke Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden/Rheingau und Kassel ist jeweils Platz für weitere 60 Schüler. Während sich das Angebot der „o.camps“ an Schüler der 8. Klasse aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen richtet, sollen die schulbezogenen Ostercamps Schülern der Stufen 8 bis 10 weiterhelfen.

In den vergangenen Jahren nahmen meist bis zu 2500 Jugendliche an den Intensivschulungen teil. Angefangen hatte alles im Jahr 2007 mit 800 Schülern an 29 hessischen Schulen. Die Feriencamps sollten dazu beitragen, die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss deutlich zu verringern, sagte die seinerzeitige Kultusministerin Karin Wolff (CDU).

Kritik hingegen kam damals von Lehrergewerkschaft und Landeselternbeirat (LEB). Generell sollten die Schulen so ausgestattet sein, dass das nicht erforderlich sein müsste, hatte die Lehrergewerkschaft GEW kritisiert, die damalige LEB-Vorsitzende Kerstin Geis, heute Landtagsabgeordnete für die SPD, hatte gefordert, die Qualität des Unterrichts in den Schulen kritisch zu hinterfragen, wenn solche Angebote nötig seien. Diese Kritik ist jedoch weitgehend verstummt.

Nicht ohne Abschluss

Weniger Schüler sollen die Schule ohne qualifizierten Abschluss verlassen, beschreibt Volcksdorff das strategische Ziel, „und dazu sind die Ostercamps ein kleines, aber feines Instrument“. Rund 160 000 Euro nimmt das Kultusministerium in diesem Jahr in die Hand, um die 43 teilnehmenden Schulen und die vier Zentralcamps zu unterstützen. Für die Schüler ist die Teilnahme bis auf einen Beitrag für das gemeinsame Mittagessen kostenlos.

„Im ersten Moment denkt man: Kacke, dass man hier sitzt“, meint Camp-Teilnehmer Justin, der in einer kleinen Gruppe an der Sophie-Scholl-Schule in Flörsheim (Haupt-/Realschule) gestern in den Intensivkurs gestartet ist und nun Englisch und Mathe paukt. „Aber dann denkt man, ist doch gut, man lernt ja fürs Leben.“

Der junge Mann hat bereits eine Ausbildungsstelle zum Elektriker sicher, er braucht dazu aber seinen Abschluss. Fabienne hingegen will danach noch weiter die Schulbank drücken: „Erst das Fach-Abi Gesundheit und dann Ergotherapie.“ Ähnlich der Plan von Kübra: „Die Schule weiter besuchen und dann Architektur studieren.“

Während hier alle aus einer Klasse kommen und auch von ihrer Klassenlehrerin unterrichtet werden, sitzen einen Raum weiter Schüler der 8., 9. und 10. Klasse in einem reinen Mathekurs. Zunächst steht die Diagnostik über den Lernstand auf dem Programm, wie Schulleiter Reik Helbig berichtet, „rauskriegen, was not tut, dann wird individuell gelernt“.

Die Schulen, die solche Camps einrichten wollen, müssten sich beim Kultusministerium in Wiesbaden bewerben und ein pädagogisches Konzept vorlegen, sagt Volcksdorff. Die jetzige Zahl von 43 ist nicht die Obergrenze, bis zu 100 Schulen könnten teilnehmen. Vorausgesetzt an den Schulen meldet sich genügend pädagogisches Personal: Das können neben Lehrern auch Lehramtsstudenten in höheren Semestern sein. Zumindest an der Sophie-Scholl-Schule kein Problem: „Wir hatten sogar zu viele Lehrer, die sich gemeldet haben“, berichtet Rektor Helbig.

Auf einem guten Weg

An der Tafel im Raum von Justins Lerngruppe hängt ein Plakat mit dem handgeschriebenen Satz: „Konfuzius sagt, der Weg ist das Ziel.“ Dazu eine gemalte Straße, die sich vom 4. April, dem ersten Camp-Tag, bis zum Prüfungstag im Mai schlängelt. „Ihr habt alle einen tollen Weg vor Euch“, sagt Kultusstaatssekretär Manuel Lösel zum Abschluss seines Besuchs in der Flörsheimer Schule.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse