Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

Flüchtlinge besonders gefährdet: DLRG warnt: Schon 30 Badetote in Hessen

Von Traurige Zwischenbilanz: In Deutschland sind so viele Menschen ertrunken wie schon lange nicht mehr. Einen hohen Anstieg hat auch Hessen zu verzeichnen. Sind die Bäder-Schließungen mit daran schuld?
Schwimmer mit Luftmatratze auf dem Badesee Walldorf. Foto: Daniel Reinhardt (dpa) Schwimmer mit Luftmatratze auf dem Badesee Walldorf.
Frankfurt. 

Das Jahr ist noch nicht vorbei, doch jetzt lässt sich schon sagen: In deutschen Gewässern sind in den ersten acht Monaten 425 Menschen ertrunken – das ist der höchste Stand seit acht Jahren. Besonders dramatisch ist die Zunahme von Todesfällen in Hessen. Hier sind bislang 30 Menschen ertrunken – schon sechs mehr als im gesamten Jahr 2015.

Diese alarmierenden Zahlen gab die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bekannt. Die meisten Todesfälle (73) hat Bayern zu verzeichnen. „Nur der durchwachsene August hat verhindert, dass noch mehr Menschen ertranken“, so DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje.

Die Ursachen sind fast überall gleich. Leichtsinn, das Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, hohe Risikobereitschaft sowie vor allem das Baden an unbewachten Stellen in offenen Gewässern. Auch hier bildet Hessen keine Ausnahme: Schon 14 Menschen starben in diesem Jahr beim Baden in einem Fluss, zwölf in einem See oder in einem Teich. Drei tödliche Schwimmbadunfälle hat es gegeben.

Erst vor rund einer Woche ereigneten sich kurz hintereinander zwei Unfälle in hessischen Gewässern. Zunächst entdeckte ein Schiffsführer einen leblosen Körper auf der Höhe von Raunheim (Kreis Groß-Gerau). Wenige Tage zuvor war ein 45-Jähriger bei einem Bad im Main ertrunken. Spaziergänger fanden die Leiche.

Für besonders viel Aufsehen hatte in Hessen der tragische Tod von drei Geschwistern in einem Teich im nordhessischen Neukirchen gesorgt. Die Kinder im Alter von fünf, acht und neun Jahren ertranken im Juni in einem frei zugänglichen Löschteich.

Ein anderer trauriger Trend der vorigen Jahre scheint sich fortzusetzen: In der Altersstatistik ist seit einigen Jahren ein Anstieg bei Erwachsenen ab 50 Jahren zu beobachten. Die Zahlen in Hessen belegen: Die meisten tödlichen Badeunfälle sind in der Altersgruppe zwischen 50 und 90 Jahren zu verzeichnen.

Als besondere Risikogruppe sehen die Lebensretter zudem Flüchtlinge. Seit Januar ertranken in Deutschland 56 Asylsuchende, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015. Vermutlich weil sie nicht so gut schwimmen können. In hessischen Gewässern starben in diesem Jahr bislang fünf Flüchtlinge. Alle waren junge Männer zwischen 22 und 32 Jahren und sind beim Schwimmen im Main oder Rhein oder in einem Badesee untergegangen, wie zuletzt Mitte August in einem Baggersee in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis). Vielerorts hat die DLRG schon reagiert und Flüchtlinge in Schwimmgruppen integriert oder Zusatzangebote geschaffen. Andererseits ist die Kapazität in den Schwimmbädern begrenzt und es gibt Wartelisten für Schwimmkurse.

Die Probleme bei den Schwimmkursen führen die Lebensretter auch bei den Grundschulkindern an. Dort stieg die Zahl der Opfer bundesweit um vier auf zwölf. Bei den 11- bis 14-Jährigen wurden 14 Todesfälle gezählt, neun mehr als 2015. Der Vorwurf der DLRG: „Diese Zahlen sind das Ergebnis der Bäderschließungen und der damit verbundenen Ausfälle von Schwimmunterricht an den Schulen“, sagt DLRG-Chef Hans-Hubert Hatje. In Hessen wurden seit dem Jahr 2000 44 Schwimmbäder geschlossen. 24 davon ersatzlos.

Weil aktuell bestes Badewetter herrscht, rechnet die DLRG für das gesamte Jahr 2016 mit einem noch deutlicheren Anstieg der Todesfälle. „Wir stehen noch mal vor einem schönen Wochenende“, sagt Michael Hohmann von der DLRG Hessen, und ergänzt: „Das macht uns große Sorgen.“

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse