Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 13°C

Erforschung des Universums: Darmstadt greift nach den Sternen: Baubeginn für Beschleunigeranlage "Fair"

Was passierte nach dem Urknall? Der Teilchenbeschleuniger "Fair" soll bei der Aufklärung helfen. Wissenschaftler sprechen von einem ambitionierten Projekt - und von "verschobenen Grenzen".
Das Baufeld der in Darmstadt geplanten Teilchenbeschleunigeranlage Fair. Foto: GSI Helmholtzzentrum Das Baufeld der in Darmstadt geplanten Teilchenbeschleunigeranlage Fair. Foto: GSI Helmholtzzentrum
Darmstadt.  Baubeginn für eines der weltweit größten Vorhaben für die physikalische Grundlagenforschung: Mit der teilweise unterirdischen Teilchenbeschleunigeranlage Fair wollen Wissenschaftler die letzten Rätsel des Universums lösen. Gelüftet werden sollen Geheimnisse von der Zeit kurz nach dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren bis in die Gegenwart hinein. Der Spatenstich für dieses internationale «Universum im Labor» steht unmittelbar bevor. Offiziell losgehen soll es am nächsten Dienstag (4. Juli).

Auf einer Fläche von insgesamt 20 Hektar entsteht Fair am 1969 gegründeten GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. «Das Projekt wird die Grenze unseres Wissens über das Universum weiter nach vorne schieben», sagte der wissenschaftliche Geschäftsführer von Fair und GSI, Paolo Giubellino (56).

«Der Spatenstich ist ein Meilenstein im Gesamtprojekt», erklärte der Technische Geschäftsführer von Fair und GSI, Jörg Blaurock (53): «Das ist eine hochkomplexe Anlage. Wir wollen einzigartige Experimente durchführen.» Der volle Betrieb mit einer nie dagewesenen Vielfalt an Experimenten ist für 2025 geplant.

Herzstück der neuen Anlage ist ein 1,1 Kilometer langer Ringbeschleuniger, der 17 Meter tief unter der Erde verläuft. Er wird an den bestehenden GSI-Beschleuniger angedockt, der etwa 200 Meter Umfang hat. Elektrisch geladene Teilchen, Ione und Antiprotone mit einem Durchmesser von rund Zehnmillionstel Millimeter nehmen extrem hohes Tempo auf. In der neuen Anlage sollen sie fast die Lichtgeschwindigkeit von etwa 297 000 Kilometer pro Sekunde erreichen. Dann prallen sie auf einen Widerstand, auf eine Folie oder biologische Zellproben.

Beobachtet werden soll, wie im Zusammenstoß durch den extremen Druck und die extreme Temperatur neue Teilchen und Materieformen entstehen, wie sie sonst nur im Universum auftreten. Daraus wollen Wissenschaftler Rückschlüsse auf dessen Entwicklungsgeschichte ziehen. Bei dem Aufprall sollen auch extrem hohe Temperaturen erzeugt werden wie zum Beispiel im Inneren von Sternexplosionen. Forschungsgebäude werden wegen der Strahlung bei dem Projekt bis zu acht Meter dicke Betonwände haben.

Für das Bundesforschungsministerium ebnet Fair «den Weg für bahnbrechende Entdeckungen in Astro-, Kern- und Teilchenphysik bis hin zu Bio- und Materialwissenschaften». Für die Errichtung seien auf Preisbasis 2005 fast 1,3 Milliarden Euro eingeplant. Das meiste Geld komme vom Bund und dem Land Hessen mit zusammen knapp 880 Millionen Euro. Der Bund übernimmt laut Fair 65 Prozent der 1,3 Milliarden Euro, das Land Hessen 10 Prozent.

Gesellschafter der Fair GmbH sind neben Deutschland auch Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien. Großbritannien ist assoziierter Partner. Das internationale Beschleunigerzentrum soll rund 3000 Forschern aus 50 Ländern zur Verfügung stehen.

Bis es so weit ist, müssen laut Planung noch zwei Millionen Quadratmeter Erde bewegt werden - was etwa der Menge beim Bau von 5000 Einfamilienhäusern entspricht. Rund 600 000 Quadratmeter Beton müssen verbaut werden - im Mengenvergleich acht Mal das Fußballstadion Frankfurt. Hinzu kommen 65 000 Tonnen Stahl, was laut Planern sechs Eiffeltürmen entspricht. Auf der Baustelle sollen bis zu 1000 Menschen beschäftigt werden.

Fair gehört dann weltweit zu etwa einer Handvoll von Teilchenbeschleunigern. Am häufigsten verglichen wird die neue Anlage in Darmstadt mit dem Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Dort ist der Beschleunigerring mit knapp 27 Kilometern deutlich länger als die Version in Darmstadt. Cern konzentriert sich bei der Erforschung des Universums auf die Zeit unmittelbar nach dem Urknall.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse